soll allemale, wenn es im Frühsommer viel regnete, sorgenvoll gesagt haben: ,,Ls kommt wieder ein 16er Jahr". Rber auch die Nachlebenden wissen aus den Mitteilungen ihrer Vorfahren heute noch von diesem Jahre der Not zu erzählen.
(Es schien damals, als ob die so viel geplagten Menschen auf dem linken Nheinufer gar nicht zur Nuhe kommen sollten. Vas Jahr 1822 brachte abermals Unwetter, Sturm und Regengüsse. Um 15. Juni zog ein schweres Unwetter über Darmstadt hinüber nach dem Rheine. In Rodenheim entstand ein Schaben, der auf 20 000 Gulden berechnet wurde, der Hagel beschädigte die Weinberge. Trotz der großen Hitze fand man drei Stunden, nachdem das Unwetter vorüber war, Schloßen (Hagelkörner), die dicker waren als Taubeneier. Um 25. Juli zog ein fürchterliches Wetter über ben Ranton Oppenheim. Rbermals wurde Rodenheim schwer getroffen, der wein wurde dort ganz vernichtet. Nackenheim und Harxheim litten gleichfalls Not. Der Sturm tötete Hasen, Feldhühner und andere Vögel, die man auf den Feldern und den entblätterten Räumen fand. Ruf der rechten Rhein- seite wurde Rischofsheim von diesem Wetter berührt. Natürlich erwachte in den Bewohnern dieser Gegend die Furcht, daß bas Jahr 1816 wieder komme, diese Furcht ging durch ganz Deutschland, schwand aber bald, als das Wetter dauernd günstig blieb.
Unsere Ernte.
G gib uns Demut, aller Selbstsucht bar.
Reif unsre Dankbarkeit, Herr, heiß und wahr, Daß unser Herz der Ernte rein entgegen klingt, Lin Lob- und Preislied deiner Güte singt!
Drei Wochen ist die Sonne durch den Himmelsraum gewandelt vom Morgen zum Kbend. Unentwegt goß sie ihre Strahlen auf wogendes Rornmeer, in weit geöffnete Reiche, auf alle Früchte, auf die Schönheit der Rosen und die Lieblichkeit der Wiesenblumen aus, förderte und behütete die Fruchtbarkeit der Erbe, unermüdlich, wie eine gute und getreue Mutter ihren Rindern Fülle um Fülle gibt von den besten Schätzen des Geistes und des Gemütes und ihre zarten Seelen vor schädlichen Einflüssen bewahrt. Die Rehren rundeten sich unb reiften unter dem steten, warm-freundlichen Blick der Sonne, demütig geneigt in ihrer Rörnerschwere, in bebendem Schweigen das walten ihres Schöpfers verspürend. Sn die Fülle der Halme greifend wie in goldene Harfensaiten, sang ihnen der wind das Lied des Werdens und Wachsens und der wundersamen Vollendung, geschützt und gekrönt von göttlicher Rllmacht.
Einmal hat die Sonne sich in graugelbe Schleier gehüllt, und es rann und rauschte aus den weiten des Himmels auf die Fluren hernieder, wie tat ihnen der Segenstau gut! O goldener Reichtum, doppelt wertvoll und köstlich in dieser schicksalsschweren Rriegszeit! Unser Wandel durch diese Wochen der Reife, die mehr als sonst von der Gegenwart Gottes erfüllt sind, sei ein Schreiten im Gebet und in Gedanken des Vertrauens, voller Rndacht und Demut, der Demut, die uns die Natur selbst in ihrer gesegneten Stille und Gebeugtheit vor Rügen führt!
hat der Regen, indem er die Fluren tränkte und mit Tropfengeschmeide schmückte, auch all den Unrat an Murren und Mißtrauen hinweggewaschen, der sich während der drei Wochen strahlenden Lichtes in die Gedanken des Friedens und der Freude eingeschlichen hatte? Ts sollte so sein, auf
daß der Segen, der sonnengolden und früchtebunt der Ernte entgegenwächst und -gedeiht, nicht zum Unsegen werde, auf daß die Verantwortung der Zukunft, das Sorgetragen für die Rllgemeinheit, die sich an ihn knüpfen, nicht als eine Last Niederdrücke, sondern wahrhaft frei und fröhlich mache, wert des Lohnes, wenn der Tag der Ernte gekommen ist.
wie kann ein Mensch sich goldener Ernte freuen, wenn er mit dem Lenker und Hüter alles Wachstums, dem gütigsten Vater, vorher gehadert, seine Weisheit angezweifelt hat, die sich oft in der hülle des Geheimnisses verbirgt? Nein, ein verdrießliches und unzufriedenes Herz ist keine Rammer für den Segen des Herrn,' es ist zu klein und enge, um alle die Gotteswunder, all das Erntegold zu fassen und festzuhalten !
Sch fand auf einem Spaziergange eine Rornähre, und heilige Freude ergriff mich bei der Betrachtung des zierlichen Gebildes im Schmucke seiner Rispen und im Goldschimmer seiner Rapseln, die den Schatz tragen für des Volkes leiblich und geistig Wohl. Mein deutsches Volk, herrlich hast du dich bjs zum heutigen Tage bewährt, tapfer und fest stehst du noch im dritten Rriegsjahre wie eine Mauer um dein Vaterland, daß keine feindliche Hand es berühre und verderbe. Und Opfer um Opfer brachtest und bringst du, draußen und in der Heimat, stille und scheue Opfer des einzelnen, die, wie die unterirdischen Ouellen, nicht geschaut, nur geahnt, wohltätig rinnen und gemeinschaftliche, weithin leuchtende, auf welche selbst der Feind mit achtungsvollem Staunen blickt. Mein deutsches Volk, das hast du gekonnt und kannst du noch und vermagst noch mehr: Dein ,,Ich" bezwingst du, deinen Eigenwillen gibst du auf und gehst auf im wirken für die Gemeinschaft, in Werken, die den inneren Frieden befestigen, das allgemeine vertrauen in aller Herzen einwurzeln und wahren.
Und deine Dankbarkeit ist hoch aufgelodert als eine reine und schöne Flamme gen Himmel, als die großen Siegesbotschaften dir in Haus und heim, über Wald und Flur, in Stadt und Dorf getragen wurden!
Sollten einzelne in deinen Reihen, deutsches Volk, heute den Dank vergessen, der das Schönste und höchste ist, was ein Menschenherz empfinden und seinem Herrgott darbringen kann? vertrauen sei der Grund, auf dem die Dankbarkeit blühe und wachse, und dauere! Nimmermehr glühe sie auf und verblühe und verwehe, wie der Mohn in den Rorn- feldern!
Sch denke an das Werk eines warmherzigen Mannes und Rünstlers, das ich kürzlich im Bilde gesehen habe: ein Jüngling in der Blüte seiner Rraft und Männlichkeit bindet eine Korngarbe, inmitten einer Fülle von Halmen kniend. Gewiß eine einfache und anspruchslose Handlung, doch, durchströmt von wundervoller Innigkeit und Hingabe, einer dankerfüllten, weihevollen Rndacht vor der herrlichsten Himmelsgabe, bedeutungsvoll zu Herzen sprechend, ein heiliger Gottesdienst. Es erscheint mir der ,,Garbenbinder" von Franz Scheider als ein Sinnbild deutscher Wesensart und Bestimmung !
Ihr Unzufriedenen und verzagten im deutschen Volk verstummet, besinnt euch auf euer besseres Selbst und stimmet ein am Tag des Erntefestes in den Thor zu Gottes Lob und Preis, der uns am jüngsten Tage zur himmlischen Erntefeier alle versammeln und segnen möge mit dem Segen seiner Liebe und Gnade ! h. R.


