Der einarmige Pfarrer.
Unter dieser Überschrift brachten die „Frankfurter Nachrichten" neulich folgende Nusführungen:
„Im allgemeinen herrscht bei der Kriegsbeschädigten- Fürsorge der Grundsatz, daß die im Kriege verletzten dem früher gewählten Beruf wieder zugeführt werden sollen. Nur dort, wo die Wiederaufnahme des früheren Berufs unmöglich ist, soll den Kriegsverletzten eine Berufswahl ermöglicht werden. Nuch die jungen Leute, die sich einem Studium gewidmet haben und kriegsverletzt sind, sollen in dem in Nussicht genommenen akademischen Berus, soweit dies nach der Nrt der Verletzung überhaupt möglich ist, weiter studieren. Da fällt es um so mehr auf, daß in der preußischen Kirchenverwaltung eine Neigung zu bestehen scheint, solche Theologie- Studenten, die im Kriege schwer verletzt wurden, später nicht anzustellen. Die Bedenken gründen sich darauf, daß ein schwerverletzter Pfarrer, z. B. einer, der einen Nrm oder ein Bein verloren hat, Nnstoß erregen könnte, wenigstens wurde ein ähnlicher Bescheid gegeben bei einem Theologie-Studenten — einem Einarmigen —, der sich dem theologischen Beruf weiter widmen wollte und der, weil er bei der Kirchenverwaltung widerstand fand, schließlich zu einem anderen Beruf übergehen mußte. Selbst der Einspruch eines Universitätsprofessors, daß es nach diesem furchtbaren Kriege wohl in jeder Gemeinde Leute geben werde, die schwer kriegsverletzt sind, und daß sicherlich niemand daran Nnstoß nehmen werde, wenn ein einarmiger Pfarrer amtiere, konnte die Kirchenverwaltung nicht davon überzeugen, daß ein kriegsverletzter Pfarrer seinen Dienst, ohne Nnstoß zu erregen, ausführen könne. Der Fall, daß kriegsverletzten Theologie- Studenten das Studium auf diese weise verleidet wird, daß man ihnen bedeutet, eine Pfarrei könnte für sie nicht in Nus- sicht gestellt werden, soll sich übrigens nicht auf den einen Fall beschränken, der zur Kenntnis des Schreibers dieser Zeilen gekommen ist. Jedenfalls sollte die Kirchenverwaltung ihre Nnsicht in dieser Sache noch einmal einer eingehenden Nachprüfung unterziehen,' denn es kann wohl angenommen werden, baß in Deutschland kaum ein Gemeindemitglied daran Nnstoß nähme, wenn ein Pfarrer auf der Kanzel predigt, der in diesem Kriege einen Nrm verloren hat oder sonst in einem gewissen Grade kriegsbeschädigt ist."
Diese Mitteilung scheint uns entschieden auf einem Irrtum zu beruhen. Es ist völlig unglaubhaft, daß eine deutschevangelische Kirchenbehörde — es ist ja auch keine bestimmte Behörde mit Namen genannt worden — kriegsverletzten jungen Theologen den Eintritt in das Pfarramt verwehren könnte. Das wäre ein Standpunkt, der sich am allerwenigsten für eine Behörde eignen würde, die die Predigt des Evangeliums und die christliche Liebestätigkeit zu überwachen hat. Mit offenen Nrmen und mit der größten Bereitwilligkeit muß jede deutsche Behörde Kriegsverletzten zu einer Nn- stellung verhelfen. Daß es Glieder deutsch-evangelischer Gemeinden geben sollte, die an einem einarmigen oder einbeinigen Pfarrer „Nnstoß" nehmen, halten wir für ganz* und gar ausgeschlossen. Solcher Erbärmlichkeit der Gesinnung halten wir deutsche Ehristen nicht für fähig, wir haben uns jetzt schon an den täglichen Nnblick kriegsverletzter Männer gewöhnt und werden uns nach dem Kriege noch viel mehr daran gewöhnen müssen.
Unser Uaiser und Generalseidmarschall hindenburq.
(Im Volkston.)
wer kennt denn nicht das schöne Bild, wo, freundlich anzusehen,
Der Kaiser und der hindenburg Nah' beieinander stehen? —
Die hohe Frau, die Kaiserin,
Gen Osten hingekommen, hat dieses Bild, das uns so lieb,
Selbst damals ausgenommen.
Nn dieses Bild gedenken wir Nuch jetzt in diesen Tagen, wo das gewalt'ge Nussenheer Den Durchbruch glaubt zu wagen.
Der Kaiser in dem Hauptquartier Sagt jüngst: „Ich muß mal gehen Nun wieder nach dem Osten hin Und nach dem Nechten sehen."
Der Kaiser kommt zu hindenburg,
Genannt „der Nussenschrecken",
Und spricht zum Generalfeldmarschall,
Dem kühnen, deutschen Necken:
„Die Lag' ist ernst, zu handeln gilt's, verdorb'nes gut zu machen,
Du bist der Mann, der helfen kann,
Erprobt in solchen Sachen."
Und hindenburg besinnt sich kurz,
Und ohne viel zu sagen:
„Des Kaisers Wunsch ist mir Befehl,
„Ich will mit Gott es wagen!"
Der Kaiser dankt dem treuen Held,
Reift wieder nach dem Westen,
Und denkt bei sich in seinem Sinn:
So war es doch am besten!
Nun soll es uns dort an der Somme Nicht vor dem Feinde bangen:
„Gott ist mit uns und wir mit Gott,
Den Sieg woll'n wir erlangen!"
Dem Herrn sei Dank, daß er uns gab Die Feldherrn, die wir preisen,
Den Kaiser und den hindenburg,
Und — wie sie alle heißen!
h. _ 6.H.
Kleine Mitteilungen.
Da in diesem Jahre ein Teil der Schulferien in die Zeit vom 28. September bis 12. Oktober gelegt ist und viele Kinder in diesen beiden Wochen verreist sein werden, so muß auch der Beginn des Konfirmandenunterrichts später fallen. Die Nnmeldung der Konfirmanden soll Donnerstag, den 12. und Freitag, den 13. Oktober stattfinden, die feierliche Eröffnung des Unterrichts ist Sonntag, den 15. Oktober, der Unterricht selbst beginnt am Tage darnach.
Es besteht die Nussicht, daß die sogenannte „Sommerzeit" im nächsten Jahre wieder in Wegfall kommt,' denn die


