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sie hätten wohl lieber den Pflug durch den Kcker gezogen, auf dem Hmbos gehämmert und im Zimmer geschrieben, als daß sie hinausgezogen sind in den männermordenden Kampf. Fern, fern im südlichen Frankreich, wo der Gelbaum grünt und das Mittelmeer blaut, fern, fern in Schottland, wo das schroffe, beinahe unzugängliche Gebirge aufragt, fern, fern in der russischen Steppe wird in diesen und in den zukünftigen Tagen manche Mutter, manche Gattin, manches Kind an den Friedhof der ihnen völlig unbekannten Stabt Gießen denken, wo der liebe Tote, wie man ihnen mitgeteilt hat, ruht. Kn der Friedhofspforte kommt der volkerstreit zur Kühe. So bitten wir den ewigen Gott: Schenke diesen armen, >müden Streitern, die einst unsere Feinde waren, die ewige Seligkeit und tröste ihre Hinterbliebenen mit deinem reichen Tröste!

Uber auch aller derer gedenken wir heute, die seit Er­öffnung dieses Friedhofes im Jahre 1903 hier zur Kühe ge­kommen sind. Me sind in dieser kurzen Spanne Zeit die Gräberreihen gewachsen, eine Stadt der Toten ist hier ent­standen. Dort drunten, wo die Häuser aufragen und die Türme herübergrüßen, die Stadt der Lebendigen, hier die Stadt der Entschlafenen, wie oft klang in diesen zwölf Jahren das Glöcklein dieser Kapelle, wie oft fielen die Erdschollen nieder auf den Sarg, hier schlafen treue, ehrenfeste Väter, die mit starker, fleißiger Hand für die Ihrigen gesorgt haben, hier ruhen liebevolle Mütter, die in der Schule Gottes das Kreuztragen gelernt haben, aus von ihrer beschwerlichen Lebensarbeit, hierher hat man herangewachsene Kinder ge­bracht, die Gott in der Hälfte ihrer Tage weggenommen hat, mit denen innige Hoffnungen untergegangen sind, hier schla­fen die lieben Kleinen, denen der Herr früh die Bitte er­füllt hat, die sie mit reinem Herzen jeden Kbend vor ihn brachten: Lieber Gott mach mich fromm, daß ich zu dir in den Himmel komm! wer durch diese Gräberreihen hindurch­geht, glaubt gewissermaßen das Herzeleid neben den Grab­steinen, den Zypressen und Trauerweiden als eine dunkel ver­hüllte Gestalt sitzen zu sehen. Dennoch wollen wir über unsere Toten nicht klagen, sie haben ja ein Gut erworben, nach dem wir uns jetzt vergeblich sehnen, sie Haben Frieden gefunden und haben das unvergängliche und unbefleckte und unver- welkliche Erbe angetreten, das behalten wird im Himmel.

>Gft, so sagten wir, hat in den letzten zwölf Jahren hier das Glöcklein geklungen. Mas bedeutet sein Klingen? Es deutet Feierabendruhe für müde Pilger. Uber dieses Klingen bedeutet doch noch mehr, es bedeutet auch etwas für uns.heute dir und morgen mir, so hört man die Glocken klingen, wenn wir die verstorbenen hier auf den Kcker Gottes bringen, aus der Tiefe rufts herfür: heute dir und morgen mir". Me könnten wir heute von den Toten reden und der Gefallenen gedenken, ohne an die eigene Sterblichkeit erinnert zu werden, viele von uns haben die Welt durchmessen, sind im Menschenstrom, im Zeitgewoge hin und her gezogen, haben Glück und Erfolg gesucht und auch gefunden, nun ist die Lebensreise an eine Station ge­langt, die vermutlich die letzte sein wird. Kun wissen sie, daß sie Wohnort und Haus nicht mehr wechseln werden, aber sie wissen auch, wo einmal ihr Sarg stehen und wo einmal der kleine Platz sein wird, wo ihr Grabhügel sich erhebt. Das zu wissen, ist auch etwas, das zu wissen ist heil­sam, diese Erkenntnis richtet wie keine andere an uns die Mahnung: Schickt das herze da hinein, wo es ewig wünscht zu sein !

Im Straßburger Münster ist eine berühmte Uhr, vor

der sich in Friedenszeiten jeden Mittag um 12 Uhr zahl­reiche Menschen versammeln, wenn der letzte, der zwölfte Schlag ausgehallt hat, so kommen mehrere Figuren zum Vorschein^ Es kommt das Kind, der Jüngling, der Mann, der Greis, die vier Lebensalter, wie sie auf der Erde nacheinander dahinziehen. Dann kommt der Tod, der mäht die Stunden mit der Sense nieder, nach dem Tode aber erscheint der Herr Ehristus, der Lebensfürst und Todesüberwinder. Ein tief denkender Mensch ist der Künstler gewesen, der diese Uhr ge­schaffen hat, er läßt die Menschen, die Generationen an unse­rem Klicke vorüberziehen und zeigt uns, wie sie schließlich die Deute des Todes werden, aber er zeigt auch, daß Jesus Ehristus stärker ist als der Tod. So sagt ja Petrus, daß Gott, der Vater, uns zu einer lebendigen Hoffnung wiedergeboren hat durch die Auferstehung Jesu Ehristi von den Toten. sGhne Jesus, ohne sein Sterben und seine Auferstehung wäre der Tod uns ein furchtbares Dunkel, mit Jesus ist er uns der Eingang in ein schöneres, besseres Leben. Laßt uns des­halb die Hand des Heilandes ergreifen und festhalten, so lange wir hienieden leben, und wenn die Sterbestunde kommt, so laßt uns beten: wenn ich einmal soll scheiden, so scheide 'nicht von mir, wenn ich den Tod soll leiden, so tritt dann du herfür, wenn mir's am allerbängsten wird um das herze sein, so reiß mich aus den Aengsten kraft deiner Angst und Pein! Der Heiland aber wird uns in seinen Himmel führen, wo dann das wort gilt: Der Stuhl Gottes und des Lammes wird darinnen sein, und seine Knechte werden ihm dienen und sehen sein Angesicht, und sein Name wird an ihren Stirnen sein. Und wird keine Kacht da sein und werden nicht bedürfen einer Leuchte oder des Lichts der Sonne,' denn Gott, der Herr, wird sie erleuchten, und sie werden regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen! H.K.

Aus dem Nachlasse zweier Heimgegangener.

Mit dem Kranze.

20. August 1889.

von Gräfin Luise Schwerin, geb. von Kabenau f.

(Diese Verse waren einem Tdelweißkranze beigegeben, den die Ver­fasserin zum Todestage ihres Bruders aus den Klpen an sein Grab in der Heimat sandle)

Me soll dich mein Herz erreichen?

Fliegt heißer Sehnsucht Flug,

Ziehn meiner Liebe Gedanken Auch hoch genug?

Auch hoch genug zu dem Lichte,

Das heute dich umscheint?

Mein Herz, es hat bei der Frage Kur leis geweint.

von ragender Felsenkrone, wo reinster Sonnenglanz Die leuchtenden Klumen küßte,

Kimm meinen Kranz!

Er kann dir von allem sprechen,

Was schön, was frei und licht,

Mir will das herze brechen,

Ich kann es nicht.

Mit meinem Weh wie tauschte Ich gerne Kühe bald,

Daß über mein Leiden rauschte Der Heimatwald!