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stimmend in den Gesang an meiner Seite von Anfänge bis zu Ende mitgezogen. Auch die Schuljugend von Klein-Linden nebst ihrem Lehrer hatte sich mit der hiesigen Schule vereint. Einen Beweis der allgemeinen und freudigen Theilnahme gab die reichliche Tollecte, welche durch zwei Kirchenälteste am grosen Eingänge gesammelt wurde und nebst dem Opfer, welches ebenfalls den Armen der Stadt wurde, 23 Gulden betrug.

Luthers LiedEin feste Burg ist unser Gott" begann die gottesdienstliche Feier, nach deren Beendigung ich, zu Folge des vorgeschriebenen Textes, l. Eim. 2. 4, über den Satz:Daß die Kirchenverbesserung eine göttliche Anstalt ge­stalt gewesen sei, zur Abhülfe von drückenden Beschwerden und zur Wiedererlangung einer richtigen Erkenntnis" einen 'Kanzelvortrag hielt, und alsdann unter Beihülfe meines Tollegen, des Herrn Pfarrers Snell den Eommunicanten, an der Zahl 238, die Kranken mitgerechnet, welche das Sacra- ment im krause empfingen, das heilige Abendmahl reichte. EinHerr Gott, dich loben wir" schloß den vormittäglichen Gottesdienst. Des Nachmittags erläuterte Herr Pfarrer Snell nach dem zu diesem Behufe angeordneten Texte, Joh. 8, l2, die Wahrheit des Sazzes: Daß das Licht einer richtigen Er­kenntnis noch keine Gefahr, weder für den kirchlichen noch für den bürgerlichen Verein bringen könne." Zn feierlicher Stille ging dieser Tag hin, welcher blos der geistigen Betrach­tung Und der Belebung guter Entschlüsse gewidmet blieb, die das Nachdenken über die Feier des Jubelfestes und der Ge­nuß des heiligen Abendmahles erzeugt hatten. Darum hatte die Gemeinde es auch vorgezogen, die lauten Vergnügungen bis auf den nächsten, ohnedem durch die Art seiner Feier mehr zur Lust ermunternden, Tag zu verschieben.

(Fortsetzung folgt.)

Tagebuchblätter aus dem Süden.

(Fortsetzung.)

4.

Deutscher Basar in San Nemo.

Die deutsche Fremdenkolonie San Nemos vermehrte sich von Jahr zu Jahr, da das dortige Klima für einen winter- aufenthalt Leidender und Schwerkranker sich als besonders günstig erwies. Da auch ein deutscher Prediger anwesend war, konnten allsonntäglich evangelische Gottesdienste stattfinden,' hinderlich war dabei das Fehlen eines hierfür geeigneten würdigen Naumes.

Die englische Fremdenkolonie war dort, wie überall im Auslande, im Besitz einer hübschen kleinen Kirche,' am ersten Sonntage meiner Anwesenheit wurde sie unserer kleinen Ge­meinde zur Verfügung gestellt, später aber nicht mehr. Den Grund hierfür vermag ich nicht mehr anzugeben. Unsere Versammlungen fanden nun in einem größeren, unfreund­lichen Naume eines Hofes statt, in einer Art Schuppen, der kalt und düster war. Bezeichnend für die Feindseligkeit der katholischen Einwohner der Stadt war es, daß regelmäßig während unseres Gottesdienstes verschiedene Trommler ihre Bedungen auf dem Hofe machten, eine Störung, die erst nach vielen Schwierigkeiten abgestellt werden konnte. So erwachte in den Deutschen der Wunsch, sich zusammenzuschließen, um in gemeinsamer Arbeit dahin zu wirken, mit der Zeit ein be­scheidenes, eigenes Kirchlein errichten zu können. Ls war ein kühner plan, jedoch standen an der Spitze des nun gebildeten Vereins einige energische Herren, die vor keiner Schwierig­keit zurückscheuten.

So wurde denn beschlossen, einen Basar zum Besten eines Kirchenfonds abzuhalten, und alle evangelischen Deutschen und Balten begannen eine eifrige Tätigkeit hierfür. Auch viele englische Damen betätigten sich in dankenswerter weise dabei, ebenso der russische Hof, der eine Fülle hübscher Gegen­stände gab, während der italienische Hof es völlig ablehnte, sich irgendwie für das Interesse Andersgläubiger zu bemühen. Diesem Beispiel folgte der größte Teil der besseren Bevölke­rung der Stadt.

Nach wochenlangen Vorbereitungen fand der verkauf in der Apotheke statt, die sich die Einnahme durch vermieten ihrer schönen Näume an Ketzer gern gefallen ließ. Auch das Nesultat, zu dem die Damen und Herren des russischen Hofes durch reichliche Einkäufe viel beitrugen, war ein überraschend günstiges; es gab die ersten Bausteine zu dem später, nach fast zehn Jahren dort erbauten deutschen Kirchlein.

Dieses sowie ein noch später errichtetes deutsches- Kran­kenhaus wurde mit unendlicher Mühe und Arbeit von der dortigen deutschen Kolonie durch Schenkungen und Basare er­halten. Erschwert wurde diese Arbeit schon einige Jahre vor Ausbrrlch dieses Krieges durch den ungünstigen Einfluß einer neuen Stadtverwaltung, welche einer russisch-italienischen Strömung Vorschub leistete, die weniger auf Erhalten, als auf Zerstören deutscher Interessen bedacht war. Und was nun nach dem Ende dieses entsetzensvollen Krieges ihr Schicksal sein wird, ist wohl sehr zweifelhaft, wie so manche andere menschenfreundliche Schöpfung wird wohl auch dieses mit so viel Fleiß und ernster Arbeit für das Wohl kranker Deutscher geschaffene Werk ein Opfer der Stürme in dem Sonnenlande eines irregeleiteten Volkes werden. Baronin N.

(Schluß folgt.)

Aus der Jugendzeit eines deutschen Mannes.

(Fortsetzung.)

Meine Mutter hatte gehofft, mit dem verlassen der Ka­serne dem Anblick der Prügelszenen aus dem Wege zu gehen, allein darin hatte sie sich geirrt. Unser Hauswirt war ein Bauinspektor, der zwei Töchter, kleine niedliche Mädchen von 7 und 9 Jahren, besaß, welche eine Mädchenschule be­suchten, über Mittag in der Pension blieben, und pünktlich abends um 4 Uhr nach Hause kommen mußten. Die sehr strenge Mutter gab ihnen dann eine gewisse Zahl von Touren auf, die sie bis abends 6 Uhr abstricken mußten. Fehlte um jene Stunde etwas daran, und das geschah sehr oft, so wurde die Schuldige mit einer hölzernen Kelle erbärmlich, bear­beitet. Sehr gewöhnlich mußten beide Mädchen, eine nach der anderen heran, und ihr Geschrei tönte durch die ganze Nachbarschaft. Auf dem Hofe wohnte ein Böttcher, der einen zehnjährigen Jungen hatte. Diesen jagte die Mütter oftmals unter gewaltigem Geschimpfe und Geschrei auf dem Hofe umher, das Ende eines hölzernen Tonnenbandes in der Hand, und wenn sie ihn erreichen ktonnte, versetzte sie ihm grimmige hiebe. Er lief dabei immer im Kreise umher undi sie ihm nach, bis sie schwindlig würde, war sie aber sehr giftig, so schrie sie:Junge, die Jacke aus!" Dann wurde- im steten Laufen und heulen die Jacke ausgezogen und mög­lichst langsam abgeworfen. Schräg uns gegenüber wohnte ein Musikus, der seinem Sohn von 9 Jahren violinstunden gab und dessen Zählen:Lins, Zwei, Drei!" und sonstige Zurechtweisungen wir deutlich hören konnten. Es wurde dem Jungen sehr sauer, sich mit der Kunst zu befreunden. Der Vater glaubte ihm also mit dem damals allgemein beliebten