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unbekannte Umgebung machen, unter der besonders Borbig= Hera, ein Palmenland im wahren Zinne des.Wortes, mich entzückte. Italien-Behende wissen, daß von dort alljährlich für das Osterfest die gebleichten Palmenzweige in das ganze Zand versandt werden. Einzelne werden mitunter sehr künstlich und eigenartig verschlungen und verknüpft, um damit Kirchen und Däuser innen zu schmücken. Ich selbst habe deren öfter bei meinem verschiedenen Aufenthalt in Capri zum Geschenk erhalten und lange verwahrt.
Die ganze Umgegend Zan Uemos ist eigenartig interessant, besonders wenn man höher in den Bergen in die weltfernen Dörfer und kleinen Städte kommt, wahre Bergnester sind es, eines fast typisch dem andern gleichend. Kleine, meist verwahrloste Häuser, ein Marktplatz, ein oder mehrere halb zerfallene Paläste, eine Kathedrale, ein Zteinbrunnen mit schwatzenden Frauen, bettelnde Kinder, im übrigen mangelnde Zauberkeit und Ordnung. Und doch, wie malerisch schön!
Es wurde Mitte April, ehe alle Vorbereitungen beendet waren und wiederum ein Krankenwagen uns aufnahm, der auf der sonnendurchglühten, kleinen Ztation unser harrte.
Mir fiel der Abschied von so manchen deutschen Freunden, die wir dort gefunden hatten, recht schwer, ebenso der Abschied von der strahlenden sonnenbeschienenen Küste und dem blauen, so wunderbar schönen Meer. Die Hoffnung, die mich dabei bewegte, dieses alles Wiedersehen zu können, erfüllte sich nicht, nie mehr kehrte ich dahin zurück. Um so wertvoller ist mir die Erinnerung an dieses Land und an die vielen schönen Stunden, die ich dort im Kreise edler und lieber Menschen verlebt habe. Besonders dies letztere, der Verkehr mit Persönlichkeiten, denen ein inneres Streben eigen ist, bleibt stets, wo man sie auch treffen mag, ein Gewinn für das Leben. So auch damals, darum versenke ich mich nun nach langen Jahren gern wieder in jene längst vergangene Zeit.
Sie ist mir um so wertvoller, als die Welt sich so völlig verändert hat, daß es für unabsehbare Zeiten ausgeschlossen erscheint, daß die Menschheit je wieder so harmlos fröhlich, so aufrichtig gut und warmherzig sein kann, wie sie es damals war. —
Wir begaben uns nun nach Montreux am Genfer See, das wir nach etwas mehr als 24 Stunden erreichten und wo wir in Villa Maria, nahe am See, Wohnung nahmen.
Baronin B.
Aus der Zugendzeit eines deutschen Mannes.
(Fortsetzung.)
Cs tut mir leid, daß ich über jenen merkwürdigen Ab- schnitt des Lebens meines Vaters nur den Inhalt seines Briefes mitteilen kann. Gr wußte sehr viel davon zu erzählen, und es war in der Gat viel Merkwürdiges darunter. Gar oft zwar teilte er von seinen Erlebnissen mit, besonders, ivenn er mit einem alten Kriegskameraden zusammentraf, der gleichfalls den Feldzug mitgemacht hatte. Dann wurden sie Feuer und Flamme,' beide erzählten zugleich und überschrien einander. Mir ist aber, weil ich zu wenig von der Sache begriff, nichts davon im Gedächtnisse geblieben als wenige undeutliche Bruchstücke, die kaum einer Mitteilung fähig sind.
Obgleich ich jetzt schon sieben Jahre alt war, konnte ich doch noch nicht lesen. Meine Mutter erhielt für mich den Eintritt in eine Armenschule,' ich konnte sie aber nicht regelmäßig besuchen, weil ich meine Geschwister abwarten mußte,' auch
hatte ich wenig Lust zum Lernen. Ls waren zwei Gebrüder, ich glaube namens Jacob, welche die sehr zahlreich besetzte Schule hielten und von welcher jeder eine Abteilung beschäftigte. Ich habe die Schule innerhalb vier Wochen etwa 14 Gage lang besucht. Was darin vorgenommen wurde, begriff ich nicht, und das „a, b, ab, b, a, ba" langweilte mich unendlich. Die beiden Pädagogen saß^n im schlechtesten An- zuge mit baumwollenen weißen Nachtmützen auf den Köpfen, einen Stecken in der Hand da, und das Einzige was ich verstand, waren die Prügel, die es häufig regnete. Neu war mir die Strafe des Eseltragens. Auf ein braunes rundes Brett war ein Esel gemalt, der einem nach dem andern um den hals gehangen wurde. Ich begriff nur so viel davon, daß es geschah, wenn der Lehrer mit einem unzufrieden war. Gelernt habe ich dabei eigentlich nichts, denn dazu war die Sache nicht angetan.
Endlich kehrte mein Vater zurück. Unsere Freude war groß,' es schien, als ob unser Elend ein Ende genommen hätte, um so mehr, da mein Vater als Akzise-Aufseher zu Preußisch-Friedland in Westpreußen angestellt worden war. Er brachte einiges Geld mit, so daß den dringendsten Bedürfnissen abgeholfen werden konnte. Allein meine Mutter fand den Vater sehr verändert, wie das nach langer Abwesenheit in der Fremde und nach schwerer Krankheit wohl öfter der Fall ist. Cr erschien ihr halb entfremdet, und mit einzelnen Ungewöhnungen behaftet, die ihr nicht lieb waren. Sie hoffte jedoch von der Zeit das Beste.
So schwer es nun auch meiner Mutter wurde, sich von Berlin, ihrer Heimat, und ihren von ihr sehr geliebten vier Brüdern zu trennen und in eine ganz fremde Gegend zu ziehen, so mußte es doch geschehen. Sie fühlte, daß sie einer dunklen Zukunft entgegenging, und riß sich mit trüben Ahnungen und schwerem Herzen los. Wir Kinder freuten uns auf die Reife und ihre Abwechselungen und schieden ohne Kummer von Berlin.
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Lin ganz neuer Abschnitt meines Leb:ns beginnt, an Inhalt sehr verschieden von dem vorigen, auf einem durchaus anderen Schauplatze, aber dennoch nicht erfreulicherer Art.
Im September traten wir unsere Reife an. Für uns Kinder war es eine Hauptbegebenheit,' denn cs war ja die erste Reife, die wir machten, und mit den frischesten Sinnen faßten wir ihre Eindrücke auf. Mein Vater hatte einen Schein auf vorspannfuhren erhalten, und so wurden wir von «Grt zu Ort gefördert, nicht eben auf die bequemste Art, aber immerhin doch weiter. Besonders waren ldie wagen ein Gegenstand meiner Beobachtung, denn wissentlich war ich bis dahin auf keinem gefahren,' namentlich aber war mir der Teergeruch der Bäder sehr angenehm, und wo ich ihn etwa jetzt .noch atme, treten mir älteste Beisebilder vor die Seele, von der ersten Hälfte des Weges sind mir nur schwankende unbestimmte Vorstellungen geblieben, die ich kaum Erinnerungen nennen kann. Unser Weg führte über Küstrin, Landsberg an der Warthe, Friedeberg. Moldenberg, Hochzeit, Schloppe, Schneidemühl, Krojanke, Flatow nach preußisch- Friedland, das im ehemaligen pomerellen gelegen ist, 40'/-2 ITTeile weit von Berlin. Eindruck machten auf mich die Städte Schneidemühl und Krojanke mit ihren polnischen Physiognomien, die von hier an nicht mehr wechselten. In Krojanke kamen wir an, als die dort sehr zahlreichen polnischen Juden ihre Schabbeskleider angelegt hatten. Sie saßen vor den Türen der Häuser und gewährten einen eigentümlichen Anblick. In einem Dorfe, wo wir zu Mittag Kartoffeln in der


