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Erbteil der Kinder nicht verkümmern lassen, und so verrichtet der alte Landmann mit seiner nicht viel jüngeren Gefährtin jetzt schon in der dritten Kriegsernte die schwere Feldarbeit, kein Ncker ist unbebaut liegen geblieben, kein Halm auf dem Kcker, kein Gräschen auf der Wiese ist verdorben. In der 'heißen Lonnenglut, im dichten Staub beim Dreschen in der engen Lcheune, haben sie ihre Schuldigkeit getan, die Nlten, die Frauen und die Männer. Lolche unbegreifliche Nrbeits- leistungen, sind sie nicht von dem Gott gewirkt, der „Zeichen und wunder" tut, der „dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden" gibt? Es ist wirklich einseitig und undankbar, wenn der deutsche Landmann in der Kriegszeit stets nur mit billigem, unverständigem Tadel bedacht wird. Die Krbeitsfreudigkeit und die Aufopferung unserer alten, abgearbeiteten Landleute verdient alles Lob. Jetzt in der Kriegszeit gilt es doppelt, was der schlichte Mathias Claudius gesungen hat:
„wie nützlich ist der Bauersmann,
Er bauet uns das Feld.
wer eines Bauern spotten kann,
Das ist ein schlechter Held.
Im Schweiße seines Ungesichts Schafft er für alle Brot, wir hätten ohne Bauern nichts,
Die Städter litten Not."
Uber Wunder und Zeichen hat Gott in diesem letzten Jahre noch mehr getan. Um zweiten pfingstfeiertage, den 12. Juni dieses Jahres, führte mich mein weg in aller Frühe über Land. Der-Johannistag in der Nähe, und welch ein kalter Nordwest streicht über das Gesicht! Kalte Kegen- schauer und am Himmel dunkelschwarze Wolken, als sei's November! Tief sinkt der Fuß ein in dem aufgeweichten Uckerboden! Seitwärts schweift der Blick über die Getreidefelder, und von selbst kommt die ängstliche Frage: wird diesmal die Saat reifen? hat sich auch Gott abgewandt vom deutschen Volke, da alles gegen uns in Waffen steht? Kaum war Pfingsten verstrichen, so ging das Gerede vom „Kornkäfer" durch das Dorf, von dem Käfer, der die Uehren frißt, so daß nichts übrig bleibt als eine kahle Strippe. Es war schon Ende Juli, da schritt ich über einen hügelrücken des Thüringer Waldes, prächtig standen rechts und links die Saaten, aber, so meinte mein Begleiter, ein alter verständiger Mann: „Es reift nicht, geben Sie acht, der Hafer wird nicht reif!" —
heute sind wir nun acht Wochen weiter, und es ist alles reif geworden und alles geborgen, und reiche Erträge hat namentlich das Getreide gebracht. Zwar das Korn hat bei uns geringere Erträge geliefert infolge Ueberwucherung durch die Vogelwicke und anderes Unkraut. Uber anderwärts hat auch das Korn, ebenso wie Hafer und Gerste, einen vollen Ertrag geliefert. Ist das nicht ein Zeichen und Wunder? hat sich hier nicht erfüllt, was das Gesangbuch in einem schönen Ernteliede sagt:
„Nun, Herr, wer kanns genug bedenken,
Der Wunder sind hier gar zu viel,
So viel, als Du, kann niemand schenken,
Und Dein Erbarmen hat kein Ziel."
Wir haben Brot und Getreide, Gbst und Früchte zur Nahrung für das deutsche Volk, für Heer und Heimat, Futter für das liebe Vieh, mehr als im vorigen Jahre. Gott hat uns nicht verlassen, er ist „ein Erlöser und Nothelfer". „Zein Erbarmen hat kein Ziel".
Uuf Gott hoffen wir auch fernerhin. Nur Dankbarkeit
müssen wir haben. Dankbarkeit für die Bewahrung und Hilfe, die wir reichlich erfahren haben im Felde: im Kriegsfelde und im Erntefelde. Dankbarkeit, die das Wort Jakobs nachempfindet: „Ich bin zu gering aller Barmherzigkeit und Treue, die Du an mir getan hast", und das Wort des Hauptmanns von Eapernaum: „Ich bin nicht wert, daß Du unter mein Dach gehest." Dankbarkeit, die sich uns als haushalter Gottes fühlt und Nächstenliebe und Barmherzigkeit reichlich übt. Dann wird das Kriegsjahr 1916 ein Jahr, welches das deutsche Volk trotz aller Entbehrungen näher gebracht hat zu seinem Gott, reifer gemacht für Gottes Zcheunen.
G. S.
Leidender Heiland.
3u einem Bildwerk von Franz Scheiber - München. Lebensgroß, sitzende Figur, gebeugte Haltung, ichmerzerfüllier, hoheitsvoller Ausdruck, dornengekrönt, die Hand hält den Stab zwischen den Unieen.
von Hanna Krüger
(geboren den 24. Februar 1890, heimgegangen zu ihrem Heiland den 20. September 1916).
Zchweigend stehe ich vor Dir, in Ehrfurcht,
Der Du der Menschheit sündige Not Zu Deiner machtest, nicht ihr erliegend!
Du neigtest nur, opfernd, der Zchuld,
Die Körper und Zeele gleich scharf Dir durchbohrte,
Den Leib und das wahrheitdurchleuchtete Nntlitz, Leidender Heiland!
Die Hand, die den Ztab hält, das Königsszepter des Zpottes, Möchte ich fassen und ihre Heilkraft:
Legen erteilend, erhobenen Fingers,
Leben verheißend, Leben, das Gott heißt,
Gott in Vollendung und Lchönheit,
Lehnsuchtserfüllung, bebend erfahren!
Die leidendurchfurchte Kechte, die Erdwärts herabhängt in schmerzlicher Lchwere,
Betracht' ich gedankenvoll, anbetend göttliche Allmacht Im todbezwingenden Werke,
Dein Werk, mein Heiland.
Denn sie^e: Bilder in ewiger Gleichheit
Erscheinend, so lange der Erdball
Kingenden Lebens voll kreiset um himmlische Lichtflut,
Gestaltet ihr Nnblick der Leele
Luchender, Gläubiger!
Frauen und Kinder und Greise, Mann erst Gewordene,
Mädchen in erster Jugend
Nahen der Hand sich, Gesundung suchend,
Gebrochen und siech!
In seligem Lchauer empfangen sie Größ'res im Gottpreisenden Schauspiel:
Ewiges Leben, unendliche Güte Rafft sieghaft den Tod hin,
Lächelnd ihn fällend mit Waffen der Liebe, des Lichts den
Nachrichter tiefreifer Menschheit, der
Lchlangengleich wühlend am Baum ihres Lebens genagt
hat!
Deine Kugen such' ich, mein Heiland,
Ihres Kbgrunds Kätsel, Gedankentiefe Begreifend zu deuten!
Doch unwissend bleib' ich vor Deiner Weisheit,
Die, weil sie Gott trägt,
Das Keich verkündigt und Welten zerbricht, Herr!


