— 168 —
suchen enthebe; er brauche bann nicht mitzugehen. In der Tat verfloß das Jahr, ohne daß es zum Kriege kam.
Uber am 27. Februar 1792 schloß Preußen die Allianz mit Oesterreich gegen Frankreich, und nunmehr wurden die Rüstungen sehr ernstlich betrieben. Mit ängstlicher Spannung erwartete meine Mutter den Moment der Entscheidung. Bald ergab sich, daß das halbe Krtillerie-Uegiment, bei welchem mein Vater stand, Ordre zum Marschieren bekam, aber nicht diejenige Hälfte, zu welcher er gehörte. Lin Stein fiel meiner Mutter vom Herzen, als sie die Nachricht erhielt. Me aber wurde ihr, als sie den Tag darauf vernahm, mein Vater werde doch mitgehen, und zwar freiwillig! — Die Sache war so gekommen. Die eine Hälfte des Negiments jubilierte, daß es fortging,- denn jeder freute sich, den überaus lästigen Garnisondienst los zu werden und einmal ins Freie zu kommen- die zurückbleibende Hälfte war traurig. Zur letzteren gehörte, wie erwähnt, mein Vater. In einer Zusammenkunft mit anderen Unteroffizieren, Feuerwerkern und Feldwebeln hatten die Mobilen die Zurückbleibenden sehr bedauert und gemeint, jeder brave Kerl, der nur irgend fort könne, müsse mit, ohne Rücksicht auf Frau und Kinder, denn das sei Soldatenlos. Buch mein Vater müsse mit. Uls er einwand, er habe keine Grdre, erwiderte man ihm: „Du hast aber deinen Invalidenschein! Melde dich beim Lazarett- oder beim Proviantwesen, man wird dich mit offenen Urmen empfangen, und dann sitzest du doch nicht während des Krieges hinterm warmen Ofen oder hinter deiner Frau, was ein braver Kerl niemals tut. Meine Ulte sollte der T. holen, wenn sie sich erlauben wollte, mir was vorzuheulen." — „Schäme dich, du alter Kamerad," schrie ein anderer, willst du deine Freunde, nun es zum Klappen kommt, im Siche lassen? hast du denn gar keine Tourage?" — „Klöden muß mit, er muß mit!" schrie der Helle Haufen. „Laßt ihn nur sich besinnen,- er wird schon tun, was eines Mannes und Soldaten würdig ist." — Man denke sich, in welche Bedrängnis mein Vater geriet.
Die Standesehre schien auf dem Spiele zu stehen, und mein Vater war in dem Punkte höchst empfindlich. Dazu
regte sich der alte Soldat mächtig in ihm, die wilde Lust des Krieges erfaßte ihn mit verführerischer Gewalt- man redete ihm vor, wie höchst einträglich ein Posten bei dem Lazarettoder Proviantwesen sei, besonders im Kriege, wie er Schätze dabei gewinnen könne^ so daß Frau und Kinder von dem, was er ihnen senden würde, vollauf zu leben hätten, wie er ihnen dann bei der Rückkunft mit seinen Ersparnissen alle trüben Stunden reich vergüten könne, und das Ende von dem allen war, daß mein Vater sich meldete und als Lazarett-Kommissa- rius angestellt wurde. (Fortsetzung folgt.)
Mrchliche Anzeigen.
Sonntag, den 22. Oktober, 18. nach Trinitatis.
Gottesdienst.
In der Stadttirche. vormittags 9 1 / 2 Uhr: Pfarrer Mahr, vormittags 11 Uhr: Militärgottesdienst. Pfarrer Schwabe. Nachmittags 2 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Pfarrer Mahr. Ubends 6 Uhr: pfarrassi- stent Hoffman n. Ubends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Matthäusgemeinde. — Montag, den 23. Oktober, abends 8 Uhr: Versammlung des Zrauenvereins der Matthäusgemeinde im Matthäussaal. — Dienstag, den 24. Oktober, abends 8 Uhr: Vereinigung der 'konfirmierten weiblichen Jugend der Markusgemeinde. — Mittwoch, den 25. Oktober, abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde. Pfarrer Mahr.
In der Johanneskirche. vormittags 9 l / 2 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. vormittags 11 Uhr : Kinderkirche für die Lukasgemeinde. Pfarrer Bechtolsheimer Ubends 6 Uhr: Pfarrer Uusfeld. Abends 7 l / 2 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Lukasgemeinde im Lukassaal. Abends 8 Uhr: Versammlung und Bibelbesprechung im Johannessaal. — vom Sonntag, den 22. Oktober, an, nehmen die Versammlungen des Sonntagsvereins für Mädchen im oberen Saale der Kleinkinderschule, Viezstr. 15, wieder ihren Unfang.
f Ankündigungen empfehlenswerter FirmenJ
Carl Loos
Kirchenplatz 13 :: Telephon 797
Munufaktur- unb Weihwaren Herren- u. Knabenkleiber
Heinrich Noil
Mäusburg Nr. 7 Telephon Nr. 292
Spezial-Geschäft für Bureaubedarf ♦ Schreibmaschinen Papierhandlung, Buchbinderei, Gesangbücher. Moderne Kunstarbeiten. Photographische Apparate und Zubehöre
Hof-Möbel-Fabrik
Th. Brück
Gießen, Ecke Schloßgasse- :: Kanzleiberg-Brandplatz ::
Ältestes u. größtes Möbel- Fabriklager Oberhessens
Gegründet 1858 :: Mehrfach ausgezeichnet Vorhänge . Teppiche . Linoleum Spez.: Schlafzimmer-Einrichtungen mit patentamtlich gefch. Matratzen D. G. M. Nr. 420 684 85 Allgemeine Nabalt-Spar-Marken
Gescliw. Holberi HL
Modes
Gießen, Plockstraße 5 empfehlen sich in allen in ihr
Fach schlagenden Arbeiten.
Edgar Borrmann, Giessen
Neustaatll Eisenwaren,Haus-u. Küchengeräte Teleph.165
empfiehlt billigst
Oefen, Herde, Ersatz für kupferne Waschkessel, Haus- und Küchengeräte, SolingerStahlwaren. landwirtschafl.Maschinenu. Geräte, Vogelkäfige u.Züchterutensilien, Fischereigeräte eto.etc. Waffen u. Munition. Glühlichtstrümpfe, elektrische Birnen, Fahnenhalter, Karbidlampen.
Phon-Hmlie.
Auch andere Systeme stets auf Lager. Preislage Mk. 60. - bis Mk. 180. - Nur bestbewährle Qualitäten
Zr. Linker, Ludwigstr. (6
ReparaturwerKstattf.Nähmafchinen
1 CARL LUDWIG LEIB 1
KUNSTHANDLUNG BILDER» j
| EINRAHMUNGS» GESCHÄFT :
j VERGOLDEREI KIRCHSTR.2 ANTIQUITÄTEN >
E. Stöver, Eieren
Seltersweg 16
Uhren, Gold- u. Silberwaren Bestecke
Reparaturen in eigener Werkstatt prompt und billig
verantwortlich: für den Tertteil Pfarrer Lechtolsheiiner, für den Anzeigenteil h. veck; Druck und Verlag der Brühl',chen Universitäts-
Luch- und Steindruckerei R. Lange, sämtlich zu Gießen.


