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Tagebuchblätter aus dem Süden.

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San Nemo.

(Fortsetzung.)

Hus dem schon winterlichen Norden kommend, sahen wir uns von Sonnenschein und blühender Natur umgeben. Wenngleich damals der Grt selbst noch klein, erst im Ruf­blühen war, so zeigte er doch das dem italienischen Volks­tum eigene Leben, was uns Deutsche stets so anzog. Gb dieses Interesse nach Beendigung dieses Volkerkrieges je wieder in dem Maße wie bisher wird erstehen können, vermag wohl niemand zu ahnen, fest steht jedoch, daß sehr viele meiner Landsleute gleich mir Anregung und Genuß dort fanden, teren wir gern gedenken, und daß wir es stets aufrichtig bedauern werden, daß dieses Land, das des Schonen und Unvergeßlichen so viel bietet, nie mehr das sein kann, was es einst war.

Im ganzen genommen ist der italienische volkscharakter gutmütig, besonders wenn ihm Vorteile winken,' aber schlau und unzuverlässig ist er auch. Dennoch war der längere Aufenthalt dort an jener schonen Hüfte des Mittelländischen Meeres damals wohltuend, insbesondere, nachdem wir eine kleine, eingerichtete Villa bezogen hatten und mit deutschen Mädchen eigenen Haushalt führten.

Mit der Zeit wurden wir heimischer und fingen an, für die anwesenden Fremden Interesse zu haben. Da war zu­nächst die damalige Kaiserin von Rußland, die Gemahlin Alexanders II., eine hessische Prinzessin, die sehr leidend war. Sie bezog das neben uns belegene größere Hotel, und so bekam ich zunächst einen Einblick in das Leben und Treiben dieses Hofes, bis ich sehr bald die Damen und Herren des­selben kennen lernte,' ich habe dann manche Stunde mit ihnen heiter und angenehm verbracht.

Eine andere schwerkranke Frau war die Herzogin von Rosta, die mit ihrem Manne, dem jüngeren Sohn des Königs Viktor Emanuel II., und mit ihren drei kleinen Söhnen ein stilles, etwas abgelegenes Haus bewohnte. Sie war eine blühende Frau gewesen, hatte sich aber durch die Schrecken der Unruhen während des zweijährigen Königtums des Prin­zen in Spanien von 1871 bis 1875 eine völlige Rervenzerrüt- tung zugezogen. Die Familie hatte, während der kleinste Prinz erst zehn Tage alt war, flüchten müssen, verfolgt von den Rufständischen, die auf den Wagen schossen, der die Ko- nigzsamilie fortführte. Kein Wunder, daß die arme Fürstin sich nie mehr erholte,' sie starb 1876. Ihre drei blonden Kaaben, die nun auch zu der Zahl unserer erbitterten Feinde gehören, habe ich oftmals mit Vergnügen bei ihren kind­lichen Spielen beobachtet, auch mit ihrem Vater spazieren gehen sehen, wobei ein großer Hund sie stets begleitete.

Damals war die Einkreisungspolitik noch nicht im Gange, wie sie später von Eduard VII. so erfolgreich be­trieben wurde, die Deutschen waren im Gegenteil zu jener Zeit und noch lange nachher gern gesehene Gäste dieses Landes, und mein verkehr mit dem russischen sowohl als mit dem italienischen Hofe, sowie mit den mancherlei italienischen Familien war ein sehr angenehmer und freundlicher.

Ruch hatte ich Gelegenheit, das italienische Volksleben kennen zu lernen, zunächst bei einem verkauf zu wohltätigem Zweck in dem dortigen öffentlichen Garten, wo in einigen kleinen Zelten von jungen Damen unter Aufsicht verschie­dener Ladenbesitzer von diesen entnommene Sächelchen zu er­

höhtem Preis verkauft wurden,' das Mehr kam der guten Sache zustatten. Eine besondere Vorbereitung oder Hrbeit dafür hatte niemand für notig befunden.

Das gesamte Straßenvolk, das ja in Italien mehr wie überall wo anders seine Beschäftigung im Nichtstun findet, zog lärmend herum, dabei den einem Nordländer so schwer zu ertragenden Geruch mit sich führend, der so charakteristisch für das Volk ist, und der vorwiegend von dem häufigen Genuß von Knoblauch, verbunden mit mangelnder Sauberkeit, her­rührt. Ein Interesse für die Veranstaltung und deren Zweck war bei keinem Menschen wahrzunehmen, es galt nur, ein Vergnügen nicht zu versäumen, dessen Höhepunkt das Er­scheinen des Herzogs Rmadeus war, der, dicht umdrängt von einer schaulustigen Menge, einige Einkäufe machte, eben­falls ohne sich weiter für die Sache zu interessieren.

Baronin R.

(Fortsetzung folgt.)

Line deutsche Zrau in der lttiegszeit.

Das Vorbild einer deutschen Frau für unsere Tage ver­dient Karoline von Humboldt, die Gattin des be­rühmten Diplomaten und Gelehrten aus der Zeit der Be­freiungskriege, genannt zu werden, deren sterbliche hülle nun schon 87 Jahre im Frieden von Tegel bei Berlin ruht. Unlängst hat ihr Hanns Gisbert in derKöln. Volkszeitung" ein Gedenkblutt gewidmet, dem wir nachstehende Gedanken der edlen Frau entnehmen. Rls sie damals ihr Vaterland in seinem Bestände bedroht sah, schrieb sie einmal:. . . ich versank in ein tiefes und schmerzliches Sinnen über den un­geheuren Kampf der Kräfte, der helfenden und zermalmenden in dieser Zeit. Ich habe Stunden, wo mir das Leben in der unaussprechlichsten Wehmut zu zerfließen droht. Wenn ich ein Mann wäre, so würde dies Gefühl mich zur Tat, zum Sieg oder Tode führen, gleichviel . . ." -Daß die Knaben für nichts ihr Leben opfern als für das Recht, daß die Mäd­chen einst nur Männern angehören, die ebenso gesinnt sind, das ist das einzige, wonach ich trachte. Denn einmal siegen ckuß doch dus ewig Wahre und Rechte. CD, daß ich den Be­ginn unseres Sieges mit meinem Herzblut erkaufen könnte! Die Natur hat es wunderbar im Weibe gemacht: so be­schränkte Kräfte und so unbeschränkte Wünsche." Rls sie ihren Sohn zum zweitenmal hinausziehen sieht, schreibt sie tziner Freundin: . . daß ich mit großherziger Ergebung

und Ruhe an meines geliebten Kindes Schicksal denken kann. Wir stehen in Gottes Hand und das eigene Leben- geht zuletzt auf, ach nicht allein in den großen Weltbegebenheiten (das wäre doch zu zermalmend), sondern in der ewigen Harmonie der Schöpfung, zu der der Schmerz gehört wie die Freude, der Tod verschlungen ist mit dem Leben! Laß uns still diese ungeheuere Zeit ertragen,' die Wolken zerreißen endlich und gewähren uns wieder den Rnblick des ewigen Himmels des Himmels, der nicht wanken und weichen kann, so schwere Gewitterstürme auch drohend an ihm vorüberziehen . . ." Und unvergessen bleibe ihr edles Wort gerade auch für die Frauen unserer Zeit:Mein Glaube an Gott, an das glück­liche Ende unserer gerechten Sache, verläßt mich nicht,' aber doch bricht mir das Herz im innersten Busen . . . Großer Gott! es ist eine ungeheuere Zeit! Wird man sie über­leben und zuletzt verlassen und vereinsamt von allen Ge­liebten stehen? G nein! man w!ird die lieben und sich mit aller Gewalt des Herzens an die halten, die übrig bleiben, siegend übrig bleiben!"