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durchfielen, dennoch aber niemand durch die väterliche Obhut Gottes einen Schaden nahm."

was den Ackerbau der Stadt Gießen in alter Zeit be­trifft, so macht winckelmann nach Rambachs Angaben dar­über folgende Bemerkungen:Zur Nahrung der Einwohner ist sehr dienlich die herumliegende grose Feldmark an Reckern, wiesen, wepden, Gärten und Wäldern, auch Weinbergen auf dem Seltzersberg und Heuchelheim, wiewohl diese Wein­berge mehrentheils in Rbgang kommen. Lin im Jahr 1611 hier studierender, Namens Nuchter, hat eine Lobrede auf Gießen in französischer Sprache gehalten, worin er den hier gewachsenen wein sehr rühmt. Gegenwärtig sind die Wein­berge gantz ausgegangen. Doch hat wieder Jemand vor einigen Jahren angefangen Weinstöcke auf der hart anzu­legen, die wohl fort kommen."

winckelmann hat seinehessische Chronik" 1697 heraus­gegeben, mithin sind die Gießener Weinberge in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ausgegangen,' denn in der Chro­nik des Dreißigjährigen Krieges, die wir 1913 14 veröffent­lichten, ist noch vom Gießener Weinbau die Rede. Die an der Hardt neuangelegten Weinberge scheinen auch nicht lange Zeit bestanden zu haben. Der Gießener Doden, wohl auch das Gießener Klima sind dem Weinbau nicht zuträglich. Interessant wäre es, einmal festzustellen, was für eine Sorte derGießener." gewesen ist, es ist anzunehmen, daß er es, was die Säure betraf, mit dem bekannten weine aufnahm, der einst zu Grüneberg in Schlesien wuchs und von dem man scherzend sagte, daß man mit ihm die Kinder in die Schule schrecke.

Ueber Gießens Umgebung schreibt Rambach folgendes: ,,Billig hätte hier auch des nahe bey der Stadt herfliesenden gar angenehmen Lahnflusses gedacht werden sollen, der außer vier Fruchtmühlen eine Schlag-, walck-, Pulver-, Lohe- und. Schneidemühl treibet und vielerlei) Fische, besonders aber hechte, und diese von der größten Gattung, führet, wie sich auch denn Reiher, Taucher, wilde Cnten, Wasserschnepfen und dergleichen dabei) aufhalten. Ueberdas machen die benach­barten Schlösser und Gerter Gleiberg, Vetzberg, Hohensolms, Königsberg auch das hauß Schiffenberg und viele umliegende Dorfschaften einen überaus feinen Prospect. was die schöne Waldungen betrifft, so ist nur sehr zu bedauern, daß sie durch das Franzosenvolck ruiniert worden, besonders aber das sonst so überaus angenehme philosophische Wäldchen und der alte schöne Fichtenwald, die fast ganz niedergehauen sind."

hieraus erfahren wir mancherlei, was der heute lebenden Generation nicht mehr bekannt ist. Das GasthausPulver­mühle" hat seinen Namen nicht von ungefähr, sondern es bestand hier früher wirklich eine Mühle, in der Pulver ge­mahlen wurde. Interessant ist auch, daß die Franzosen im Siebenjährigen Kriege den Philosophenwald ruiniert haben. Um so dankbarer können wir jetzt sein, daß unser tapferes Heer uns den westlichen Gegner von unseren Landesgrenzen ferngehalten hat.

Rambach ist der Unsicht, daß Konrad Dachmann, Pro­fessor der Poesie zu Gießen, den Vers gedichtet habe:Rn Gießens Unmut reicht kein Ort der Welt." wie Herr Gber- bibliothekar vr. Cbel festgestellt hat, so ist jedoch nicht Dachmann, sondern Johann Hartmann Langsdorfs, ein ge­borener Gießener, dieserPoet". Cr hat die Schule zu Wetzlar besucht und dort beim Herbstexamen 1713 sein lateinisches Lobgedicht auf die Vaterstadt vorgetragen. Dieses Poem um­faßte nicht weniger als 9 Seiten Hexameter, wie werden

sich bei dieser herbjtprüfung die Zuhörer gelangweilt haben, als der ehrgeizige junge Mann sein Machwerk vortrug.

Zur Zeit, da Rambach lebte, also in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, war die Weberei in Gießen im Rück­gangs denn Rambach schreibt:Nachdem der Luxus überhand genommen, auch die Handlung und durch diese die Einfüh­rung des fremden Tuches beliebter und sehr gemein geworden, hat dieser Ruhm etwas gelitten und wird die Wollenweberep so starck nicht mehr getrieben."

Sehr heiter ist die Bemerkung Dietrichs, die er über die honetten und rechtschaffenen" Gießener Einwohner macht: wird auch bisweilen ein und der andre nichtstaugliche und ausgeartete Mensch unter ihnen gefunden, so ist dies eben kein Wunder, weil sich immer schwer durch den Irrthum, Döses unter das Gute mengt." Diese schöne Rrt, wie er Nichts­nutzigkeit, die man damals bei einzelnen Einwohnern unserer Stadt fand, aufIrrtum" zurückführt, ist wirklich erheiternd, Dietrich muß ein guter Mensch gewesen sein, heute würde man wohl anders urteilen.

Uleine Mitteilungen.

Nach Anordnung des Großherzoglichen Gberkonsisto- riums soll der kommende erste Rugust-Sonntag als Tag der Erinnerung an den Beginn des Krieges besonders ernst und feierlich begangen werden. Die Rnsprache, die die oberste Kirchenbehörde anläßlich dieses Gedenktages an die evan­gelischen Gemeinden des Landes richtet, lassen wir im Wort­laute folgen:

Zum zweiten Male jährt sich in kurzer Frist der Rus- bruch des großen Krieges, wir gedenken der Rugusttage des Jahres 1914, die unser Volk äußerlich und innerlich in seinen Tiefen erschütterten, wie diese Zeit all' denen unvergeßlich bleiben wird, die sie miterlebt, so wollen wir auch die jetzt nahenden Tage mit besonderem Ernst durchleben, und wir wissen uns wohl eins mit unseren Gemeinden, wenn wir anordnen, daß der erste Rugust-Sonntag besonders ernst und feierlich begangen werde. Gemeinsam wollen wir uns de­mütigen und beugen vor dem Herrn, gemeinsam wollen wir ihm danken für all' das Große, das er seit jenen Tagen in schwerer Zeit an uns getan, gemeinsam ihn bitten, daß er auch fernerhin freundlich über uns walten und endgültigen Sieg und Frieden uns schenken möge.

Zwei Jahre schweren Ringens mit übermächtigen Fein­den ! Unsere Heere weit vorgedrungen in die feindlichen Lande! was sie geleistet haben und gegenwärtig leisten in kühnem Rnsturm und heldenhaftem Rushalten übermächtigen Druckes, der Sieg, den unsere junge Flotte errungen im Kampf mit der gewaltigsten Seemacht der Welt es zählt mit zu dem Größten, was die Geschichte kennt. Indes auch zwei Jahre blutigen Ringens! viel Tausende gefallen, viel Tausende für ihr Leben geschädigt an Gesundheit und Kraft, so viel Hoffnungen zertrümmert, so viel Familien- und Lebensglück jählings vernichtet!

wie aber hat dies alles auf uns gewirkt? hat unser. Volk den Ernst und die Güte Gottes darin erkannt? hat es den Dußruf vernommen, den der Herr so eindringlich an uns richtet? hat eine innere Erneuerung unseres Volkes sich vollzogen? haben die vielen, die ihren Gott verloren zu haben schienen, ihn wieder so gefunden, wie wir dies glaubten erhoffen zu dürfen? Gewiß sind die zwei Jahre mit ihrem Sieg und mit ihrem Leid an sehr vielen daheim und be­sonders draußen nicht spurlos vorübergegangen, doch im