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Soldaten. Hud) beanspruchten die Pfarrer der Stadtkirche die Soldatenfrauen und Soldatenkinder für ihre Gemeinde. (Es fehlt im Kirchenbuche nicht an spitzen Bemerkungen, die die Burgpfarrer über ihre Kollegen an der Stadtkirche mach­ten, wenn diese angeblich in den Bezirk der Vurgkirche ein­gegriffen hatten. So schreibt der Professor und Burgpfarrer Gernand 1699, der Pfarrer an der Stadtkirche Schenck habe eine Beerdigung, die ihm zustand,unrechtmäßig angenom­men ohne mein vorbewußt".

Das Kirchenbuch, dem ich dies alles entnehme, trägt auf seinem Titelblatte die Aufschrift:Kirchen-Buch bep der Gießischen Burg-Kirche, darinn die verstorbenen, so zu dieser Kirche gehören, eingeschrieben sind und zwar nicht nur die­jenigen, so so von denen ehemaligen pfarrherren bep solcher Kirche v. Gebhardten, Prof. Gernandten und Prof. Uüdi- gern notiert wurden, sondern auch die, welche, so Pfarrer; Schilling und Pfarrer Eberwein an besagter Kirche das Amt geführet aus dieser Zeitlichkeit gegangen sind und noch ferner, so lange dieses Buches Blätter reichen, von hinnen gehen werden." Darunter stehen einige Bibelsprüche, die sich auf das Sterben beziehen, nämlich Jef. 40, 6 u. 8, Evang. Joch. 11, 25 u. 26 und ps. 90, 12.

Die meisten Einträge des Buches sind sehr kurz gehalten. Daß es damals in Gießen sehr viele alte Soldaten gab, die mitunter Haus und Hof hatten und in allen Fällen eine bürgerliche Hantierung, geht aus mehreren Einträgen hervor. 3m Jahre 1689 wird als beerdigt (in den alten Kirchen­büchern ist nicht der Todestag, sondern nur der Tag des Be­gräbnisses angegeben) genannt:Anna Katharina, Georg

heintzens, Soldaten gewesenes Eheweib, ihres Alters 58 Jahr." Ein anderer Eintrag aus demselben Jahre lautet:Andreas Walther, gewesener Soldat allhier, 74 Jahr alt." Ein Kon- stabler wird als Bürger und Kothgießer bezeichnet. HUc militärischen Bang stufen sind in diesem Buche vertreten, wir hören von Soldaten, Musketieren, Gnadensoldaten, Trommel­schlägern, Gerichtswebeln, Korporalen, Fechtmeistern, Haupt­leuten, Kriegskommissaren, Generalmajoren und Festungs­kommandanten.

Die Begräbnisse scheinen in verschiedener Form statt­gefunden zu haben. Manchmal heißt es ganz kurz:des Morgens beerdigt",' ein andermal lesen wir:Lolemnitutibus eonsuetis" (mit gewohnter Feierlichkeit). 3m Jahre 1705 fand eine Beerdigung stattmit Gesäng und Geläut", von einem Hauptmannskinde heißt es:des Morgens in einer Kutsche hinausgeführt und beerdigt". Cs war damals die Zeit, da man sehr viel auf Bang und Stand gab, noch im Tode wurden hier Unterschiede gemacht. Das merkt man an den Einträgen der alten Kirchenbücher, von einer Frau, die augenscheinlich, wie es oft in Luthers Bibelübersetzung lautet, keingutes Gerücht" hatte, heißt es es war dies im Jahre 1705:eine Frau, die Mombauerin genannt, nur mit einem Buß-Gebeth zur Erde bestattet." Dagegen steht vom 1. No­vember 1707 verzeichnet:Der hochwohlgeborene Herr, h. Johann henrilch Lckbrecht von Türckheim, Fürst!, hiessen- Darmst. gewesener General-Major, und Tommandant bey allhiesiger Stadt und vestung, seines Alters im 72. Jahre wurde Abends in der Burgkirche beygesetzt und dabei ein Leichen-Sermon gehalten von Pfarrer Schilling." Drei Jahre später wurde ein Student zu Grabe getragen, der genannt wirdAdolf Besserer von Thalfingen, gewesener vornehmer patricius der berühmten Kaiserlichen freyen Keichs-Stadt Ulm und der Uechten allhier Beflissener." Der junge Mann wurdeAbends mit Fackeln zur Erde bestattet".

Oft waren die Personalien der Beerdigten nicht bekannt, wir lesen aus dem Jahre 1689:ein Soldate und Italiener, so von einem anderen Soldaten erstochen worden, ist ohne Ablesung einiger Personalien des Morgens beerdigt." Bus dieser Notiz geht hervor, daß man damals auch in Gießen, wie das jetzt noch in Landgemeinden üblich ist, am Grabe einen kurzen, vom Pfarrer verfaßten Lebenslauf des verstor­benen verlesen hat. Ein andermal in dem schon genannten Jahre heißt es:ein 15jähriger, lahmer Sohn eines Sol­daten". 1693 wird notiertSoldat allhier, der Schambersin ihr zweiter Mann", weitere Einträge aus demselben Jahre lauten:Friederich, vulgo der lahme Fritz"Johann Boß, der Schweitzer genanndt, gewesener Soldat, 95 Jahre alt." 1707 wird zu Grabe gebrachtein einfältiger (geisteskranker) Junge, dessen Vater Soldat gewesen." Einige der vorstorbe- nen werden, wie das Beispiel desSchweitzers" schon gezeigt hat, mit ihrem Kamen, aber auch mit ihrem Beinamen ge­nannt. 1706 starbenMargarethe, vulgo die alte Kellerin, eine Soldatenwittib" undUnna Gertraud, vulgo die Böhmin." Schluß folgt.

Aus der Jugendzeit eines deutschen Mannes.

(Fortsetzung.)

Der ganze Umfang meiner Küchengeschäfte war mir im ersten halben Jahre noch nicht klar geworden. Man ließ es facht angehen und steigerte allmählich, und wirklich waren sie durch das vorher Ungegebene noch nicht erschöpft. Ich ge­stehe, daß mich diese Geschäfte frappierten,' denn daß sie nicht zu meinem Berufe gehörten, den ich in Berlin erlernen sollte, lag zu nahe, um darüber ungewiß zu bleiben. Ullein, wie viel man von mir fordern könnte, war mir unbekannt, und wen sollte ich danach fragen, da ich in Berlin außer meinem Gheim und dessen Bruder keinen einzigen Bekannten hatte? Beide hatten in ihren Lehrjahren sehr vieles von dem eben Gesagten tun müssen, das wußte ich aus den Erzählungen meiner Mutter, was durfte man nun einem Lehrburschen anmuten und was nicht? Ob darüber irgend eine Vorschrift bestände, wußte ich nicht, und wer sollte sich meiner anneh­men? Gab es Vorschriften, so mußten die Grenzen sehr weit gesteckt sein,' denn überall, besonders in den kleineren Werk, stätten, wurden die Lehrburschen zu allem Möglichen ge­braucht, und ich wußte, daß sie eigentlich nur die europäischen Sklaven waren. Ich hatte mich gegen meine Eltern beklagt. Sie ermahnten mich zur Geduld und zum Ausharren. Sollte ich das schon so schwer bedrückte Herz meiner Mutter betrüben und sie in neue Sorgen, neue Verlegenheiten stürzen?

was mich aber besonders kränkte, war die Bemerkung, daß ich gar nicht als verwandter in Betracht kam. Alle weib­lichen Wesen der Familie sprachen von mir nie anders als von demBarschen". Auf Rechnung der Verwandtschaft ka­men, wie ich späterhin sah, alle Küchendienste, die ich zu leisten hatte; aber anerkannt wurde ich darum doch nicht als Vetter. Und auf solchem Wege bildete man sich hochmütig ein, einenKünstler" zu ziehen! Mein Herz war mir schwer; ich konnte es niemandem ausschütten,' denn ich stand ganz allein. Zwar hatte ich noch einen zweiten Gheim in Berlin, denselben, der uns ftüher in Preußisch-Friedland besucht hatte und der jetzt Kompagnon in einer Glashandlung zu Berlin geworden war,' allein ich wußte, daß er mir nicht helfen könne, wenn er es auch vielleicht gewollt hätte. Daß er sich meinetwegen nicht mit seinem Bruder und dessen Fa-