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regiert, deren stolze Wappen heute noch über der Türe des alten Rathauses prangen. Und wie nun gar nach der großen Glaubensspaltung ein Riß durch das ganze Volk von unten bis oben ging und dann auch nach dem westfälischen Frieden der ZOjähr. (Krieg überall im kleinen sich fortsetzte und das un­glückselige cujus regio ejus religio seine demoralisierende Wirkung tat! Durch eine Reichsgerichts-Entscheidung war be­stimmt worden, daß bei derartig gespaltenen Regierungen die einzelnen Bekenntnisse in halb- oder ganzjährigem Tur­nus abwechselnd regieren sollten. Da hat dann jedesmal die gerade am Ruder befindliche Partei das zerstört, was die vorige geschaffen hatte, und gar manchmal wurden die politi­schen Parteistreitigkeiten auf Kirchweihen und ähnlichen Ge­legenheiten ausgefochten.

wenn auch nicht zu leugnen ist, daß der Gewaltsturm der neunziger Jahre viel Morsches weggerissen hat, so hat es bei Neuschaffung der jetzigen Provinz doch vieler Rrbeitz und manch unterlaufenen Fehlgriff gekostet, um aus den störrigen und auseinanderstrebenden Elementen den richtigen! Teig zu kneten.

Ruf dem großen Volkerkarneval, gen. wiener Kongreß, wo oft Kurtisanen und Ränkemacher über das Schicksal ganzer Volker entschieden, die wie Viehherden nur noch nach Häuptern zu zählen pflegten, hatte man dem Großherzogj von Hessen als Ersatz für das nur widerstrebend an Preußen abgetretene Westfalen ein Stück von dem herrenlosen, zur­zeit provisorisch unter österreichischer Verwaltung stehenden, vorher französischen Dep. du Mont Tonnerre zugewiesen, das genau soviel Einwohner (Köpfe!) enthalten sollte wie das abgetretene Gebiet, und zwar ungerechnet die Bewohner von Mainz und Kastel, welches als allgemeine Bundesfestung nur bedingt unter hessischer Oberhoheit stehen sollte. Unbegreiff licherweise soll dann das exklusive mit inklusive verwechselt worden sein, wobei noch überdem nicht die wirkliche Zahl der durch Hunger und Kriegstpphus während der letzten langen Belagerung fast auf die Hälfte herabgeminderten Einwohnerschaft, sondern die Zählung aus der blühendsten Zeit französischer Herrschaft zugrunde gelegt wurde, und so mag es denn gekommen sein, daß die Schere, welche das be- treffende Stück aus der herrenlosen Landkarte Herausschnei­den sollte, anstatt, wie man wohl erwartet hatte, auf der Südseite des Donnersberges mit seinen quellenreichen wald- und Wiesentälern, vielmehr nördlich desselben vorbei bis an die Nahe als Grenzfluß schnitt. Und so ergab sich denn bald das unglückselige Verhältnis, daß das so oft und so hart ge­prüfte, gewerbfleißige Worms durch die alsbald unmittelbar vor seinem Tor errichtete bayrische Mautgrenze von dem wichtigsten Teil seines Hinterlandes abgetrennt wurde, und, was fast noch schlimmer war, auch das alte Sprichwort sich wieder geltend machte:hätt die Pfalz mehr wies' und Holz, wär sie noch einmal so stolz!" Und das war noch schlimmer, denn gerade in diesem ehemals meist pfälzer Land hatte man schon früh in tunlichster Rusnutzung des fruchtbaren Bodens längst allen Wald mit Stumps und Stiel ausgerodet, so daß Namen wie Wald-Uelversheim, Wald-Rlgesheim heutzutage unerklärlich scheinen. Dafür sind aber auch! die zahlreichen Ouellen und Borne, von deren einstiger Existenz heute nur' noch einzelne Flurnamen zeugen, in die Tiefe versunken, die klappernden Mühlen sind eine nach der andern verstummt und mit Maschinen muß das unentbehrliche Naß den ein­zelnen Orten aus dem Rhein zugeführt werden. Die Landes­bewohner der neuentstandenen Provinz waren damals mit ihrem Bedarf an Brennmaterial lediglich auf die Rbfälle der

Landwirtschaft, des Rebschnittes und den spärlichen Ertrag der an den Wiesenrändern angepflanzten Pappeln und Wei­denstümpfe angewiesen. Steinkohlen waren damals noch so gut wie unbekannt und es hat große Rnstrengungen der Rgenten der werdenden Niederländer Kohlenbarone gekostet, welche die zum Kohlenbrand geeigneten Oefen zum Selbst­kostenpreis und auf lange Kredite lieferten, um dem jetzt so unentbehrlichen schwarzen Diamanten Eingang zu verschaffen. Damals war es noch Sitte, daß zur Winterszeit jeder Schüler an jedem ersten Wochentag ein Scheit Holz und ein Bündel! Stroh zur Schule brachte, womit dann der Lehrer die Schul­stube erwärmte. Mein Vater, der in den 20er Jahren in einem Grt mitten in der Provinz sein Domizil hatte, schickte im Winter seinen Knecht mit einem Zweispänner auf der damals noch meist praktikablen pariser- oder Kaiserstraße bis hinter Kaiserslautern, um einen wagen Brennholz heim­zuholen. _ (Schluß folgt.)

Aus der Jugendzeit einer deutschen Männer.

(Fortsetzung.)

Pünktlichkeit war eine Haupttugend des Soldaten, und da eine Taschenuhr zuweilen falsch ging, so lieferte der, welcher sich noch eine zweite anschaffte, den schlagendsten Beweis, wie viel ihm die Pünktlichkeit galt, und zugleich empfahl er sich damit als einen wohhabenden Mann. Zwar behaupteten die Neider dieser Männer, daß gar manche die silbernen Ketten nur an zugeschnittenen Kartoffeln in der Tasche hängen hätten, besonders wenn eine oder die andere Uhr einmal beim Pfandleiher Gevatter stünde,- doch beruhte dies wohl nur auf Vermutungen.

hätte mein Vater nur ein ganz mäßiges vermögen ge­habt, um da, wo es galt, sich zeigen zu können, so hätte er unzweifelhaft ebensogut als tausend andere seinen weg machen und eine höhere Stellung einnehmen können; denn es fehlte ihm weder an artilleristischen Kenntnissen noch an ge­sundem Verstände und dienstbeflissener Tätigkeit. Rber ,,aus nichts wird nichts" sa<gtein altes Sprichwort und findet in dem Lebenslaufe eines Menschen nur zu oft seine volle Rnwen- dung, wenigstens viel öfter als das:Rus nichts wird etwa s."

Unterdessen hatte die Revolution in Frankreich ihr Haupt erhoben, und dies drohte nicht sowohl, wie das Haupt der Medusa, alles zu versteinern, vielmehr wie ein Basilisk allez, was es ersah, zu vergiften. Ruch in Berlin hatte das gewaltige Ereignis eine große Teilnahme erregt. Die meisten jungen Männer sprachen sich offen zugunsten der Revolution aus und folgten ihrem Gange mit gespanntester Rufmerksamkeit. Rm 21. Februar 1787 waren die Notabeln zusammengetre­ten ; am 17. Juni 1789 konstituierte sich die Nationalver­sammlung ; am 14. Juli 1790 wurde das allgemeine Bundes- fest gefeiert. Ruch meine Oheime waren sehr lebhaft für Frankreich gestimmt,' ich hörte viel darüber streiten, verstand- aber nichts davon. Rm 27. Rugust 1791 schloß Preußen mit Oesterreich den Vertrag zu Pillnitz, und es fingen an, sich kriegerische Gerüchte zu verbreiten, die, wie man wohl denken kann, in unserer Kaserne alles auffegten. Meine Mutter blickte besorgt in die Zukunft,- denn was sollte aus uns wer­den, wenn mein Vater marschieren mußte? Er tröstete meine Mutter damit, daß vor dem nächsten Frühjahre schwerlich an Krieg zu denken sei. Dann aber habe er 24 Jahre gedient und besitze den Snvalidenschein, der ihn zu einer Zivilversor- gung berechtige und weiterer Kriegsdienste auf sein Rn-