Ausgabe 
3.12.1916
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bewährt nun des Friedens harren, um ihre Legenswirkungen zu entfalten. Zur letzten Anspannung aller Kraft unsres Glaubens hat der Krieg uns aufgerufen, aber diese Anspan­nung der Glaubenskraft soll ihre reichen Früchte bringen, wenn uns des Friedens stille Urbeit winkt.

Gottes Reich, Gottes Herrschaft bleibt uns gegenwärtiger Besitz, unabhängig von allem Wechsel der Zeit, von Krieg und Frieden, Freud und Leid, Glück und Unglück. Uber das Reich Gottes ist ein ewiges Gut und weist unser Trachten und hoffen über diese Zeit hinaus. Mas immer die harte, Zeit von ungelösten Fragen, von zerstörten Hoffnungen, von zertrümmertem Glück uns hinterlasse, wir schreiten im Glau­ben über alles Zeitliche hinweg, wir schauen im Glauben Aber uns hinaus. Un Jesus, den vollendeten Herrn, im Glauben gebunden, seiner Zusage gewiß, warten wir des Reiches, da unser Lehnen in Erfüllung, unser Glauben in Schauen sich wandeln wird, da wir mit ihm leben und trium­phieren werden in unaussprechlicher Freude.

Vas Reformationssest in Grohen-Linden und ttlein- Linden im Zahre M7.

(Schlüße

Im letzten Teile seiner Schrift gibt hoffmann einige geschichtliche Notizen Über seine beiden Gemeinden. Großen- Linden ist hiernach einer der ältesten Orte in Hessen, sicher älter als Gießen,' denn der Name des Grtes wird schon in der Karolingerzeit genannt und die Unsiedlung bestand viel­leicht schon in vorchristlicher Zeit. Im Mittelalter gehörte der Grt zum Lahngau, im elften Jahrhundert wurde er zur Grafschaft des Grafen Werner gerechnet. Später wechselte der Besitz unter verschiedenen Herrschern, bis Großen-Linden im Jahre 1604 zu Hessen-Darmstadt kam.

Der Grt war ursprünglich von geringem Umfang. Er wird bis zum Ende des sechszehnten Jahrhunderts in Ur­kunden stets als Dorf (villa) oder auch als Dörfchen (villula) bezeichnet, erst im Jahre 1575 wurde er zur Stadt erhoben.

Interessante Mitteilungen macht hoffmann über die Geschichte der Stadt Großen-Linden in neuerer Zeit. Er schreibt :Bemerkenswert ist endlich, daß Großen-Linden im Dreißigjährigen Kriege, wie die ganze Gegend, aber besonders 1655 durch die daselbst herrschende Pest, vieles gelitten hat. von verheerenden Krankheiten wurde die hiesige Gemeinde in den Jahren 1685, 1706, 1715, 1714, 1750 und vorzüglich 1759 bis 1762, in welcher Zeit das Flekkenfieber wüthete, heimgesucht. Zn den Jahren 1797 und 1807 foderten die pokken unerhörte Opfer und die Drangsale von 1815 und 1814, wo fremde Kriegsheere die Stadt und Gegend heimsuch- ten, die Viehseuche herschte und das grausame Uervenfieber den meisten Familien dahier und zu Klein-Linden tiefe Wun­den schlug, sind uns allen noch frisch im Gedächtnisse. Zu den Zeiten der Uoth möchte wohl auch gegenwärtiges Jahr des Hungers gezählt werden müssen, worin das Uchtel Korn, welches bis dahin nach einem zehnjährigen Durchschnitte c'ma 8 Gulden g kostet hatte, vor der Erndte den Preis von 26 Gulden erstieg, und auch jetzt, nach der Erndte noch 18 Gulden gilt. Welch ein auffallender Unterschied, wenn man damit die vor hundert Jahren übliche Preise vergleicht! Nach zehnjährigem Durchschnittspreise galt nämlich das Korn am Unfange des vorigen Säkulums nur 2 Gulden 48 Kreu­zer. vielleicht wird unseren Nachkommen in hundert Jahren der gegenwärtige uns unerhörte Preis nicht in Verwundrung setzen."

Diese Worte kommen uns in der gegenwärtigen Zeit wirklich prophetisch vor. hoffmann dachte immer an die Zukunft, namentlich an die Zeit.nach hundert Jahren, also an die Jahre 1916 und 1917. Was er vorausgesehen hat, ist eingetroffen, die hohen Lebensmittelpreise der Zeit vor hundert Jahren setzen uns jetzt in einer Zeit unerhörter Teuerung nicht in Verwunderung. Ulles kehrt auf Erden wieder, namentlich die Geißeln der Menschheit, Krieg und Hungersnot.

Ueber Klein-Linden sagt der geschichtskundige Pfarrer: Klein-Linden oder eigentlich Lindes bildete sich erst gegen 1580 bis 1590 zu einer Gemeinde, in welcher Zeit sich von Grosen-Linden aus einige Familien dort ansiedelten. Unno 1615 erbauten diese die dortige Kapelle, ohne jedoch den vortheil eines eigenen Gottesdienstes zu genießen, welcher ihnen zuerst durch einen Privat-Uccord mit dem Pastor von Linden und zwar unter denselben Einschränkungen, wie vor­her dem Filiale Hörnsheim, zwischen den Jahren 1621 bis 1647 zu Theil wurde."

Anton Ohorn.

Von U. he pd i n g.

Um 22. Juli feierte der Dichter und Schriftsteller Un - ton Ghorn in der Stadt Ehemnitz in körperlicher un$ geistiger Gesundheit und Frische seinen 70. Geburtstag. Pro­fessor Dv. Bernhard Rost, Lehrer an den technischen Lehr­anstalten daselbst, hat im Verlage von Pickenhahn und Lohn daselbst ein interessantes Gedenkbuch: Lammlung von Bei­trägen reichsdeutscher und deutsch-österreichischer Dichter, Lchriftsteller und anderer, zu Ehren dieses Dichters heraus­gegeben, nachdem schon 1911 aus Unlaß des 40jährigen dichterischen Lchaffens Unton Ohorns von demselben Ver­fasser ein Buch mit dem TitelUnton Ghorn, Lebensbild» eines Dichters der Gegenwart" erschienen war, in dem er in der Einleitung sagt, daß er hier Unton Ohorns Lebensge- schich'tc und zur Feier der 70jährigen Lebenszeit dessen Ltrebensgeschichte, d. h. eine eingehende Behandlung der Werke des Dichters geben wolle.

Der Krieg, der auch den Verfasser des Gedenkbuchs ins deutsche Heer geführt hatte, ließ ihn aber nicht zur Uusfüh- rung der geplanten Urbeit kommen. Dagegen bat er, um Unton Ohorn zu dessen 70. Geburtstag mit einem literarischen Festgeschenk erfreuen zu können, Freunde und Verehrer des Dichters um Beiträge zu dem herauszugebenden Gedenkbuch, die, gern und zahlreich geliefert, zeigen, wie überhaupt Ohorns dichterisches Schaffen dankbare Unerkennung gefunden hat.

Uus dem von Professor Rost verfaßten Lebensgang des Dichters erfahren wir das Folgende:

Unton Ohorn ist am 22. Juli 1846 in Theresienstadt in Böhmen geboren, besuchte in Leipa die Volksschule und später das Uugustinergpmnasium daselbst, wo er die Werke der deut­schen Dichter fleißig las und sich bereits dichterisch versuchte. 1865 trat er in das prämonstratenser Ehorherrenstift in Tegl bei Marienbad ein und würde 186) Kleriker. Nach zwei­jährigem Besuch der Universität Prag empfing er die höheren Weihen als katholischer Priester und würde von seinem Übte wegen seiner hervorragenden geistigen Fähigkeiten zum Leh­rer des Gymnasiums in Pilsen bestimmt. Durch den Tod feiner Stiefmutter, die ihn zum katholischen Priester bestimmt hatte, für seinen Entschluß, aus dem Priesterstand auszutreten, frei­geworden, reiste er 1872 nach Koburg, wo er an dem groß- denkenden Herzog Ernst II. einen hochherzigen Gönner fand,