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Aehnlich ist es noch das eine oder andere Mal gegangen. Meist aber ließ der liebe Gott seine Sonne scheinen. Allmählich ge­wann das Fest seine feststehenden formen, Spiele in dem Philosophenwald, dann Kaffee im Saal und daran anschlie­ßend Gesang, Ansprache, Rätselraten mit Bretzeln als Beloh­nung. Jedesmal war es ein großer Jubel."

Außerdem führten die Helferinnen ihre kleine Gruppe mindestens einmal im Jahr, zur Kirschenzeit,

spazieren.

Ls wurde gewünscht, daß die Helferinnen Hausbesuche bei ihren Gruppen machen sollten. Fräulein Agnes Simon, welche die Gründungszeit der Kinderkirche mit erlebte, be­richtet darüber:Diese Besuche waren eigentlich das Schönste und Anregendste, man lernte auf ganz natürliche Weise das Leben und Treiben mancher Leute kennen und Einblicke in ihre Verhältnisse tun, und sah, wo und wie man helfen durfte."

Neben der großen Schar von Helferinnen wirkten sehr im Legen auch viele Helfer, unter anderem Oberbibliothekar Dr. Heuser, der spätere Pfarrer in Baltimore Julius hoff- mann, der Pfarrer Andreds in Großkarben, der verstorbene Pfarrer Hofmann in Winnerod, Pfarrer Weinberger in Lar­denbach, Oberlehrer Prof. Matthes und Oberlehrer Prof. Knoll, beide in Darmstadt, Pfarrer Zinn in Pfungstadt, Pfar­rer Rudolf Schlosser in Chemnitz, Oberlehrer Hans Schlosser, gefallen 1914. Professor Köstlin, damals in Friedberg, hat wiederholt bezeugt, welchen guten Einfluß der Kinderkirche er bei seinen Kandidaten beobachtet habe.

So hat die Kinderkirche in Gießen während der 34 Jahre ihres Bestehens viel Segen gestiftet an Groß und Klein. Möge Gott seinen Segen auch weiter auf dieser Arbeit ruhen lassen!

vilder aus dem hessischen Vorsieben.

von A. L NN.

(Fortsetzung.)

Sch erwähnte schon, daß mein Geburtsort nicht an der Eisenbahn lag. von der Kreisstadt war er zwei und eine halbe Stunde entfernt, eine andere, bedeutendere Stadt lag noch näher, immerhin doch so weit entfernt, daß ein regelmäßiger oder gar täglicher Verkehr nach dieser Stadt nicht möglich war. Die Einwohner waren daher darauf angewiesen, ihre Einkäufe im Dorfe selbst zu machen. Es gab am Grte drei Spezereigeschäfte. Eins davon war in Wahrheit ein mo­dernes Warenhaus; denn es gab in ihm alles zu kaufen, das man nur nötig hatte: Schippenstiele, Senf, Essig, Schuhwichse, Gelkuchen für das Vieh und Heringe für die Menschen. Die beiden anderen Geschäfte waren unbedeutend, ihre Inhaber trieben nebenher noch ein Handwerk. Größere Einkäufe mußten in den Städten gemacht werden.

vielfach aber hatten es die Einwohner ganz leicht mit ihren Anschaffungen,' denn von weither kamen die Geschäfts­reisenden, um ihre Artikel abzusetzen. Sch erinnere mich an einen unter diesen, der auf einem stattlichen Pferde von Grt zu Ort ritt. Lebhaft erregte es mein Interesse, als er eines Tages, von meinem Elternhause wegreitend, seinem Pferde einige Stücke Zucker zum verzehren gab. Das war mir da­mals neu, daß attd? die Pferde den Zucker liebten. Ueber-, Haupt wurde in der alten Zeit das Reitpferd viel mehr ge­braucht als in der Gegenwart, da fast jedes Dorf von einer Nebenbahn erreicht wird, heute reiten eigentlich nur noch die Offiziere, damals ritten besonders auch die Aerzte, die große Landpraxis hatten, und in der ersten Hälfte des neun­

zehnten Jahrhunderts bedienten sich auch die Pfarrer viel­fach des Reitpferdes, um am Sonntag zu ihren Filialgemein- den zu gelangen. Sch kenne ein hessisches Pfarrhaus, das neben der Haustür einen eisernen Ring aufweist. Sn meiner Kindheit sagten die Leute:An diesen Ring hat der Pfarrer Böhme seinen Gaul gebunden."

Einige Geschäftsreisende kamen mit dem Wagen, die meisten kamen zu Fuß, viele trugen selbst ihren schweren Musterkoffer von der Bahnstation nach den Ortschaften. Einige von ihnen kamen Jahr für Jahr und waren so be­kannt, als ob sie im Dorf heimatberechtigt wären. Das galt namentlich von einem Schuhwarenhändler aus Pirmasens. Sn den ersten Jahren kam er mit der Kiepe auf dem Rücken, dann hatte er sich zu Pferden und Wagen aufgeschwungen und führte einen Fuhrknecht mit sich, schließlich kam er gar nicht mehr, er soll Fabrikant geworden sein. Immer wußte er von seinen Fahrten allerhand Interessantes zu erzählen, wobei Wahrheit und Dichtung sich ineinander mengten, die Dichtung soll aber bei weitem überwogen haben. Alljährlich, wenn ich nicht irre, im Winter, erschien dieSamenfrau", einen anderen Namen trug sie nicht. Sie war aus Württem­berg und trug ihren Zwerchsack, in den verschiedene Arten von Sämereien gepackt waren, von Grt zu Grt. Man mußte über die Körperkraft der zart aussehenden Frau staunen. Sm vergleich zu den Stadtbewohnern von heute hatten damals die meisten Menschen doch ein sehr mühseliges Leben. Die Bürstenhändler brachten ihre Waren gleichfalls in der Kiepe. Alljährlich im Frühjahr erschien dasWichsmännchen" und dasWichsfrauchen", ein Ehepaar, das mit Schuhwichse handelte. Den Kindern sehr erwünscht waren die Lebkuchen­händlerinnen, die kurz vor Weihnachten erschienen und außer den Lebkuchen auch allerhand bunt gefärbtes Konfekt ab­setzten, das zur Schmückung des Ehristbaumes bestimmt war und nach dem Feste von den Kindern, die sich daran gründlich den Magen verdarben, gegessen wurde.

(Fortsetzung folgt.)

Aus der Jugendzeit eines deutschen Mannes.

(Fortsetzung.)

Sch ging zu dem Bocher täglich einige Stunden ins Haus und erhielt den Unterricht gemeinschaftlich mit einigen jüdi­schen Kindern beiderlei Geschlechts, hier lernte ich die Regel- detri und den Anfang der Rechnung mit Brüchen, aber nur mechanisch. Besonders war dem Lehrer aufgegeben, Brief­schaften und Stilübungen mit mir vorzunehmen. Sch habe aber nichts anderes geschrieben, als Wechselschemata aller Art, die mir ganz unverständlich blieben, obgleich ich seine Erklärungen auswendig lernte. Der Unterricht im Briefstil bestand darin, daß der Bocher uns monatlich einen Brief diktierte, den wir nachher ins Reine schreiben mußten. Sch habe überhaupt nur zwei geschrieben, der letzte war ein Brief, der einen Vater über den Verlust seines Kindes trösten sollte und der mir übermäßig geschraubt vorkam. Die lieben Enge­lein spielen darin eine Hauptrolle und übernahmen das ganze Geschäft der Tröstung. Sn den Schreibstunden mußte ich eine ganz andere Handschrift zu erlernen suchen, als diejenige, an welche ich bisher gewöhnt war, und doch war diese offenbar die bessere. Daneben aber erlernte ich auch mit den übrigen Schülern zugleich die jüdisch-rabbinische Schrift, die von der hebräischen sehr abweicht, obgleich sie dieselben Buchstaben- Namen Aleph, Beth oder Beis, Gimel, Daleth usw. hat. tttan schreibt und buchstabiert jüdisch-deutsch von der Rechten zur