- 187
. . . vorbei.
24. Januar 1912. von Hanna Krüger f.
Sk trugen den Sarg, der mein £iebjtes barg,
Zum Friedhof hin, ich ging mit hinaus Zn Hngjt vor den Tagen, die vor mir lagen; wenn Leere wird walten, sie nicht mehr wird halten Die Fäden, die feinen, die Seelen vereinen.
Ich fühlte den Graus!
Mußt' fester drum falten
Die Hände vor Schmerz, ersticken den Schrei
Hus tiefster Tiefe,' da Hab' ich gerungen,
Vis sie das Siegeslied ihr gesungen,
Vis das begleitende Glöckchen verklungen Dann war 's vorbei.
Das Reformationsfest in Grohen-Linden und ttlein- Linden im Zahre M7.
(Fortsetzung.)
„Bemerkenswerth ist es, daß ich nach einer mehr als Wahres langen Unterbrechung des Gottesdienstes, die durch eine Zrrung in der Gemeinde veranlaßt wurde, welche nunmehr zum Kirchgänge nach der Mutterkirche höchstens Grtes angewiesen worden war, an diesem Feste den Wunsch der Gemeinde Klein-Linden erfüllte, ihr wiederum die Haltung eines eigenen Gottesdienstes zu verwilligen; ein Umstand, der die festliche Freude um ein Grases steigerte.
Dankend muß ich die Willfährigkeit des Gemeinde- und Kirchen-Vorstandes und die einstimmige, herzliche Theilnahme sämmtlicher Gemeindesglieder an beiden Orten dieses Kirchspiels, welche sich bei diesem Feste an den Tag gab, rühmen. Ruch in keinem einzigen Stükke waren die wohlgemeinten Vorschläge gehindert. Die Kosten für Rnschafsung des Papiers, des weisbrodes, des Weins für die Kinder und der Befriedigung der gepflanzten Väume waren zu Grosenlinden gemeinschaftlich aus dem Kirchenkasten und dem Stadt- Rerario (Gemeindekasse); und zu Kleinlinden, wo der un- vermögende Kirchenkasten nichts zu leisten vermag, von 0er Gemeinde bestritten, die zwei Väume am ersten Grte aber von dem zeitigen Vürgermeister (Johann Georg Menges) geschenkt worden.
werfen wir nun an der Gränze des alten und neuen kirchlichen Jahrhunderts einen Vlick auf das verflossene zurück, so drängen sich uns gar mancherlei Betrachtungen und Empfindungen auf. von den vielen Millionen, welche feit der Feier des zweiten evangelischen Jubelfestes das Licht des irdischen Lebens erblickten, wie wenige nur sind bis zu diesem schönen Feste übrig geblieben, welches uns so erquicklich war! Unzählige sind, außer denen, welche ihr hohes Rlter allmählich zum Grabe reifen lies, in früher Kindheit oder in kräftiger Jugend dahingesunken' viele Tausende hat das Schwerd und die Noth des Krieges oder die wuth verheerender Krankheiten, namentlich in dem letzten viertheile des Jahrhunderts geopfert. Buch unsere Gemeinden haben das allgemeine Schicksal getheilt. wie viele sind vor 10 Jahren als Kinder ein Raub der nun verdrängten Pocken, wie viele vor 3 und 4 Jahren ein Opfer der damals herrschenden Seuche Flecktyphus, damals genannt „Spitalpest", geworden, und wie mancher Vater hat der Rückkehr seiner Söhne vom Kriegsschauplazze vergeblich geharrt!
Zeit dem letzten Jubelfeste wurden zu Groslinden 2050 und zu Kleinlinden 920 Menschen geboren, von jenen leben «noch etwa 760, von diesen 285 Personen, und es haben also an ersterem Grte gegen »/*, an letzterem Vis der im Jahrhunderte Gebohrenen das Jubiläum erlebt, von denen, welche bei dem zweiten Jubelfeste, vor 100 Jahren, schon gebohren waren, ist keins bis zu diesem dritten übrig,' ein Umstand, der freilich nicht befremden kann; aber auffallender ist es, daß von den 470 Menschen, welches jenes Fest in Grosen- linden erlebten, nur 15, und von den 206, welche in Kleinlinden dasselbe erlebten, nur 9 Söhne oder Töchter übrig geblieben sind, um gegenwärtiges Jubelfest mit zu feiern.
vor 200 Jahren belief sich die Zahl sämmtlicher christlicher Einwohner von Grosenlinden beiläufig auf 350, vor 100 Jahren auf 470, jetzt zählt Grosenlinden 807 Seelen. Ls hat sich also die Menschenzahl vom ersten bis zum zweiten Jubelfeste um V 4 , von dem zweiten bis zum dritten um Vu, in den 2 Jahrhunderten aber etwa um 0/7 vermehrt. Rach diesem Maßstabe fort geschlossen, kann die Gemeinde bis zum nächsten Jubiläum wohl auf 1500 Seelen anwachsen.
Kleinlinden hat sich erst kurz vor dem ersten evangelischen Jubelfeste durch Rnsiedlung einiger (8) Familien, welche alle, eine einzige ausgenommen, aus Grosenlinden abstammten, zur Gemeinde gebildet. Im Jahre 1613 wurde die dasige Kapelle gegründet, und bis zum zweiten Jubelfeste, 1717, hatte sich die Zahl der Einwohner auf 206 durch innern und äusern Zuwachs vermehrt. Gegenwärtig beläuft sich die Seelenzahl von Kleinlinden auf 312, übertrifft also die von 1717 um V». bis zum vierten Jubelfeste, 1917, könnte sie wohl die Zahl von 450 470 erreichen."
hoffmann hat nicht nur ein großes Verständnis für die Vergangenheit gehabt, er war auch ein Mann, der mit scharfem Blicke hinaus in die Zukunft sah. Lr gab sich Mühe, auf Grund der seitherigen Volksvermehrung die Seelenzahl der beiden Gemeinden seines Kirchspiels im Jahre 1917 zu bestimmen. Daß die Neuzeit eine ungeahnte Entwicklung bringen würde, daß durch die Industrie und das Verkehrswesen die Menschenzahl in Deutschland eine große Zunahme finden werde, konnte er freilich nicht ahnen. Er schätzte im Jahre 1817 die Bevölkerung der Stadt Großen-Linden für das Jahr 1917 auf 1500 Seelen, sie betrug schon nach der letzten Volkszählung 2033, die Bevölkerung der Gemeinde Klein-Linden schätzte er auf 450 470, sie betrug nach der
neuesten Feststellung 1842. wie wird es im Jahre 2017 sein? Das weiß Gott allein. In dem kommenden Jahrhundert wird es zweifellos mit dem deutschen Volke nicht in demselben Maße aufwärts gehen wie in dem abgelaufenen.
(Schluß folgt.)
Worte ;um Nachdenken am Totensonntage.
Ist's heute nicht, ist's morgen,' in Bereitschaft sein ist alles. Shakespeare.
Kein sel'grer Tod ist in der Welt, als wer vor'm Feind erschlagen fällt, auf grüner Heid' im freien Feld, darf nicht hör'n groß wehklagen. Im engen Bett, da einer allein muß an den Todesreihen, hier find't er doch Gesellschaft fein, fallen mit wie Kräuter im Maien. Ich sag ohn' Spott: Kein sel'grer Tod ist in der Welt, als wenn man fällt auf grüner Heid' ohn' Klag' und Leid! Mit Trommelklang und Pfeifengesang wird man begraben, davon tut haben unsterblichen Ruhm, mancher Held fromm hat zugesetzt Leib und Blute dem Vaterland zu gute. Rltes Soldatenlied.


