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Gemeinöeblatt füröie evangelisch Kirtbengemeinoe

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Nr. 51. Bietzen, Sonntag 4. Advent, den 24. Dezember 1916. 5. Jahrgang.

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Deutsche Weihnachten 1916.*)

Don Geheimerat D. Dr. FlÖri 11 g in Darmstadt.

Evangelium des Lukas 2. 14. Ehre sei Gatt in der höhe und Friede

auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.

Weihnachten 1916, das ist ein ernstes und schweres Fest für das ganze deutsche Volk! buch wier es in der Heimat feiern darf, wem die Glocken deutscher Kirchen dazu läuten, den beschleicht doch tiefe Wehmut, wenn er an Weihnachten in früheren glücklichen Zeiten denkt,' es fehlt, abgesehen von den den Kindern in ihrer wundervollen Sorglosigkeit, an Mut zur Freude, an Stimmung zu all dem festlichen behagen, das uns grade von diesem Familienfest untrennbar erschien. Denken wir erst an die vielen, unzählig vielen, denen der Krieg ein teures Glied des Hauses von der Seite gerissen oder schwere Wunden geschlagen, denken wir an unsere Männer und Söhne und Gatten, die noch immer draußen stehen in heißem Kampf, in harten Entbehrungen und Mühsalen, denen an Weihnach­ten vielleicht kein Freudenlicht leuchtet, die ihre Sehnsucht nach -der Heimat heute besonders schwer empfinden: wie soll­ten wir da Weihnachten feiern wie in alten Zeiten und uns, groß und klein, um die Weihnachtsbotschaft scharen: Ehre sei Gott in der höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen?

wie in alten Zeiten freilich können wir's nicht. Und es ist auch, gut so, daß manches im Ernst der Kriegszeit weg- gefallen ist. Diel weniger festliche Unruhe, viel ärmer die Sicherungen, viel ernster die Gesichter. Uber doch Gottlob weithin viel offener die Herzen für den eigentlichen Kern der Weihnachtsfreude und mehr Innerlichkeit, weniger Ge­schenke, aber mehr Innigkeit und Siebe, in der der Mensch sich selbst dem Menschen schenkt, und das ist ja das beste, was wir uns schenken können und was sonst oftmals bei all den reichen weihnachtsgaben nicht so recht zu spüren war. weniger Luxus, aber mehr bewußtsein davon, wie wir alle aufeinander angewiesen sind in Liebe und Treue.

Ja, Weihnachten 1916, das ist doch trotz all des schweren Ernstes unserer Lage und trotz unserer herben Derluste ein großes hehres weihnachtsfest, an das wir lange zurückdenken

*) Aus demhessischen Bunbesbolen"

werden. Und es sollen erst recht deutsche Weihnachten sein! Cs schlingt sich heute mehr als sonst ein inniges geistiges band um alle in der Uähe und Ferne, in Uord und Süd und Ost und West, die deutschen Glauben und deutsche Treue, deutsches Gemüt und deutsche Gesittungüber alles in der Welt" stellen und gegen alles in der Welt verteidigen wollen. Eine einzige feiernde Familie will unser Dolk an diesem weihnachtsfest sein, wo heute der deutsche Ehristbaum brennt wenn auch nur mit ein paar Lichtlein im gesicherten Frieden der Heimat, im Lazarett oder im Schützen­graben, wo dasStille Nacht, heilige Nacht",G du fröh­liche, o du selige gnadenbringende Weihnachtszeit" erklingt, da fühlt man es in heilig ernster Stille: Gemeinsam ist un­sere Trauer, gemeinsam sind unsere Opfer, gemeinsam aber auch unser heißer Dank dafür, daß unter Gottes beistand deutscher Mannesmut das Nergste von unseren deutschen Ge­filden abgehalten hat, gemeinsam unser Dertrauen, baß die Lasten, die wir tragen, die Opfer, die wir bringen müssen, nicht vergeblich sein werden.

hinter der Front steht heute, durch unser Neich auf­gerufen, unser ganzes Dolk an der Nrbeit, am Hilfsdienst für's Daterland. Gegen die Feinde, die es verstehen, die halbe Welt für sich arbeiten, bluten, hungern zu lassen, schart sich unser Dolk, auf sich selbst angewiesen, nur um so enger an­einander, um der ganzen Welt wieder einmal zu zeigen, was deutscher Ernst und deutscher Wille vermag. Und auch das soll ja letztlich ein Mittel sein, das herbeizuführen, was wir alle ersehnen: den Frieden. Denn das sagt uns ja Weih­nachten: Kampf und blutiger Streit sollen nicht das letzte Wort haben, sondern müssen dazu helfen, daß endlich Friede auf Erden werde allen Menschen?

So grüßen wir Deutschen uns an Weihnachten 1916 aus der Nähe und Ferne mit ernsten und doch hoffnungs-- freudigen Gedanken, wir grüßen euch, ihr Tapferen da draußen, und danken euch heute inniger noch als sonst für alles, was ihr um unsertwillen ertragt und vollbringt, wir grüßen die Trauernden und Zagenden, die Mühseligen und beladenen in der Heimat: Der alte Gott lebt noch! Ehre sei Gott in der höhe!