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Universalmittel, mit Schlägen, zu Hilfe kommen zu müssen, und ehe man es sich versah, erhob sich mitten im „Lins Zwei Drei" ein lautes Geheul noch von dem letzten Lone der Violine begleitet. Wo es Kinder und Soldaten gab, da gab es damals auch Prügel, und meistens ganz barbarische.
Daß ich übrigens auch jetzt noch, an welchem Lore ich mich auch befinden mochte, beim Schlüsse des Zapfenstreichs mein Freudengejauchze erhob und allenfalls einem andern Knaben die Mütze vom Kopf riß, um sie hoch in die höhe zu werfen, versteht sich von selbst. Um das zu versäumen, dazu war ich ein viel zu ordentlicher Junge.
Ls kamen aber auch traurige Momente. Lines Kbends in der Dämmerung war meine Mutter (wie wir es nannten) in die Stadt gegangen, um Arbeiten abzuliefern,- ich schleppte meinen kleinen Bruder auf dem Krme fort bis zur Ecke der jetzigen Kuguststraße, und setzte ihn dort auf die Lrde, da er mir zu schwer wurde. Meine kleine Schwester war hinterher getrottet, von dort mußte meine Mutter kommen, um zu unserer Wohnung zu gelangen. Mir schien es, als ob sie übermäßig lange ausbliebe. Es wurde dunkel; zum Spielen konnte man nicht mehr sehen,- ohnehin war ich durch meinen Bruder an die Stelle gefesselt. Plötzlich kam mir in meiner kindischen Ungeduld der Gedanke, meine Mutter könnte verunglückt sein. Betrübt hob ich die Kugen gen Himmel; da schien ein Stern zu wanken, und nun vom ich überzeugt, Gott habe mir ein Zeichen gegeben, daß meine Mutter tot sei. Ich fing an zu heulen, meine Geschwister halfen,- und schon kamen Leute und erkundigten sich nach dem Grunde unseres Jammers, da erschien meine Mutter und machte der Szene ein Ende. So weint der Mensch um eingebildetes Leid und läßt das wirkliche unbeachtet. Wie oft mögen höhere Wesen auf unseren Jammer mit ähnlichen Empfindungen blicken, wie wir auf diesen kindischen. Sind doch die Kinder von den Erwachsenen nur dem Grade der Erkenntnis nach verschieden.
Endlich kam ein lang ersehnter Brief meines Vaters. Er fing an mit den Worten: „Km Bande des Grabes schreib' ich Dir." Der schreckliche Kückzug der Preußen aus der Champagne im gänzlich aufgeweichten Boden hatte bei fürchterlichem, unaufhörlichem Kegenwetter im herbst stattgesunden; das Lazarett war zu Bchiffe den Fluß, ich glaube die Mosel, hinab transportiert, aber von den Franzosen genommen worden. Mein Vater wurde als Gefangener nach Longwp ge
führt ; er kam dabei um alle seine Ersparnisse und konnte; keinen Brief absenden. Bei der Gefangennahme leicht ver- 'wundet, war er bald von dem herrschenden schrecklichen La- zarettpphus ergriffen worden. Kn dieser furchtbaren Krankheit starben die Gefangenen wie die Fliegen dahin, und auch die Ruhr räumte unter ihnen ganz gewaltig aus. Mein Vater hatte ebenfalls fast ein Vierteljahr lang daran gelitten und schrieb seine Kettung allein dem General-Ehirurgus Görcke zu, der sich seiner sehr angenommen hatte. Jetzt war er auf dem Wege der Genesung, war ausgewechselt worden und wollte zurückkehren und sich zugleich um eine Knstellung bewerben. Meine Mutter lebte bei diesen Nachrichten, so traurig sie an und für sich auch waren, dennoch neu auf.
(Fortsetzung folgt.)
Kirchliche Anzeigen.
Sonntag, denl 2. November, 21.nachTrinitati s.
Gottesdienst.
In der Stadttirche. vormittags 97 2 Uhr: Professor D. S ch i a n. vormittags 11 Uhr: Militärgottesdienst. Pfarrer Schwabe. Nachmittags 2 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde. Pfarrer Schwabe. Kbends 5 Uhr: Pfarrer Mahr. Montag, den 13. November, abends 8 Uhr: Versammlung der konfirmierten weiblichen Jugend der Matthäusgemeinde. Dienstag, den 14. November, abends 8 Uhr: Versammlung des Frauenvereins der Markusge- meind^ im Markussaal. Dienstag, den 14. November, nachmittags 4 Uhr, im Matthäussaal: Frauenmissionsverein.
In der Johanneskirche. vormittags 97s Uhr: Pfarrer Kusfeld. vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Io- hannesgemeinde. Pfarrer Kusfeld. Kbends 5 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Kbends 772 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Lukasgemeinde im Lu- kassaal. Kbends 77 2 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Johannesgemeinde im Johannessaal. — Mittwoch, den 15. November, abends 8 Uhr: Kriegsbet- ' stunde. Pfarrer Bechtolsheimer. — Freitag, den 17. November, nachmittags 572 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Johannesgemeinde im Johannessaal.
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