So steh' ich vor vir in Demut,
Der Du, mein Heiland, dornengekrönt, Unsäglich schmerzvoll, mein Leben erlöst hast! Und Größ'res empfang' ich als Wissen,
Im Flügelrauschen des Geistes:
Daß alles duldende Liebe Ullein mit Gott nur versöhnet,
Dank Vir, mein Heiland! —
Hanna Krüger f.
Hm 20. September d. J. verschied nach achttägigem Krankenlager im Hlter von 26 Jahren Fräulein Hanna Krüger, Tochter des Herrn Geheimen Kirchenrates und Professors der Theologie v. Di*. Gustav Krüger und seiner Ehegattin Helene, geb. vermehren, Daß wir ihr hinscheiden in unserem Gemeindeblatte erwähnen, hat seinen guten Grund. Hanna Krüger hat viele Jahre an der Hrbeit in unserer Kirchengemeinde regen Hnteil genommen. Neun Jahre ist sie mit kurzen Unterbrechungen Helferin in der Kinderkirche der Lukasgemeinde gewesen, am 3. September d. J. hat sie sich zum letztenmal an dieser Hrbeit beteiligt. Für die Konfirmandenvereinigung der Lukasgemeinde hat sie vor mehreren Jahren ein Weihnachtsfestspiel gedichtet, das bei der Weihnachtsfeier aufgeführt wurde. Den Lesern unseres Blattes ist sie dadurch unvergeßlich, daß sie eine treue und eifrige Mitarbeiterin des ,,Sonntagsgrußes" war,' die mit ,,h. K." gezeichneten Hrtikel rühren von ihr her, ihre Zahl ist ganz stattlich. Wir erwähnen hier nur aus dem Jahrgang 1913 „Herbsteindrücke", aus dem Jahre 1914 die ergreifende, dem wirklichen Leben entnommene Erzählung „Frühlingswehen" und den Weihnachtsartikel „Vas Geheimnis der Weihnacht". Hus dem Jahrgang 1915 ist besonders die Skizze „Vas Vermächtnis" bemerkenswert, vor vier Wochen erst, in Ur. 35 unseres Blattes, erschien der Hrtikel „Unsere Ernte". Hlle diese Hrbeiten zeichnen sich durch hohen Schwung der Phantasie und große Kunst der Darstellung aus, vor allem aber dadurch, daß sie von einer tiefen Frömmigkeit und einem reichen Gemütsleben Kunde geben. Wie beweglich redet die Heimgegangene in ihrer letzten Hrbeit von dem Erntesegen, den Erntesorgen und den Erntesünden, um mit einem ernsten Husblick auf die große Ernte Gottes am jüngsten Tage zu schließen.
Hanna Krüger hat durch diese ihre Hrbeiten bekundet, daß tiefer, reiner Glaube in ihr war. Ihr Glaube hatte, wie das bei allen reinen Menschen der Fall ist, das Gepräge des Kindlichen; man kann sagen, daß sie aus dem Kindschafts- verhältnis zu Gott nie her aus ge treten ist. Merkwürdig oft hat das junge Mädchen vom Tode geredet, man meint beinahe, sie habe ihr frühes Ende geahnt. Hber sie sprach vom Tode stets in der Hrt, wie das Christen tun, die durch Ehristus die Sterbensfurcht überwunden haben. Daß sie bis an ihr Ende im Glauben an ihren Heiland fest stand, beweist ihr letztes Gedicht „Leidender Heiland", das in dieser Nummer zum Hbdruck kommt. Unsere Leser werden dieses Gedicht gewiß gern als letzten Gruß der nun vollendeten entgegennehmen.
War sie stark durch ihren Glauben, so war sie nicht minder stark durch ihre Liebe, die ihr schon aus dem freundlichen, seelenvollen Huge strahlte. Huf einem Grabstein fand man einst auf der Vorderseite geschrieben: Gott ist die Liebe, auf der Kückseite — es war das Grab eines jungen Mädchens las man: Sie war immer freundlich. Man könnte
diese Worte auch Hanna Krüger auf das Grab schreiben. Den reichsten Segen von ihrer Liebe haben die Ihrigen gehabt, aber unvergessen bleibt uns auch die Hrt, in der sie in der Kinderkirche sich der Kinder ihrer Gruppe angenommen hat, selber mit ihnen fröhlich wie ein Kind, allen liebevoll und freundlich zugetan.
In ihrem Hrtikel „Vas Vermächtnis" schreibt die Heimgegangene: „Jeder Mensch hinterläßt ein Vermächtnis, wenn er stirbt: eine große Not oder viel Sonne." Sie selbst hat nur Sonne hinterlassen. Ihr kurzes Leben glich dem schönen Herbsttage, an dem wir sie in das Grab gelegt haben,' gerade, als wir an ihrer Gruft standen, hatte die Sonne den dichten, grauen Nebelschleier durchdrungen, und mild, schön und verklärt leuchtete der Herbstsonntag. Ueber ihr früh zum Ziele gekommenes Leben schreiben wir das Wort, über das am Sarge geredet worden ist, das Wort des Heilandes: „Selig sind, die reines Herzens sind' denn sie werden Gott schauen".
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Aus -er Jugendzeit eines deutschen Mannes.
(Fortsetzung.)
Ein Halbjahr früher war mein Vater auf einen Tag nach Spandau kommandiert und nahm mich mit dahin. Davon erinnere ich mich aber einzig und allein der Gerüche des Malzes in dem Brauhause und des trocknen abgefallenen Eichenlaubes auf dem Hofe.
Einer von den beiden Schlafburschen meines Vaters war ein Pole, der nur gebrochen deutsch sprach, ein gutmütiger Kerl, sonst aber eigentlich ein halbes Tier. Mit mir machte er sich viel zu tun, und ich hatte ihn gerne. Gar sehr oft aber war er so „sternhagelvoll" betrunken, daß er kein Glied rühren konnte, auf dem Korridor umfiel und brüllte oder einschlief. So lag er stundenlang, und wenn er den Kausch endlich ausgeschlafen hatte, gab es grimmige hiebe, die ihn nicht besserten. Er war auch wegen Diebereien mehrfach Spießruten gelaufen und behauptete, das wäre von Zeit zu Zeit einem Menschen nötig, weil die haut sonst jucke. Eines Tages äußerte er: „Juckt mir wieder mein Puckel so sehr, muß schröpfen lassen", und gleich darauf stahl er eine Kleinigkeit, worauf denn der gehoffte Erfolg nicht ausblieb.
Solch ein Wesen war wirklich entmenscht und mußte es durch die unmenschliche Behandlung immer mehr werden. Man hat jetzt kaum eine Vorstellung von den Subjekten, welche damals unter den Soldaten steckten, aber auch ebensowenig von der Behandlung, die ihnen zuteil wurde. Nicht selten vermochten sie bei aller Gewöhnung an die unwürdigste Mißhandlung das Leben nicht mehr zu ertragen und schnitten sich den hals ab, aber fast alle nicht tief genug. Dann wurde die schmerzhafte Wunde zugenäht und geheilt, und war der Mensch wieder gesung, so mußte er zwölfmal Spießruten laufen. Welch eine Lust zu leben dadurch erweckt wurde, kann man sich denken. Manche ergriffen den Husweg und töteten ein Kind in der Verzweiflung, um als Mörder ergriffen und hingerichtet zu werden, und dies gehörte nicht zu den ungewöhnlichen Fällen, ja ich selber bin einmal, wie mir meine Mutter erzählt hat, einer solchen Gefahr kaum entgangen.
Ich war zwei Jahre alt,' meine Mutter trug mich noch auf dem Hrme und ging mit mir vom Georgen-Kirchhofe durch den Gang am Hospitale nach der Landsberger Straße. Kaum tritt sie aus dem Gange heraus, so entdeckt sie, nickt 30 Schritte von sich entfernt, einen Soldaten mit einem langen Messer in der Hand, dessen furchtbar verstörtes Hn-


