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Gras, das da frühe blühet und bald welk wird und des Nbends abgehauen wird und verdorret.
In diese Welt des Werdens und Vergehens hinein tönt bas Wort des Heilandes: Freuet euch aber, daß eure Namen im Himmel geschrieben sind. Wir sind Gottes Kinder. Weil wir seine Kinder sind, so kennt uns der himmlische Vater und umfaßt uns alle mit gleicher Liebe, vom Himmel schaut er herunter auf unseren Lebensweg und leitet ihn nach seinem guten und gnädigen Willen. Er hat seinen Lohn auf die Erde gesandt, daß es uns empor in sein Neich ziehe und uns ewig selig mache. Vieser Krieg vernichtet so viele Menschen,- sie werden im Graben verschüttet, im (Dzean versenkt, sie sterben in den Gebirgsschluchten und in den osteuropäischen Lümpfen, im Neiche unseres Gottes wachsen und reifen sie weiter dem Tag der Vollendung entgegen. Nus den Büchern der Menschen können unsere Namen verschwinden, im Buche Gottes sind sie geschrieben für und für. h. B.
Vas Reformationsfest in Großen-Linden und Rlein- Linden im Zahre M?.
Wenn wir im herbste des Jahres 1917 mit Gottes Hilfe den ehrenvollen Frieden erlangt haben, so wird man nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen evangelischen Welt das 400. Jubiläum der deutschen Neformation, die Feier des Tages, da Martin Luther durch seinen Thesenanschlag das Werk der Kirchenverbesserung begann, feiern. Lowohl 1617 wie auch 1717 und 1817 hat man das Jubelfest in Deutschland gefeiert. Besonders feierlich gestaltete sich das Nefor- mationsjubiläum im Jahre 1817,' denn damals war nach langen Kriegswirren der Friede wieder eingekehrt, Deutschland hatte zwei Jahre vorher Napoleon endgültig besiegt, ein hoher Geist des sittlichen Idealismus ging durch unser Volk. In Nr. 11 dieses Jahrgangs des „Lonntagsgrußes" haben wir bereits über die Gießener Feier der Jahre 1617 und 1717 berichtet, auch einige kurze Bemerkungen über die Feier des Jahres 1817 gemacht, heute wollen wir eine Schilderung des Festes, dcrs man 1817 in Großen-Linden und Klein-Linden gefeiert hat, hier veröffentlichen.
Diese Schilderung findet sich in einem interessanten Lchriftchen, das von dem damaligen ersten Pfarrer von Großen-Linden, Thristian Uugust hoffmann, herrührt, und das den Titel trägt: „Die Feier des dritten Evangelischen Jubelfestes zu Gros- und Klein-Linden nebst einigen geschichtlichen Nachrichten über diese Grte. Leinen pfarrkindern in beiden Gemeinden und ihren Nachkommen gewidmet." Zwar war hoffmann darin ein Kind seiner Zeit, baß er ganz und gar Vertreter des damals herrschenden Vernunftglaubens, des Nationalismus, war, aber in seinem Verständnis für Geschichte, namentlich für Lokalgeschichte, ist er seiner Zeit vorausgeeilt und vertritt er Grundsätze, die erst in neuerer Zeit allgemein zur Geltung gekommen sind. Für uns, die wir uns jetzt schon zur Feier des 400. Neformationsjubiläums rüsten, ist seine Lchrift sehr wertvoll. Wir bedauern, daß die Gießener Geistlichen dieser Zeit, die bei der kleinen Zahl ihrer Gemeindeglieder reichlich Zeit dazu gehabt hätten, das Gießener Fest nicht beschrieben haben, wie überhaupt unser Kirchenarchiv sehr arm ist.
hoffmann hat die Bedeutung seiner Lchrift richtig erkannt, wenn er in der „Vorerinnerung" schreibt: „Es war diese Lchilderung unserer Neformations-Jubelfeier nichts weniger als zum Druck bestimmt, vielmehr sollte sie nur, in den Pfarr-Ncten niedergelegt, meinen Nmts-Nachfolgern zur No
tiz dienen. Da sich indessen von der vorigen Läeularfeier kaum eine Lpur von Kunde, und auch diese nur bei den Wenigsten von denen erhalten hat, deren Eltern dieselbe erlebt haben, und da in den hierin beschriebenen schönen Tagen jedes der vielen bewegten Gemüter den begreiflichen Wunsch hegte, daß das Andenken davon auf Kindeskind forterben möge,' so entschloß ich mich, dieses kleine Lchriftchen für meine Gemeinden dem Drucke zu übergeben. Es soll das Andenken an die Zeit, den Linn und die Art dieser Feier bei den Gemeinden erhalten. Lelbst das Kind, welches jenen Zinn zu begreifen jetzt noch außer Ltand ist, von welchem aber gerade am Ersten für die künftige Jubelfeier in seinen Löhnen und Töchtern sich Zeugen erwarten lassen, wird späterhin beim Lesen dieser Lchil- derung das dunkle Bild, welches sich durch die ihm unvergeßlichen sinnlichen Wahrnehmungen ungewöhnlicher Festlichkeiten erzeugte, vervollständigen, und das noch Unbegriffene wird ihm begreiflich werden. Buch die angefügten kurzen, geschichtlichen Bemerkungen, welche ich aus den von mir entworfenen Denkwürdigkeiten von Gros-Linden in der Pfarr-Nepositur ausgezogen habe, dürften von ähnlichem Interesse für beide Gemeinden sein."
Die Beschreibung, die hoffmann von dem Feste gibt, hat folgenden Wortlaut:
„Den großen Vorteil unserer Kirchenverbesserung unb das Verdienst ihrer Stifter und Beschüzzer um die Menschheit hatte ich im Verlauf des ganzen Jahres bei jeder schicklichen Veranlassung in meinen Kanzelvorträgen der Gemeinde anschaulich zu machen gesucht, und besonders zu der Zeit, als ich ihr die im Bezüge auf das Jubeljahr stehenden, durch unser n väterlich gesinnten Landesherrn veranlaßte Gründung einer Bibelgesellschaft in unserem vaterlande bekannt machte.
Um 21sten Lonntage nach Trinitatis, den 26. (Dct. d. J. wurde nach der Morgenkirche der versammelten Gemeinde das am ZI.Gct. und I.Nov. zu feiernde Jubelfest der Kirchenverbesserung verkündigt, die Veranlassung zu demselben nochmals geschildert, die Art der Feier dieses erfreulichen Festes bestimmt, und die gesamte Gemeinde zur allgemeinen und andächtigen Theilnahme nachdrücklich ermuntert.
Nachdem nun am 29 . und 30. (Dct., sowohl hier als zu Klein-Linden die Lchüler vorläufig im Lingen der vorgeschriebenen Lieder geübt, sowie über das Geschichtliche, das Bedürfnis und den Zweck der Neformation unterrichtet, die Gemeinde aber am 30. Gct. zum Genüsse des heiligen Abendmahls vorbereitet, und mit dem Ltadt- und Kirchenvorstande die nöthigen Nücksprachen genommen worden waren,' so wurde am Vorabende des Festes, Donnerstags den 30. Dct., durch stundenlanges Läuten mit allen Glokken^ die Feier des nächsten Tages nochmals verkündet.
Hm 31. Gct Morgens halb neun Uhr, versammelte sich, nach gegebenem Glokken-Zeichen, die gesammte Gemeinde im Pastorei-Hofe, und um 9 Uhr zogen wir, der Lchullehrer mit den Lchülern voran, unterm Geläute aller Glokken und unter Absingung des Liedes „Lob, Ehr und Preis dem höchsten Gut" durch die ganze Ltadt, die Untergasse bis zur Gießer Pforte herab durch das große Thor des Kirchhofs nach der Kirche. Allgemein drückte sich unter den Anwesenden die freudigste und gerührteste Theilnahme aus, und gewiß hatte bis dahin ein so zahlreicher und gesummter Kirchgang noch nie in Großen-Linden statt gehabt. Alles hatte sich angeschlossen, ohne Unterschied des Alters. Lelbst der bejahrteste Mann von Großen-Linden, ein Greis von 82 Jahren (3oft Best, Naths- schöffe), und seinem Alter nach dem vorigen Jubelfeste vor allen am nächsten, war kräftigen Lchrittes und laut ein-


