Ausgabe 
29.7.1917
Seite
4
 
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welchen Die älteste Tochrer durch die Groß­mütter, deren Liebling sie war, ganz ver­zogen wurde. Wir gingen eines Tages unter den Linden, ich neben meinem. Oheim. Da iam Jettchen an mich heran und sagte:Du mußt nicht mit uns in einer Reihe gehen: der Barsche gehört hinten hin!" Ich tat, als lütte ich es nicht gehört: aber ich wußte sehr wohl, wer der Souffleur dieser Worte gewesen war. Daß dies meine Lust, die Familie zu begleiten, nicht vermehrte, war natürlich.

(Fortsetzung folgt.)

Kleine Mitteilungen.

Die Zeitungen haben neulich erwähnt, daß die Vorfahren des aus dem Amte ge­schiedenen Reichskanzlers v. Bethmann Holl­weg aus Gießen stammen. In dem Verzeich­nis der Verstorbenen, das unsere Kirchen­gemeinde aufbewahrt, ist unter dem 9. Juni 1645 als beerdigt eingetragen:Johannes Holweg, 76 jar, vixit in altero matrimonio" d. hi. lebte in zweiter Ehe. Dieser Holweg war Schuhmachermeister, einer seiner Söhne war Pfarrer in Butzbach. Durch mehrere Ge- nerationen hindurch sind dann die Vorfahren des Staatsmannes Pfarrer gewesen, bis einer von ihnen als Jurist nach Frankfurt iam und sich mit der Tochter des Bankiers Berhmann verheiratete.

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Zu unserem ArtikelGießen vor 40 Jah­ren" wird uns ein drolliger Vorgang mit­geteilt, der sich um das Jahr 4860 hier er­eignete. Ein Student, der Mitglied der Bur­schenschaft Germania war, erhielt eine Polt- zeistrafewegen Verrammelung der Hinter­gasse mittels eines zweiöhmigen Fasses". Die Hintergasse ist die heutige Wetzsteingasse. Sie kann damals nicht die Breite einer Straße in einem modernen deutschen Stadt­teil gehabt haben, wenn mün sie mit einem zweiöhmigen Fasse verrammeln konnte. Gießen war noch im Anfang des 19. Jahrhunderts eine Stadt, deren Gesund- l eitsverhältnisfe sehr ungünstig waren. Eine alte Mitteilung besagt folgendes. Wer Gießen im Anfang dieses (des 190 Jahr-

i underts gesehen hätte, würde die Stadt mit rinem hohen Walle umgeben gesehen haben, welcher an einigen Stellen so hoch war (be­sonders am Walltor), daß kaum die Spitze des Zeughauses (der heutigen Zeughauska­serne > darüber hinauSsah. Außerhalb des Walles war der Wallgraben und ein Damm, welcher die jetzige Schor bildet. Rach der Lahnseite hin war das Terrain weniger sumpfig als nach dem Gebiete der Wieseck. Dieser Sumpf, welcher durch Wehre, die

um Betriebe von Mühlen in der Lahn und Wieseck angelegt worden waren, gebildet

ii urde, machte auch, daß die niederen Stadt­

teile bei jedem Hochwasser überflutet waren, so daß man zum Beispiel in der Neustadt und im Tiefen weg in Bütten und Trögen von einem Dause zum andern fahren mußte. Beim Abzug des Wassers entstanden natür­lich große böse Ausdünstungen, welche in den niederen Teilen der Stadt meistens epide­mische Fieber zur Folge hatten. Um alle diese Uebelstände zu beseitigen, entwarf man den Plan 1. zur Schleifung der Stadt, 2. zur Entsumpfung der Stadt und 3. zur Anlage einer Straße über den Seltersberg. Diese Pläne wurden in einem Zeitraum von fünf Jahren (18161821' ausgeführt. Bei Aus­führung der Straße über den Seltersberg wurde die sogenannte kleine Mühle, welche sich am Einflüsse der Wieseck in die Lahn be­fand, angekauft und das Wehr abgebrochen. Die Wieseck konnte nun tiefer gelegt und in ihr jetziges Bett geleitet werden. Dieses be­werkstelligte die Entsumpfung der Stadt außerhalb im Wiesecktale. Die Entsumpfung im Innern der Stadt wurde durch die An­legung des Stadtgrabens und Regulierung der sogenannten Bach herbeigeführt.

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Am Samstag, dem 21. Juli, wurden aus unseren beiden Kirchen je die kleinste Glocke herabgenommen und an die Militärbehörde nbgeliefert. Man hat das Fehlen dieser Glocken an dem Geläute nicht weiter wahr­genommen. Wir wollen froh sein, wenn es bei dieser Beschlagnahme bleibt und wir die übrigen Glocken behalten können. Die be­schlagnahmten Glocken lassen sich nach dem Kriege wieder leicht ersetzen. Am Montag, dem 23. Juli, wurden aus beiden Kirchen auch die Pfeifen am Prospekte (der Vorder­ansicht) der Orgel entfernt und abgeliefert. Die Orgeln bieten infolgedessen keinen schö­nen Anblick, doch hoffen wir, daß das Orgel­spiel, wenn auch mit gewissen Einschränkun­gen, weiterhin den Gottesdienst feierlich ge­stalten kann. _

kirchliche Anzeigen.

Sonntag, den 29. Juli.

8. Nach Trinitatis.

G o t t e s d i e n st.

In der Ztadtkirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier­ten aus der Markusgemeinde Pfarrer Schwabe. Vormittags 9y 2 Uhr: Pfarrer Mähr. Mittwoch, den 1. August, abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde. Pfarrer Mahr.

In der Iohannerkirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier­ten aus der Johannesgemeinde Pfarrassistent Lic. Reuning. Vormittags 9h4 Uhr: Pfarrer Bechtolsheim er. Abends 8 Uhr: Bibelbesprechung im Johannessaal.

Verantwortlich- Pfarrer Bechtolsheim er. Druck und Verlag der Driihl'schen Universitäls-Vuch- und Steindruckerei

R. Lange. Bietzen.