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toßröen 6anfc Jjinbcnburg und unferm herrlichen Heer. Rber im Wirtschaftskrieg ist die Gefahr größer, wenn Stabt und Land nicht ebenso diszipliniert wie Rrtillerie und Infanterie Zusammenwirken. Bei diesem Zusammenwirken im Crnäh- lungskrieg ist der Rnteil der Stadt so gut wie sicher gestellt. Durch die Knappheit und Teuerung der Lebensmittel ist sie einfach zur Sparsamkeit und Einfachheit gezwungen. Rber des Landmanns Rnteil am Sieg ist in sein Belieben gestellt, zu einem recht großen Teil wenigstens. Teilt er seine Nah­rungsmittel brüderlich mit dem Städter, so kommen wir glatt durch, gewachsen ist genug, um den Unterhalt des ganzen Volkes zu fristen. Läßt er aber dem Städter, besonders dem Industriearbeiter, nur widerwillig und nur wenig ab, dann kann dieser in demselben Maße als er zu wenig bekommt, auch zu wenig Kohlen, Munition und sonstigen Kriegsbedarf liefern, wir können aber gegenüber der Munitionslieferung der ganzen Welt nur standhalten, wenn unsere Industrie mit vollen Kräften arbeitet. Db und wie weit sie das kann, hängt davon ab, wieviel der deutsche Landmann diesen Winter an Rahrungsmitteln erübrigt. Und guter Wille kann da ganz ungeheuer viel ausmachen, so viel, daß Sieg und Niederlage jetzt geradezu in die Hand des deutschen Landmannes gelegt ist! Tine furchtbare Verantwortung!"

Aus der Zugendzeit eines deutschen Mannes.

(Fortsetzung.)

Ich hatte eine Zeitlang barfüßig auf dem Eise gestanden, bis die Schuhe heraus waren. Ts war eine verzweiflungsvolle Szene. Diese kleinen Leiden des mensch- Uchen Lebens können in ihrem Zusammentreffen furchtbar peinigen, wir lenkten wieder nach dem Wege ein,' die schlimmste Stelle war umgangen, aber der Fahrweg hatte viel Eis. Neben ihm zog sich ein erhöhter schmaler Fußsteig an einem Graben entlang, der, weil er niedrig war, wenig Eis enthielt. Die aufgeworfene Erde des Grabens bildete den erhöhten Fußsteig, wir wählten ihn, hintereinander gehend, zum Fortkommen: ich humpelte in schrecklicher Seelenangst wegen des Verirrtseins mit meinem erleichterten Kartoffel­beutel hinter dem Vater her und bildete mir in der Rufregung ein, ich würde meine Mutter nie wieder sehen. Der Fußsteig war lehmig; unzähligemal gleitete ich von ihm hinab in den Graben, wobei der Kartoffelbeutel nachhalf und erkleckliche Proben aller Rrten des Lehms in reicher Fülle auf Hosen und Jacke sitzen blieben, und meinem Vater ging es nicht viel besser, obgleich er mir bei jedem hinabgleiten Ungeschick­lichkeit vorwarf. Endlich konnten wir beim Sternenlichte unterscheiden, daß in einiger Entfernung ein Wald vor uns lag,' bis dahin hatten wir außer dem Erdboden gar nichts gesehen, weder ein Dorf noch einen Menschen. Ein sehr ent­ferntes Geheul, von welchem mein Vater mir sagte, es seien Wölfe, machte keinen Eindruck auf mufft da ich! die Wölfe nicht kannte. Rber als ich hörte, daß wir in der Nacht einem Walde zuschritten, bekam ich einen gewaltigen Schreck, nicht um der Wölfe willen, sondern wegen der Räuber, die ich als Freunde nächtlicher Wälder zu kennen glaubte. Da mein Vater schon sehr ärgerlich war, wagte ich nicht, ihm meine Rngst zu ge­stehen, allein die haare sträubten sich mir, als wir in den Wald eintraten. Nicht weit waren wir gegangen, als wir in der Ferne zwischen den Bäumen ein Licht erblickten. Mein Vater begrüßte es freudig; meine aufgeregte Phantasie aber mair in Schreckbilder hinein geraten. Ich hatte gehört, daß in der Nacht die Löwenaugen leuchteten wie Katzenaugen, wer

stand uns nun dafür, daß wir nicht einem Löwen in deu offenen Nachen liefen? Ruch konnte es ein Irrlicht sein, das uns in Sümpfe lockte. Diese Rngst währte so lange, bis end­lich ein lautes gewaltiges Hundegebell erscholl. Das waren heimatliche Klänge; es war, als ob eine Ninde sich von dem Herzen löste und die Brust freier atmen könnte, wir näherten uns einem im Walde liegenden, mit hohem Gehege umschlos­senen Gebäude und hörten, daß ein Mann den Hunden Nuhe gebot, dann durch den Torweg fragte, wer da sei, und, als er Rntwort erhalten hatte, aufschloß. Ts war eine Schäfern. Die warme Stube und das Helle Kaminfeuer verscheuchten augenblicklich alle Räuber- und Löwengedanken und taten uns ungemein wohl, wir wurden freundlich ausgenommen; 'man wollte uns zu essen vorsetzen, allein ich fühlte mich vom vielen Fallen am ganzen Leibe zerschlagen und totmüde. Der iSchäfer machte eine Streu zurecht, und ich schlief, fast ehe ich mich hingelegt hatte. Nie habe ich besser und süßer geschlafen. Mein Vater hatte in dem Schäfer einen Mann gefunden, der auch den Rückzug aus der Thampagne mitgemacht hatte. Run war für ihn noch an kein Zubettgehen zu denken. Bis nach Mitternacht saß er rauchend, mit dem Schäfer lebhaft plaudernd und in Erinnerungen verloren. Trotz der lauten Unterhaltung hatte ich kein Wort davon vernommen. Rm andern Morgen erfuhren wir, daß wir Friedland nicht näher gekommen waren. Man brachte uns auf den richtigen w.g, und um Mittag kamen wir, zur großen Beruhigung meiner Mutter, mit dem Reste der Kartoffeln dort an. Dies Rben- teuer prägte sich mir tief ein und steht mir noch heute lebendig vor Rügen.

Im Mai begleitete ich meinen Vater auf einer Reise nach zweien, nur ein paar Meilen entfernten polnischen Dör­fern. Lr fuhr mit Vorspann,' ich saß neben ihm auf einem heubündel in einem Korbwagen. Es war ein wunderschöner Frühlingsvormittag,' die Lerchen wirbelten im jauchzenden Thors über der grünen Saat,' eine Sonntagsfeier war über die ganze Natur gebreitet,' hier und da drängten sich gelbe Butterblumen an den Rändern der Saat hervor,' ich genoß nach dem öden Winter die Herrlichkeit des Frühlings mit allen Sinnen, wir kamen gegen Mittag nach dem ersten Dorfe,' es war warm, und mich dürstete sehr. Mein Vater ließ vor einem Hause halten,' ein erwachsenes Mädchen er­schien, und wir baten um etwas Wasser. Sie verstand uns nicht, denn sie sprach nur polnisch. Ruch unsere Zeichen begriff sie nicht, und nur erst, als mein Vater das Wortwodda" aussprach, brachte sie Wasser in einem Teller von der Form einer Untertasse, grün mit weißen, violett eingefaßten Blät­tern bemalt, wahrscheinlich, wenn man den Eimer ausnimmt, dem einzigen im Hause vorhandenen Gefäße.

Roch erinnere ich mich eines schönen Rachmittags aus derselben Zeit, da meine Mutter mit uns Kindern zum Tore hinaus in die wirklich schöne Umgegend gegangen war und wir sämtlich im Grase saßen und Veilchen und Schlüsselblumen pflückten. Die letzteren sah ich bei dieser Gelegenheit zum ersten Male. Unsere Spiele wurden unterbrochen durch eine Uahe bei uns vorbeiziehende Zigeunerbande, welche, aus 70 Köpfen bestehend, Männer, Weiber und Kinder, durch die Stadt transportiert wurde, in der sie viel gestohlen und an­dern Unfug getrieben haben sollte. So fremdartig die Leute auch aussahen, hatte ich sie mir doch viel schlimmer vorge­stellt, als ich sie fand.

Die friedliche Zeit, in der wir bisher gelebt, sollte sich nur zu bald in eine recht unruhige und traurige verwandeln. Rm 23. März war die polnische Revolution ausgebrochen.