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Dar Resormationsfest in Grotzen-Linden und lilein- Linden im Zcchre l8l?.
Fortsetzung.)
Kn diesem zweiten Tage, Zamstags den 1. Uov., versammelte sich wiederum die Gemeinde, unter Glokkengeläute, des Morgens in der Kirche. Nachdem die Gemüter durch Bb- singung des Liedes: „habe deine Lust am Herrn" und durch Gebet zur Bndacht sich erhoben hatten, so wurden Zchüler und Schülerinnen vor dem Bltare versammelt und denselben über die Bestimmung des Menschen, über seine natürlichen Bnlagen und die außerordentlichen Mittel, welche denselben zu seiner Bestimmung führen sollen, über Religion und Kirche und über Entstehung, verfall und Miederherstellung der christlichen Kirche Fragen vorgelegt, welche von dem größten Theilc so treffend als freimütig beantwortet wurden. Zwanzig Kinder, welche sich seither durch Fleiß und sittliches Betragen vorteilhaft ausgezeichnet hatten, erhielten nach geendeter Prüfung kleine dem Zwekke angemessene Prämien, als Zeichen der Zufriedenheit ihrer Lehrer. Beim Zchluß wurde die Gemeinde aufgefordert, sich vor die Kirche zur Pflanzung zweier Bäume, welche uns und den Nachkommen als Denkmal dieses Festes dienen sollen, auf dem Kirchhofe zu versammeln. Die Morte, welche ich zu der zahlreichen auf den Gräbern der Voreltern vereinten Menge über den Zweck und Zinn der beabsichtigten Pflanzung redete, wurden mit den augenscheinlichsten Beweisen von Theilnahme und Büh- rung angehört. Es war vielleicht der feierlichste Augenblick des ganzen Festes."
Nach dieser Beschreibung des Festes teilt hoffmann die Nedc mit, die er bei der Pflanzung der Bäume gehalten hat. Er sah die beiden Bäume als Zinnbilder der Neformation an. „Zie erhob sich aus dem Moder einer to,ten Merkheiligkeit zum Leben des wahren Ehristenglaubens; so steigen auch diese Bäume aus den Gräbern der Verwesung zu frischem, grünendem Leben empor." Bber auch als 5innbild:r der Be- formatoren sah er sie an. Die starke, feste Eiche, welche kein Zturm beugt, sei ein Bild Luthers, die Linde mit ihrem milden Zchatten und ihrem weichen Holze verkörpere den sanften und besonnenen Melanchthon. hoffmann schloß seine Bede mit den Morten: „Zo senket denn zu immer neuem Leben die bedeutungsvollen Bäume in die offenen Gruben! Pflanzt sie mit Zorgfalt, und jedes der Anwesenden, besonders der Kinder, werfe Erde dazu, daß von ihnen die Nachkommen, welche das nächste Jubelfest feiern, erfahren mögen, wie wir alle zu dieser Pflanzung beitrugen. Bald soll die werthen Bäume, um sie eben vor äußerem Unfälle zu bewahren, wie sie durch die allgemeine Theilnahme vor muthwilliger ver- lezzung gewiß gesichert sind, eine Umzäunung umgeben, welche auf den oberen Feldern der 4 Zeiten eine passende Inschrift zieren wird. Un dieser Eiche lese man auf der Zeite am Pfade: ,Luther', auf den übrigen: ,Gottes Mort besteht in Ewigkeit'. Bei jener Linde auf der vorderen Zeite: Melanchthon', auf den übrigen: ,Denkmal des dritten Jubelfestes der Kirchenverbesscrung, g setzt am 1. November 1817!"
Einer freundlichen Mitteilung des Herrn Pfarrer Zchulte entnehme ich, daß die Eiche, die man damals gepflanzt hat, leider eingegangen ist. Die Linde dagegen besteht noch und trägt immer noch den Namen ,,Beformationslinde". Nebenbei hat Großen-Linden beim Bathaus noch eine Linde, die 1815 gepflanzt ist und den Namen ,,Ziegeslinde" trägt.
Nachdem er seine Bede mitgeteilt hat, fährt hoffmann in der Zchilderung des Festes dann fort:
,,vorsichtig wurden hierauf die Bäume, zuerst die Eiche und alsdann die Linde, in ihre Gruft gesenkt, und wir versammelten insgemein, die jüngsten Kinder und die bejahrtesten Greise, warfen jedes eine handvoll Erde in die Grube. Gebet und Bbsingung der drei ersten Verse des Liedes „Ich bin, o Gott, dein Eigentum" beschlossen die gottesdienstliche Feier des seltenen Festes. Die Gemeinde wurde nach gesprochenem Zegen entlassen, die Jugend aber von mir, von dem Zchullehrer und dem Ztadtvorstande auf das nahe Bathaus geleitet, wo sie mit Zchreibpapier beschenkt und mit Meisbrod und Mein, welchen wohl die meisten Hier zum erstenmal genossen, erquickt. Tanz und gesellige Freude, welche aber in den Gränzen würdiger Mäsigung blieb, beendigten das schöne Fest.
Bus ähnliche Meise wurde in dem Filialorte von Gros.n- Linden, zu Klein-Linden, das Jubelfest begangen. Meil dem Herkommen gemäs und durch die kirchliche Feier an ersterem Orte verhindert, diese hier bei letzterer Gemeinde nicht schon am 51. Gct. stattfinden konnte, so wurde daselbst dieser erste Tag der geselligen Freude gewidmet. Bin 1. Bov. aber, Mittags 2 Uhr zog ich mit der Gemeinde und Zchuljugend aus dem Zchulhausc unter Bbsingung des oben bemerkten Liedes: „Lob, Ehr und Preis" nach dem grasen, freien Plazze in der Mitte des Ortes, wo dessen vier Ztraßen wie Ztrahlen eines Kreises zusammen laufen, und wo die Gemeinde an Zonntagen oder in den Feierstunden sich zu versammeln pflegt. Mir bildeten einen Kreis um die Grube, welche für die als Denkmal zu pflanzende Linde, die von da fast aus jedem Hause wahrgenomen werden kann, schon gefertigt war. Bach geendigten Gesänge hielt ich auf ähnliche Meise wie des Morgens zuvor in Grosen-Linden eine Bnrede an die Gemeinde über den Zinn der bezweckten Pflanzung. hierauf wurde der Baum mit derselben Feierlichkeit, wie an jenem Orte, gepflanzt und alsdann unter Gesang zur Kirche hinabgczogen. Buch hier fiel die für die Grtsarmen gesteuerte Eollecte reichlich aus, denn sie betrug mit dem Opfer über 87,. Gulden und stand also mit der in der Mutterkirche eingekommenen im Gleichverhältnisse. Bach vollendeter, allgemeine Freude und Zufriedenheit erregender Prüfung der Jugend wurden 9 Prämien unter die fleißigsten Zchüler und Zchülerinnen vertheilt, die Eommunicanten zu dem Genüsse des heil. Abendmahls auf den folgenden Tag vorbereitet und die Kinder eingeladen, nach geendetem Gottesdienste ln die.' Zchule sich zu versammeln, wo sie wie die Zchüler zu Grosen-Linden sämmtlich beschenkt und gelabt wurden. - Km Morgen des folgenden Tages, am 22ten Zonntage nach Trinitatis, hielt ich die vorgeschriebene Iubel- predigt und reichte das heilige Abendmahl, wozu sich 104 Personen eingefunden hatten. (Fortsetzung folgt.)
Tagebuchblätter aus dem Süden.
(Schluß.)
5 .
Abschied von Zan Bemo.
Die Zonne fing schon an, sehr zu wirken, so daß wir Nordländer uns vor ihren Ztrahlen mehr und mehr schützen mußten. §o wurde der Entschluß besprochen und erwogen, das südliche Gestade zu verlassen, um für die warme Jahreszeit ein weniger heißes Klima aufzusuchen, das uns zugleich der deutschen Heimat näher führen sollte.
Einer meiner Brüder kam dazu wieder zu uns,' mit ihm konnte ich noch einige schöne Fahrten in die mir noch fast


