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So glauben sie ihn wenigstens bis zu einem gewissen Teil bei sich zu haben, obwohl sie ihm die Ruhe, die er in der f landrischen Erde jetzt genießt, nicht verkümmern wollen.
Trotzdem so völliges Einvernehmen zwischen den Stiefeln und den Eitern herrscht, das >auf die nicht zu erschütternde Macht der Tatsachen gegründet ist, wird der Geist der letzteren doch ab und zu von einem aufrührerischen Gedenken gestreift, der sich etwa in die Worte kleidet: „Was wollen die Stiefel hier? Tie gehören doch ins Feld!" Tiefer Gedanke muß sich aber sofort durch den Bescheid zurechtweisen lassen: Wenn sie nur draußen einen Herrn finden könnten!
So müssen sich beide Teile, die Eltern und die Stiefel, damit bescheiden, wenigstens für me Lebenszeit der t erstereu aufeinander angewiesen zu fein. Tiefes Bündnis macht den Gedanken der Trennung von dem Haupt- gegenstand leicht und schwer. Es zaubert vergangene holde Zeiten vor ihr geistiges Auge und weckt wehmutsvolles Gedenken. Aber es erschwert ihnen auch die Aufgabe, sich von dem, was sie verloren haben, soviel als es nun einmal nötig ist, innerlich frei zu machen. Sie meinen, der da in fremder Erde liegt, müsse es in das Grab hinein fühlen, daß sie dieses Stück nicht leisten können.
Daran find aber nur die Stiefel schuld.
Weber das Verhalten bei Trauungen.
Wer.sich über das rechte Verhalten bei Trauungen das rechte Urteil bilden will, der muß sich vor allen Dingen vergegenwärtigen, daß die kirchliche Trauung für das Paar, das getraut wird, e.was ungemein W.cht.ges, Bedeutungsvolles und Heiliges ist. Tie Stunde, da ein Paar vor dem Altäre steht, ist für das ganze spätere Leben entscheidend, und wenn man in der späteren Zeit auck noch io viel vergessen mag, den Tag rerges'en zwei Ehegatten nie, da sie beim Klang der Orgel in das Gotteshaus eingezogen sind und einander Liebe und Treue versprochen haben.
Diesen Gesichtspunkt müssen die Verlobten selbst im Auge behalten und stets voranstellen. Vor dem Kriege kam es hin und wieder vor, daß der Bräutigam offensichtlich kund tat, daß ihm an der ganzen Handlung^ gar nichts gelegen sei, daß er sie nur mitmache, weil es einmal so Sitte sei. Und die Braut sah die Hochzeit als einen Tag an, an dem sie Triumphe feierte. Wenn nur recht viele Zuschauer in der Kirche waren, so war es schon gut. Ein tief veranlagter Mensch denkt anders. Er ist an stimm Hochzeitstage erfüllt von tiefem Glücksgefübl, aber auch in sich gekehrt und deniitig. Er weiß, genau, daß man im Leben keineswegs immer Rosentage hat und daß der, der anr Hochzeitstage eitel ist, hinterher die größte
Enttäuschung erlebt und tief gedemütigt wird. Ein Bräutigam, der an diesem Tage seine Gottlosigkeit onenbart, eine Braut, die nur Tri.mphe >eiern w.l, wer tö.mte F eude an solchen Menschen Haren? Conrad Ferdinand Meyer hat einer Braut am Hochzests- tage zugerusen: Geh und lieb und leide! Ter große Dichter hat gewußt, warum er so gesagt hat: denn er kannte das Leben. Wie widerwärtig ist der Anblick, wenn eine Braut ihre Augen neugierig über die Zuschauer in der Kirche einhergehen läßt. In einer Großstadt sah ich einmal einen Bräutigam, der beim Einzug in die Kirche nach allen Richtungen hin die Anwesenden durch Verbeugungen begrüßte. Ein andermal hörte ich von einer Braut, die noch am Altäre stehlend ihren Freundinnen lächelnd zuwinkte. Ter Krieg hat hier eine Aenderung herbei- geführt. Unsere jungen Paare kennen jetzt den Ernst des Lebens und verschmähen bei der Trauung überflüssigen Prunk und auffälliges Gebarm.
Es ist bei unseren Trauungen Sitte, daß zuerst die Hochzeitsgäste die Kirche betreten und auf dm vorderen Bänken Platz nehmen. Selbstverständlich' gebührt hier den Eltern die erste Reihe. Daß sich lautes Sprechen im Gotteshause nicht ziemt, weiß jeder Mensch von guter Erziehung. Zuletzt erscheint das Brautpaar, das unter Voran- tritt des Geistlichen zum Altar sch eitet. In der Regel folgen die beiden Trauzeugen, die allerdings für die kirchliche Trauung weniger Bedmtung haben als für die standesamtliche Eheschließung. Tie Hochzeitsgescllscha't bleibt sitzen und erhebt sich nur, wenn das Schtußgebet, das Vaterunser und der Segm gesprochen werden.
Oft kommt es vor, daß zur Trauung kleine Kinder mitgenommen werden, die nicht wi'sen. daß zu einer gottesdienstl'chen Handlung Stille er'orderlich ist. Bei ei er Haustaube mag es weniger störend sein, wenn das ältere Brüderchen oder Schwesterchen etwas lebhaft wird, bei Trauungen bedmtet es eine unangenehme Störung, wenn klei'w Kinder sprechen oder weinen oder ungeduldig auf der Bank bin und her rutschen und die Hochzeitsgesellschaft in Bewegung bringen. Niemand wird doch um kleiner Kinder willen, die von der ganzen Feier nichts verstehen und sich dabei nur langweilen, dem Brautpaare die Stimmung am Hochzeitstage stören w-sten. .Wenn Kinder an einer Hochzeit tecknehmen sollen, so nebme mau sie mit zur häuslichen Feier, hier können sie durch ihr ve-gnügtes Wesen sehir zur Erhöhung der Stimmung beitragen. Ob Kinder vorauschreitend dem Brautpaar in der Kirche Blumen auf den Weg stteuen sollen, das blu' e dem Takte des Brautpaares oder der Angehörigen überlassen. In der Regel fühlen sich namentlich kleinere Kinder, wenn sie in dieser Weise öffentlich austrcten sollen, totunglücklich und wissm kaum, was sie tun sollen. Leitend


