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Nr. 34. Eichen, Sonntag 10. nach Trinitatis, den 27. August 1916. 5. Jahrgang.

Mitleid mit unseren verwundeten.

1. Brief des Kpojtels Paulus an die Korinther 12, 26. So ein Glied

leidet, so leiden alle Glieder mit.

Durch den grünen Wald, in dem die Vögel sangen und die Bäche rauschten, durch trauliche, deutsche Dörfer, deren Bewohner die Sensen dengelten oder auf dem Felde Harden banden, waren wir hindurchgeschritten, bis der weg sich in das tief eingeschnittene Seitental des Rheins heruntersenkte. Der Wald blieb zurück, und die Weinberge tauchten auf. Durch das lang gestreckte, enge Tal, über dem die Sonne stand, ging die Wanderung, bis ein alter Torturm erschien, eine wunderbare Kirchenruine seitwärts sichtbar wurde und das altertümliche Städtchen uns aufnahm. Da wurde auch der grüne Spiegel des Rheinstroms sichtbar, und nun fuhren wir auf dem Schiffe talwärts, vorüber an Rebenhügeln, an trotzigen Burgen, die das wittelalter aufgerichtet hat, vor­über an zerfallenem Gemäuer und an malerischen Städten. Tin reizendes Bild deutscher Sandschaft glitt an uns vor­über, nirgendswo war wahrzunehmen, daß Deutschland in einem großen Weltkriege steht und daß auf einer riesigen Front um die Zukunft unserer Nation gekämpft wird.

Rber wir sollten doch an diesem Tage den Krieg noch sehen, wir waren in dem Bahnhofe der großen Stadt an­gekommen und erwarteten den Zug, der uns nach Hause bringen sollte, wie wir den Bahnsteig betreten wollen, hält uns der wachhabende Sandsturmmann zurück, aus unsere Frage erfahren wir, daß jeden Augenblick ein Sazarettzug, von der Westfront kommend, einlaufen wird und daß deshalb größere Menschenansammlungen vermieden werden sollen. Huf der Treppe, die zum Bahnsteig führt, bleiben wir stehen. Ts dauert nicht lange, so fährt der Zug, dessen wagen auf weißem Feld das rote Kreuz tragen, langsam ein. Rerzte und Krankenwärter steigen aus, Mannschaften der Sanitäts- kolonne kommen mit Bahren, hinter den Wagenfenstern werden die verwundeten sichtbar, müde und angegriffen ruhen sie auf den schmalen Betten und schauen hinaus auf das Treiben auf dem Bahnhofe. Drei unter ihnen werden aus- geladen. Langsam und behutsam werden die Bahren von starken Männerarmen herausgehoben und auf den Bahn­steig niedergesetzt. Diese drei verwundeten auf den Bahren, das ist ein Rnblick, der in die Seele schneidet. Ls sind keine jungen Männer mehr, augenscheinlich haben sie schon ein

gutes Stück des Lebens hinter sich. Still und regungslos liegen sie da,' was am meisten an das Herz greift, das ist ihre vollkommene Hilflosigkeit. Sie, die für das Vaterland ge­kämpft und gelitten haben, sind jetzt ganz auf andere Men­schen angewiesen, vielleicht sind es Männer, die sonst in dem Kreise, in dem sie lebten, den Ton angaben und nicht geleitet wurden, sondern andere leiteten. Ihm sind sie dem jüngsten Krankenwärter in gewissem Sinne untertan, andere bestimmen über sie, die vorher selbst an das Bestimmen ge­wohnt waren.

Ich weiß nicht, ob alle in unserem Volke sich in die Sage unserer verwundeten hineindenken können. Fast hat man den Eindruck, als ob viele unter den zu Hause Geblie­benen es nicht für notig hielten, den verwundeten Achtung und Rücksicht entgegenzubringen. Das merkt man schon an der Rrt, wie die Kriegsverletzten auf der Straße und auf der Eisenbahnfahrt angeredet werden. Ich gewahrte doch höchst gleichgültige Mienen, als diese drei Männer weggetragen wurden, man lachte und scherzte ruhig weiter. Gft auch wird geklagt, daß das publikuni bei der Tinlieferung von ver­wundeten sich zu neugierig herandrängt.

Das ist eines Volkes wie des deutschen nicht würdig. Die, die hilflos auf den Bahren liegen, sind unsere Volks­genossen, sie haben für uns gelitten, und wir sollen mit ihnen leiden nach dem Rpostelworte: So ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit. wir sollen unseren verwundeten auch mit Achtung und Ehrfurcht begegnen. Die Besten und Edelsten unseres Volkes stehen heute in Waffen, und Soldaten, die heute in zerrissenem und zerschlissenem Waffenrocke aus dem Felde kommen, werden in wenigen Jahrzehnten unseres Volkes Führer sein. Sollen sie heute hinter denen zurück­stehen, die in der Heimat ungestört ihr altes Wesen weiter treiben und von dem Seid, das der Krieg bringt, seither verschont geblieben sind? - h. B.

Ehrung unserer Gefallenen.

In Nr. 32 desSonntagsgruß" teilten wir mit, daß man in einer Vorortgemeinde Rltonas die Gefallenen da­durch ehre, daß man für einen jeden von ihnen in der Kirche einen Kranz aufhängt. Das ist ganz gewiß eine sinnige Rrt der Ehrung, sie läßt sich auch in Gemeinden, die nicht