Ausgabe 
3.12.1916
Seite
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war alles so ganz anders als in Berlin, und die lieben Nach­barn, die sich wie in allen kleinen Btädten sehr genau um uns kümmerten, hatten es gegen meinen Vater kein hehl, daß meine Mutter keine Frau für ihn sei, da sie nicht einmal Brot backen könne. Es wurde ihm das so oft vorgesagt, daß er am Ende selber eine Rrt von Ueberzeugung davon erhielt, was meine Mutter sehr unglücklich machte. Das Brotbacken lernte sic freilich bald, aber das Mehl mußten wir kaufen, da mein Vater kein Korn nach der Mühle tragen konnte, weil wir keins besaßen. Es half indessen nichts: meine Mutter mußte suchen, sich so viel als möglich in die dortigen, so sehr abweichenden Wirtschaftseinrichtungen einzustimmen, wenn wir nicht schlechthin hungern sollten. Man lebte im Orte sehr »einfach. Eine Menge von Dingen, an welche wir in unserer doch so überaus bescheiden eingerichteten Wirtschaft zu Berlin gewöhnt gewesen, kannte man nicht. Fleisch war nicht zu kaufen, weil jeder selber schlachtete,- das Bier war nicht zu genießen. Zehr viele Gemüse waren unbekannt.

wir hatten uns in einem Hause auf dem Markte bei einem Böttcher Zimmer und Kammer gemietet. Unsere Btube war von der des darunter wohnenden Wirts nur durch die Die? len mit drei darunter liegenden Balken getrennt. Eine andere "Bauart kannte man dort nicht. Man konnte daher im untern wie im obern Zimmer sehr deutlich hören, was in dem an­dern gesprochen wurde. Mein Vater hatte einen Zeidenschwanz geschenkt bekommen, den wir frei umherhüpfen ließen. Unten im Zimmer des Wirts hörten wir jeden seiner Tritte, wenn er oben hüpfte. Man mußte daher im eigenen Zimmer stets so sprechen, als ob alle Welt zuhörte, ein Zwang, von dem man kaum eine Vorstellung hat, besonders bei der Klat­scherei der kleinen Btadt. Das Rusziehen hätte uns nichts geholfen,- denn es war überall nicht anders. Unser Wirt aber war ein sehr grober starker Mann, ein eifriger Katholik und Pole, und völlig rücksichtslos. Er ging fleißig zur Messe, und war er einmal abgehalten, so zahlte er einem Rrmen einen Groschen, um sie für ihn zu hören. Dabei war er ebenso unwissend als eingebildet. Er hatte eine gute stille Frau und eine Tochter, Regina mit Namen, ein sanftes Mädchen von elf Jahren, das oft in unserem Zimmer saß, und sich -gern mit meiner Mutter unterhielt, wenn der Böttcher Tonnenbänder biegen wollte, so mußte zwischen dem Fuß­boden und dem Balken mit starken Rxtschlagen ein tüchtiger pfahl eingestemmt werden, an welchem die krummen Lehr­

bogen befestigt waren. Dies machte jedesmal einen fürchter­lichen Lärm, der in unserm Zimmer alles auf den Tischen zunl Tanzen brachte. Und doch fiel ihm manchmal ein, diese Rrbeit unangesagt um Mitternacht vorzunehmen. Dann fuh­ren wir, oft im ersten Bchlaf, mit gewaltigem Bchrecke in die höhe und konnten uns kaum erholen, vergebens bat ihn mein Vater, diese Rrbeit am Tage, oder doch nicht ohne vor­hergehende Benachrichtigung vorzunehmen.

(Fortsetzung folgt.)

Uleine Mitteilungen.

Die Feier des heiligen Rbendmahles in der Johannes­kirche findet nächsten Bonntag, 1 . Rdvent, nicht im Rbend- gottesdienst, wie in der vorigen Woche in den kirchlichen Nachrichten irrtümlich mitgeteilt war, statt, sondern in Rn- schluß an den hauptgottesdienjt am Vormittage.

«irchliche Anzeigen.

Bonntag, den z. Dezember, 1 . Rdvent.

Gottesdienst.

In der Ztadtttrche. vormittags 9VZ Uhr: Pfarrer Mahr. Beichte und heil. Rbendmahl für Matthäus- und Markusgemeinde. Rnmeldung vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten, vormittags WU Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Pfarrer Mahr. Rbends 5 Uhr. Pfarrer Bchwabe. Dienstag, den 5. Dezember, abends 8 Uhr: Versammlung der Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Markusgemeinde. Mittwoch, den 6 . Dezember, abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde. Pfarrer Bchwabe.

In der Johanneskirche. vormittags 97 2 Uhr: Pfarrer Bech tolsheimer. Beichte und Heil. Rbendmahl für Lu­kas- und Johannesgemeinde. Rnmeldung vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten, vormittags \\ l U Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde. Pfarrer B e ch t o l s - he im er. Rbends 5 Uhr: Pfarrer Rusfeld. Rbends 8 Uhr: Versammlung und Bibelbesprechung im Johannes­saal. Rbends V 28 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männ­lichen Jugend der Lukasgemeinde.

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