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seeligen Todt seinen Kindern vor das hauß 600 Gulden, das erste vcrteljahr ZOO Gulden und nach Z folgenten Jahr Jedes Jahr mit 100 Gulden beinebst der Lntrese zu zahlen haben dieses alles ist den Koosischen Erben von mir zahlt worden."

hiernach sicherte sich Koos eine lebenslängliche Rente und gab das Haus, so lange er lebte, nicht aus der Hand, vielleicht dachte der vorsichtige Mann, der schon mancherlei im Leben mitangesehen hatte, seine Kinder würden ihn um den Kaufpreis erleichtern, wenn er das Haus veräußern werde. Darum sorgte er dafür, daß sie das Geld erst nach seinem Tode bekamen. (Fortsetzung folgt.)

Aus der Jugendzeit eines deutschen Mannes.

(Fortsetzung.)

Gr war Meister und Wirt und konnte tun, was er wollte. Dabei steckte er voll des krassesten Aberglaubens, wußte eine Menge Wundergeschichten und Gespenster-Historien, hatte den 'Teufel als einen Wirbelwind oder im Wirbelwinde gesehen, glaubte anhexen und an alle möglichen Albernheiten. Mit meinem Vater stritt er sich viel herum und tischte ihm seine Hi­störchen auf. Lin näheres Verhältnis war aber zwischen bei­den unmöglich,und der Wirt legte uns gern etwas in den Weg.

Da ich noch nicht lesen konnte, wurde ich in die Vor­schule gebracht, welche von einer mehr als siebzig Jahre alle Frau gehalten wurde. Sie bewohnte ein kleines schlechtes Häuschen am katholischen Kirchhofe, das nur eine Stube und den Hausflur umschloß. Das Zimmer war auf dem Fußboden mit Ziegeln belegt, die kleinen Fenster befanden sich oben nahe der Decke und waren so blind, daß man nicht hinaus­sehen konnte. Lin großer Ziegelofen stand neben dem Kamine und vor diesem saß die alte Frau und spann den ganzen Tag, neben sich auf einem Schemel eine hölzerne Kelle und eine Nute, die einzigen und mir schon sehr wohlbekannten Lehr­mittel. Drei freistehende rohe, doch glatt geriebene Bänke ohne Lehne nahmen die Schuljugend, Knaben und Mädchen, auf, bis sie notdürftig lesen konnten. Die eine Dank trug die Rbc-Schützen, die zweite buchstabierte, die dritte fing zu lesen an. Der Schulunterricht begann mit dem Gesänge eines feststehenden Liederverses, den man wie seine Melodie durch den Gebrauch lernte, und einem feststehenden kurzen Ge­bete, welches einer im Singsang hersagte, und hierauf ging einer nach dem andern zur spinnenden Frau und sagte aus der gewöhnlichen Fibel mit dem Hahne seine Buchstaben oder seina, b, ab" her. Die Rite sprach wenig; machte ein Kind Fehler, so schob sie ihr Spinnrad zur Seite, kippte mit einer Hand das Kind über den Schoß, hob mit der andern den Kock in die höhe, ergriff die Kelle oder Kute und bearbeitete nach Gutdünken das Sitzfleisch. Dann kam ein anderes Kind an die Keihe, bis man durch war.

Koch nicht lange wohnten wir in Friedland, als meine Mutter gewahrte, daß ihr ein neues Unglück drohe. Der Dienst meines Vaters forderte, daß er beim Linmaischen des Getreides in den Branntweinbrennereien zugegen sei, um das Interesse der Rkzise dabei wahrzunehmen, und es gab solcher Brennereien, wenngleich nur kleine, in Friedland viele. Ohne Rusnahme wurde ihm beim Eintritt jedesmal zuerst ein Glas Schnaps vorgesetzt, und keine Weigerung, ihn anzu­nehmen, half.Sie werden uns doch unsern Schnaps nicht verschmähen, das würden wir gar sehr übelnehmen!" hieß es stets,' denn es lag im Interesse des Rnbietenden, den Be­amten betrunken zu machen. Mein Vater war zu höflich,

um Leute, mit denen er stets zu tun hatte, zu erzürnen, um so mehr, als er wußte, wie wenig die Rkzisebeamten geliebt wurden. Wohl oder übel mußte er zugreifen. Lr war als Soldat nicht gerade ein Feind des Branntweins, hatte ihn aber nur sehr mäßig getrunken,' an diese Mengen, wie sie ihm jetzt geboten und fast eingezwungen wurden, war er nicht gewöhnt. Mit Schrecken sah meine Mutter, daß er betrunken nach Hause kam. Sie sparte nicht Bitten, nicht Vorstellungen, ihn abzubringen vom Trunk, auch sah er die nahende Gefahr wohl ein,' denn es fehlte ihm weder an Verstand noch an Gutmütigkeit,' er versprach alles mögliche und hatte gewiß den redlichen Willen, Wort zu halten. Rber die Verführung war zu groß,' die Gelegenheit wurde zu häufig geboten, und er durfte ihr amtshalber nicht aus dem Wege gehen. Ls hätte eines eisernen Willens und einer tüchtigen Menge von Grobheit bedurft, um sich die Verführer vom Leibe zu halten,' aber weder der eine, noch die andere gehörte zu meines Va­ters Eigenschaften.

Das Weihnachtsfest kam heran. Meine Mutter war trau­rig,' denn kaum ein bescheidenstes Spielzeug für die Kinder war in den wenigen Läden zu finden, da die Sitte des Weih- nachtsschenkens in Friedland unbekannt war. Pfefferkuchen wurde zwar von den Bäckern gebacken, war aber so hart, daß man ihn nicht zerbeißen konnte, und hatte gar keinen Geschmack. Er war völlig ungenießbar. Unser Wirt hatte sich zum Feste kannibalisch betrunken, was ihm sehr oft begeg­nete. Man tat dann gut, ihm aus dem Wege zu gehen, und mehrere Tage lang wußte er nichts von sich selbst.

So kam das Jahr 1794 heran. Bald verkündigten die ersten Hellen Märzmorgen, daß der traurige Winter sich zum Rbzug rüste. Rls eines Tages die Sonne hell und freundlich schien, sagte mein Vater, daß er in Dienstangelegenheiten nach einem etwa anderthalb Meilen entfernten Dorfe gehen müsse und mich mitnehmen wolle. Wir gingen um Mittag fort; die Sonne schien hell und hatte den Schnee auf den Feldern zum Teil geschmolzen,' die Vertiefungen aber waren alle noch mit Eis bedeckt, zwischen welchem der unebene Rckerboden schwarz hervorsah und lang gekämmte Flecke auf weißem Grunde bildete. Ruch der Weg hatte noch viel Eis, und noch war keine Blume zu sehen. Nach zwei guten Stun­den kamen wir im Dorfe an und kehrten bei den Leuten ein, mit welchen mein Vater Geschäfte abzumachen hatte. Wir wurden gut ausgenommen, bekamen Kaffee und, was bei keiner Gelegenheit fehlte, Schnaps mit Butterbrot, welches letztere ich mir sehr schmecken ließ. Ruch mein Vater hieb tapfer ein und sprach dem Schnaps wohl etwas über die Ge­bühr zu,' denn er war ins plaudern gekommen, und dachte gar nicht an das Kachhausegehen. Ich erinnerte endlich daran, als die Sonne sich zum Untergang neigte, und nun füllten die Leute einen leinenen Beutel mit einigen Metzen Kar­toffeln, welche wir der Mutter mitbringen sollten. Ich bekam den ziemlich schweren Beutel zu tragen und wir machten uns auf den Weg. Mein Vater ging unsicher; es fror bereits wieder, und die aufgetauten Stellen übereisten aufs neue, so daß wir beide oft gleiteten und ich auch einmal hinfiel, wobei sich die Kartoffeln aus dem nicht zugebundenen Beutel ans Tageslicht begaben und wieder aufgelesen werden mußten. Mir kam der Weg, den wir jetzt machten, als ein anderer vor, henn der früher gesehene. Mein Vater aber meinte, wir gingen richtig. Inzwischen wurde es dunkler und dunkler, obgleich die Luft meist klar blieb. Endlich kamen wir an eine Stelle, wo der Weg auf eine große Strecke und in ziemlicher Breite ganz mit Eis überlegt war, und hier konnten wir