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Kosziusko stand an der Spitze, und in allen früher polnisch gewesenen Landen regten sich neue Hoffnungen und wandten sich die feindlichen Leidenschaften gegen Preußen. Ruch in Friedland gewannen die ehemaligen Polen neuen Mut mit -dem kommenden Sommer, und chatten es kein hehl, daß sie ihre Konföderierten Landsleute mit Sehnsucht erwarteten. Unser Wirt schrie:Laßt sie nur erst hier sein, dann sollt ihr lutherischen Hunde schon sehen, wie es euch ergehen wird. Ich helfe mit totschlagen!" Rus der ganzen Gegend hatte man das Getreide weggeschafft, und überall fehlte es an den not­wendigsten Lebensmitteln. Ls trat eine förmliche Hungersnot ein, und man fand vor der Stadt einen Menschen verhungert mit hechsel im Munde, vierzehn Tage lang lebten wir einzig und allein von Gerstengrütze mit Wasser und Salz gekocht, und mußten noch froh darüber sein,- denn viele hatten auch dies nicht einmal. Du große Gefahr bestand, daß die Sensenmänner sich unserer Stadt nahen möchten, so wurden die Rkzisebeamten beordert, die Tore zu besetzen: eine ganz überflüssige und unnütze Maßregel, welche höchstens dazu dienen konnte, den Sensenmännern das Finden der gesuchten Beamten zu erleichtern; denn was sollten zwei Mann an jedem Lore wohl für einen widerstand entgegensetzen? Mit Todes­angst sahen wir jeden Morgen den Vater Weggehen und zum Tore eilen,- als einen uns wiedergeschenkten sahen wir ihn labends zurückkehren,- denn immer drohender lauteten die Nachrichten, immer größer wurden die Greuel, welche zu un­serer Kunde kamen. In Hammerstein, drei Meilen von Fried­land, hatten die Konföderierten den Rkzise-Linnehmer mit den Beinen an den Schweif eines Pferdes gebunden und ihn zu Tode geschleift, und ähnliche Schändlichkeiten wurden in Menge erzählt. Man male sich dazu die Szenen der Hungers­not aus, die Drohungen der wütenden polenfreunde in und außer der Stadt, die bösen Nachrichten Geflüchteter aus den von den Sensenmännern überschwemmten Gegenden, so wird man sich unsere Lage während der beiden Wochen denken können, in welchen wir hungernd zwischen Tod und Leben schwebten, besonders wenn man Zeuge des rohen Jubels war, mit welchem die polnischen Einwohner jede ihnen zusagende Nachricht aufnahmen und verbreiteten und an die jedesmal die empörendsten Drohungen gegen diepreußischen lutherischen Hunde" geknüpft wurden.

Indessen auch diese ängstlichen Wochen gingen vorüber. Die Schlacht von Siedlce gab der Lage der Sachen eine an­

dere Wendung,- die Konföderierten mußten unsere Nachbar­schaft verlassen; wir lebten neu auf und die polenfreunde trauerten. Die Kriegssorge war vorbei, aber schlechte und teure Zeit blieb es noch lange, und in uns wirkte nicht minder lange das Gedächtnis nach an die überstandene dro­hende Gefahr.

Zu Ostern wurde ich der Schule der alten Frau ent­nommen und in die Stadtschule geschickt, welche ein eigenes höchst altertümliches Gepräge hatte, das ich ausführlicher beschreiben muß, da man nicht wissen kann, ob nicht bei den stets wechselnden Rnsichten über Erziehung und Schulein­richtung, von welchen ich schon eine hübsche Rnzahl von Phasen durchgemacht habe, einer oder der andere darin sein Ideal verwirklicht findet. (Fortsetzung folgt.)

Mrchliche Anzeigen.

Sonntag, den 17. Dezember, 3. Rdvent.

Gottesdienst.

In der Stadttirche. vormittags 9V 2 Uhr: Professor Dr. 5 ch i a n. vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Pfarrer Mahr. Rbends 5 Uhr: Pfarrer Schwabe. Beichte und heil. Rbendmahl für die Markus­gemeinde. Rnmeldungen werden vorher bei dem Pfarrer der Gemeinde erbeten. 1 Sonntag, den 17. Dezember, abends 8V 4 Uhr: Vereinigung der männlichen und weiblichen Ju­gend der Matthäusgemeinde. Mittwoch, den 20. Dezember, abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde. Pfarrer Mahr. Sams­tag, den 23. Dezember, nachmittags 3 Uhr: Weihnachtsfeier der Kinderkirche der Markusgemeinde. Pfarrer Schwabe.

In der Johannestirche. vormittags 97s Uhr: Pfarrer h o f f m a n n. vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde. Pfarrer Bechtolsheimer. Nachmittags 3 Uhr: Weihnachtsfeier der Kleinkinderbewahranstalt. Pfar­rer Rusfeld. Rbends 5 Uhr: Pfarrer Rusfeld. Beichte und heil. Rbendmahl für die Johannesgemeinde, wozu be­sonders die konfirmierte Jugend eingeladen wird. Rnmel­dungen werden vorher bei dem Pfarrer der Gemeinde er­beten. Rbends 77z Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Lukasgemeinde.

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