Ausgabe 
3.12.1916
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der ihm bis zu dessen 1893 erfolgten Tode treu geblieben ist. In Gotha trat er am 28. Rugust genannten Jahres in der dortigen Schloßkirche zur evangelischen Rirche über,' Hof­prediger Dr. Schweitzer hatte den heimatlosen mit großer Liebe ausgenommen, und in dessen Hause entstand sein erster RomanDer Rlosterzögling".

In demselben Jahre noch Lehrer an der Mädchenmittel- schule in Mühlhausen in Thüringen geworden, verheiratete er sich mit Jula Löschner aus Rujcha in Lähmen, kam dann 1874 an die höhere Mädchenschule in Themnitz, welche Stel­lung er 1877 mit einem Lehramt an den technischen Staats- anstalten daselbst vertauschte. Dr. Rojt ist sein Nachfolger geworden.

hier neben seiner Lehrtätigkeit als Dichter und Schrift­steller überaus fleißig, erlebte er am 3. Rpril 1876 die Auf­führung seines ersten dramatischen WerkesDer Uhrmacher von Straßburg". Seit 1893 besitzt Ohorn in Themnitz sein eigenes heim, wo seitdem mancher Dichter und Schriftsteller aus- und eingegangen ist. 1904 entstand sein Rlosterschau- spielDie Brüder von St. Bernhard", das den dichterischen Ruhm Ohorns begründete, ein Werk, das in sieben Sprachen übersetzt, seinen Namen durch ganz Deutschland und über dessen Grenzen hinausgetragen. Seit 1911 im Ruhestand, ist der Dichter noch immer literarisch tätig und seine Leier hat auch in diesem gewaltigen Rriege treffliche Tone gefunden, die seine Treue zu Raiser und Reich und seine Hoffnung auf einen günstigen Frieden für das deutsche Vaterland offen­baren. von Rnerkennung und vielen Bezeichnungen des Dichters hat Rost in seinem Ruche berichten können, und das darin abgcbildete Rrbeitszimmer Ghorns läßt uns dies deut­lich sehen. So möge denn auch Rosts Gedenkbuch Zeugnis geben von des Dichters Leben und wirken fürRecht und Licht", von seinem freudigen Schaffen als Lehrer und Dichter!

In dem Gedenkbuche bespricht Ernst Heerdegen, Schrift­leiter der Rllgemeinen Zeitung in Themnitz, in einem treff­lichen RrtikelRnton Ohorn und das Themnitzer Theater" und erwähnt darin, daß siebzehn dramatische Werke bis jetzt der Feder Ohorns entflossen sind, die meist alle zuerst in Themnitz selbst das Rampenlicht erblickt haben.

Um Ghorn als Dichter zu kennzeichnen, sei hier nur ausBremer und Fiedel" ein Gedicht abgedruckt:

h e r b st.

Die Blätter fallen. -s ist Herbsteszeit,

Die Welt liegt traumverschwommen,

In meine Locken hat's geschneit! . . . . will schon der Winter kommen? was tuts? Noch steigt es von Liebeslust Rus dem Herzen mir in die Rehle,

Noch fühl ich den Lenz in meiner Brust,

Sei fröhlich meine Seele!

Noch sei schließlich erwähnt, daß Geh. Rrchivrat Dr. phil. Gg. Schuster Ghorn als Historiker würdigt und der cand. phil. Josef Wolf einen BeitragRnton Ghorns Pro­bleme und Ziele" bringt.

Das Gedenkbuch ist besonders durch seine vielen Gra­tulationsgedichte (so von Blüthgen, Dr. Fulda, Dr. Grabein, Dr. Rosegger, Prof. Sohnrep, Dr. zur. Sturmi-), zwei Musik­stücke und achtzehn Rbbildungen interessant.

Aus der Zugendzeit eines deutschen Mannes.

(Fortsetzung.)

Der gemeine Pole hält keine regelmäßigen Mahlzeiten. In Ramme hängt ein eiserner Grapen über dem stets brennen­

den Feuer, in welchem Essen, meistens Grütze, auch wohl Rar­toffeln mit etwas Salz langsam brodeln. Eine hölzerne Kelle steckt darin, und wer Hunger spürt, geht hin, um sich etwas herauszufischen und ohne weitere Umstände zu verzehren. Dabei inkommodieren ihn die Tiere nicht. Die furchtbare Schmutzerei, welche überall herrschte, war uns allen schreck­lich zuwider, und meine Mutter bekam Furcht vor dem Lande, in dem sie leben sollte.

wir langten endlich nach fast sechs Tagen an dem Orte unserer Bestimmung an. Preußisch-Friedland ist eine kleine Stadt, die, mit einer altpolnischen hohen Mauer aus Bruch­steinen umzogen, auf etwas unebenem Boden liegt. Sie hat jeine lutherische und eine katholische Rirche mit Türmen. Die Brunnen sind ziemlich tief und mit Bruchsteinen aus- gesetzt. Oben sind sie überbaut und tragen eine Rolle, über welche eine eiserne Rette geht, an deren Enden die Wasser­eimer hangen, wird auf der einen Seite ein Eimer herab- gezogen, so geht auf der andern Seite der volle Eimer in die höhe. Daher muß jederzeit gewartet werden, bis sich zwei Leute bei dem Brunnen einfinden,' denn einer allein ist nicht imstande, die Rrbeit zu verrichten. Der Grt hatte vordem zu Polen gehört, und noch sahen viele Einwohner auf jene Zeit als auf eine gesegnete zurück, nach der sie sich sehnten. Die polnische Unsauberkeit aber war glücklich aus dem Grt ver­bannt. Uebrigens waren die Einwohner sehr religws, und die eine Hälfte bestand aus eben so strengen Lutheranern, als die andere aus eifrigen Ratholiken. Rm Sonntage holte kein Dienstmädchen einen Eimer Wasser, oder kochte irgend etwas, was man am Sonntage haben wollte, mußte am Sonnabend angeschafft werden, eine Einrichtung, die trotz Uebelstände dennoch beibehalten wurde, da sie hergebracht war. Die Rirchen wurden natürlich sehr regelmäßig besucht. Man sprach im Grte und in der Gegend nur plattdeutsch, aber in einem eigenen Dialekt desselben, der das sonst ge­wöhnlicheo" inau" verwandelte und eine Menge von eigentümlichen Wörtern besaß, die im hochdeutschen fehlten. Daneben kamen auch viele polnische Worte vor. So führten z. B. alle Gbstarten polnische Namen. Es hat ziemlich lange gedauert, ehe wir imstande waren, die Einwohner zu ver­stehen,' dagegen zogen sie uns mit unserem Deutsch auf und fanden es höchst lächerlich. Besonders wurde ich mit meiner schnarrenden Bespräche des R (durch die Gurgel) von den Jungen so unbarmherzig geneckt, daß ich notgedrungen mich bequemen mußte, es mit der Zunge aussprechen zu lernen, was mir sauer genug geworden ist. Ueberhaupt hatte ich hier das Unglück, von allen Rltersgenossen geneckt zu werden, und befand mich wie die Eule unter den Rrähen. Dazu kam noch, daß die preußischen Beamten in der noch sehr polnisch ge­sinnten Stadt verhaßt waren und die Eltern solche Neckereien nicht ungern sahen. Das Dienstgehalt meines Vaters war sehr gering' die Emolumente, ohne welche die damaligen Rkzisebeamten nicht leben konnten, waren dürftig und be­schränkten sich darauf, daß die Leute, wenn sie gebacken hatten, uns aus gutem willen ein Brod, wenn sie ein Schwein geschlachtet hatten, eine Wurst übersandten. Nur hier und da wurde auch wohl eine Rleinigkeit von anderen Lebensmitteln übersandt. Bare Einnahmen waren selten und gering. Der Haushalt war daher sehr knapp bestellt, und meist war käuflich nicht einmal etwas zu haben, wer nicht selber ein­schlachtete, Brot backte, wusch, webte und Gemüse zog, konnte sehen, wie er fertig wurde, wir waren außerstande, die nöti­gen Rnschafsungen dafür zu besorgen, selbst wenn meine Mutter es verstanden hätte, jene Rrbeiten zu verrichten. Es