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gegenwärtige Zeit und Lage recht beherzigenswert ist. Der Krieg ging damals allerdings viel schneller vorüber als der gegenwärtige Weltkrieg, den unser Volk mit der größten Kraftanstrengung führt. Gott gebe, daß die Erfolge dieses gewaltigen Bingens dieselben seien, wie sie unser Volk und Heer vor beinahe fünf Jahrzehnten errungen haben. h. B.
Erinnerungen eines alten Mannes.
von Generalarzt a. D. vr. Kappesser in Oarmstadt.
25. Meine Sicherheitsofenklappe.
Hast du das Deine recht getan,
Was gehen dich die Menschen an?
Wer für alles gleich Dank begehrt,
Der ist selten des Dankes wert.
Laß sie nur spotten, laß sie schelten!
Was von Gold ist, das wird schon gelten.
Johannes Trojan.
Geschichten von verunglückten Genies und Erfindertragödien bilden immer wieder ein beliebtes Thema für unsere Tagesschriftsteller. Buch ich könnte manch Liedlein davon singen, wenngleich ich mich durchaus gegen den verdacht verwahre, ein Genie und gar noch ein verunglücktes zu sein. Ueber absonderliche Verunglückung oder gar tragische Erlebnisse kann ich, Gott sei Dank, nicht Klagen. Ja, jetzt, am Ende meines langen Lebens, kann ich sogar mit einem gewissen Humor darauf zurückblicken, wie so mancher zu seinem Schaden erfahren hat, daß er mich wegen meines ungeschickten Wesens zu niedrig eingeschätzt hat. So manch Menschlein und Gernegroß schmücken sich mit Federn, die sie mir erst ausgerissen haben. Aber ich möchte doch so manches nicht ganz und gar der Vergessenheit anheimfallen lassen, weshalb ich jetzt in meinem 87. Lebensjahre wenigstens einen Fall hier aufzeichnen will für solche, die es lesen wollen.
Während und nach dem 70er Krieg war eine empfindliche Steigerung aller Lebensbedürfnisse, so auch des Brennmaterials, entstanden, und kam es wohl daher, daß damals fast kein Tag verging, an dem die Zeitungen nicht Nachrichten von Todesfällen einzelner Menschen wie ganzer Familien brachten, die daher rührten, daß man die Ofenwärme durch zu frühes schließen der gebräuchlichen Ofenklappe vordem allzu schnellen Entweichen durch den Schornstein bewahren wollte. Ich sann denn auf Kbhilfe wie auch gegen jede andere gefahrdrohende Krankheit, und so erfand ich meine Sicherheitsofenklappe. Nachdem ich an einem im eigenen Hause damit versehenen Kachelofen die Sicherheit gewonnen hatte, daß sie ihre Aufgabe einer absoluten Sicherheit gegen das Nusströmen giftiger Gase in bewohnte Näume nicht nur voll erfüllte, sondern sogar noch verbesserte, da sie ein weit früheres verschließen erlaubte und dabei noch die so nötige Zimmerventilation durch den Zchorn- stein unbeschränkt erhielt, entschloß ich mich, meine heilsame Erfindung zum Gemeingut zu machen, indem ich nicht nur ein genaues Modell auf der damaligen Kasseler Ausstellung für Heizung und Ventilation ausstellte, sondern auch eine Beschreibung mit genauen Einzelzeichnungen im hessischen Gewerbeblatte abdrucken ließ. Ich machte aber gleich zwei unliebsame Erfahrungen.
Ein geschäftiger Zigarrenreisender, der mein Modell nur halb begriffen, ließ sich von dem damals gerade neuerrichteten Keichspatentamt eine vermeintliche Verbesserung patentieren. Als ich dagegen Einspruch erhob, wurde mir von Berlin eine umfangreiche Schrift des „Verbesserers" zugesandt mit der Aufforderung, Prozeß zu erheben. Ich schickte
solche zurück, nachdem ich darin die Beweise von Unkenntnis der einfachsten physikalischen Gesetze angestrichen hatte, und bemerkte, daß ich keinerlei eigenes Interesse an der Sache hätte und nur darauf aufmerksam machen wollte, daß da recht gefährliche Dinge der übel beratenen Geffentlichkeit geboten würden.
Lin zweites war ein geharnischter Artikel, in dem ein berühmter Mann mich zurechtweisen wollte, da er offenbar in mir einen unberechtigten Eindringling in ein allein ihm gehöriges Gebiet und damit zugleich eine Gefährdung seiner Erfindungserträgnisse befürchtete. Ich habe dann an gleicher Stelle den Nachweis geliefert, daß er bei seinen Deduktionen gewisse Gesetze der Ventilation vergessen hatte, die hierzulande jeder Maurerlehrling wissen muß, wenn er einen Schornstein bauen will.
von verständigen Geschäftsleuten war mir der Nat geworden, meine Erfindung patentieren zu lassen, was ich ablehnte, weil ich der Meinung war, daß es sich für einen Arzt nicht schickt, ein Mitteh das viele Mitmenschen vor dem Tod bewahren soll, als Geheimmittel auszubeuten. Selbst von Moskau ging mir damals ein verlockendes Schreiben in diesem Sinne zu, auf das ich gar nicht geantwortet habe. Es ging dann wie immer, die Sache wurde bewundert und dann über Neuem und Neuestem vergessen.
Erst später, als das preußische Ministerium radikale Abhilfe schaffte, indem es kurzerhand die Ofenklappe verbot, und die Berliner nur schwer auf dieses Altgewohnte verzichten wollten, haben dortige Unternehmer von mir die Zusage verlangt, meine Erfindung patentieren zu lassen, wobei sie mir auch eine namhafte Gewinnbeteiligung in Aussicht stellten. Der hinkende Bote kam aber bald nach in Gestalt eines Bescheides des Kaiserlichen Patentamtes, was- maßen ein Geheimnis, das einer schon ausgeplaudert und an die große Glocke gehängt habe, nicht mehr patentfähig sei. Da war es wieder nichts mit dem Traum vom Fahren auf Gummirädern, und ich tröstete mich mit einem Sprichwort, das ich manchmal in meiner Heimat gehört habe: „Was zum handkäs geboren ist, bringt's nicht zum Schweizerkäs."
vor einiger Zeit überraschte mich ein biederer Ofensetzer, als er gerade seine Kunst an meinem Wärmespender ausübte, mit der Bemerkung: „Herr Doktor, die Ihnen Ihrige Ofenklappe ist jetzt auch patentiert worden." „Das ist unmöglich," erwiderte ich, „das weiß ich ja selbst vom Patentamt." Da brachte er mir das Geschäftszirkular eines Fabrikanten aus Norddeutschland, auf dem die Abbildungen, die ich seinerzeit meinem Aufsatz im hiesigen Gewerbeblatt beigefügt hatte, mit allen Einzelheiten in etwa zehnfacher Vergrößerung wiedergegeben waren. Darüber stand zu lesen: „Sicherheitsofenklappe, sinnreichste Erfindung der Neuzeit" (sehr schmeichelhaft für mich!), patentamtlich geschützt, K.P.A. usw."
Da ich bei aller Neugier mich persönlich nicht einmischen wollte, veranlaßte ich den Ofensetzer, an den Patentinhaber zu schreiben, daß seine angebliche Erfindung schon vor etwa dreißig Jahren von einem hiesigen Arzt gemacht und veröffentlicht worden sei. Da bekam ich von demselben eine sackgrobe Antwort: Das Patent habe er von dem Erfinder in Polnisch-Lissa für 1100 Mark gekauft und werde jeden vor Gericht ziehen, der ihm daran taste. Darauf schrieb ich an den genannten Erfinder in Polnisch-Lissa und fragte bei ihm an, wie er zu dem offenbaren Plagiat an meinem Eigentum komme. Da kam denn von ungeübter Hand ein zerknirschtes Schreiben des Inhalts: Er habe ja gar nichts erfunden, der


