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die jetzige Wolkengasse geht auf eine phantastische Rekon­struktion Lambachs zurück, mit den blauen Wolken am Himmelszelt hat die Verbindungsstraße zwischen Zeltersweg und Bahnhofjtraße nichts zu tun. Sie war früher von den Gießener Webern, den Walkern, bewohnt, und hieß Walker­gasse. Dieser Name wurde in der Gießener! Mundart,Molker­gasse" ausgesprochen. Daraus entstand die jetzige Bezeichnung ,,wolkengasse". Nachdem der alte originelle wasenmeister Johannes Bender und zuletzt auch seine Ehefrau gestorben ist, die aus ihrem Vaterhause nicht mehr herausgehen wollte, wird durch den verkauf und Rbbruch dieses Hauses die Wolken­gasse wohl bald in ihrem östlichen Teile verbreitert werden.

Der Bezirk der alten Stabt ist richtig angegeben. Die 1325 aufgenommenen Bürger wohnten in der Marktstraße, am Kreuzplatz und in der inneren Walltorstraße. Die weiter aufgezählten Gassen und Plätze wurden wohl später bebaut. Die Wieseck wurde bei der Rnlage der Festungswerke verlegt.

Rückwand sich ein großes holzkreuz erhebt' in der einen Ecke befindet sich sogar für die Katholiken ein Beichtstuhl. Die Masse der Soldaten sammelt sich bei den Gottesdiensten auf dem großen Platze vor der Kapelle, während ich den Gottesdienst an dem weithin sichtbaren Rltar abhalte. Es dürfte wohl einzig dastehen, daß sich unsere Soldaten nur 300 Meter von den vordersten Schützengräben entfernt ein würdiges Gotteshaus errichtet haben, in dem sie unter dem pfeifen der Kugeln und dem Zausen der Granaten ihre Seele zu ihrem Gott und Heiland erheben wollen. Nach jedem Gottesdienst lasse ich für die Witwen und Waisen unserer gefallenen Kameraden eine Kollekte sammeln, die an den deutschen Kriegerbund in Berlin abgeliefert wird. Der Er­folg ist überraschend groß. Rm Ostersonntag betrug die Kol­lekte bei einem einzigen Gottesdienst über 700 Mark. 3m ganzen habe ich schon über 4000 Mark abliefern können."

(Tgl. Kundsch.»

Uleine Mitteilungen.

Ein evangelischer Feldgeistlicher aus dem Osten schreibt: ,,wenn man einmal die Geschichte deutschenBarbarentums" schreibt, sollte auch ein Passus darin Vorkommen:Bar­barenkirchen am Narotschsee". 3m ganzen Divisionsgebiet, das etwa zwei badische Rmtsbezirke umfaßt, ist nur eine Kirche. Sonst sind wir auf Wald und Feld angewiesen für unsre Versammlungen,' bei Kegen, Schnee und wind doch nicht gerade angenehm! Rber unsere Feldgrauen haben sich zu helfen gewußt. Ruf den Hinweis von uns Pfarrern haben sie in jedem größeren Dorfe eine Scheune ausgeräumt, die ganzen Innenflächen mit Tannenreis ausgeschlagen, die Bal­ken ebenso verkleidet, Kanzel und Rltar hineingebaut, zwei Fenster eingesetzt, ein Tannenkreuz am Strohdachfirst be­festigt. Dann haben wir Kircheinweihung gehalten und so stehen jetzt in meinem Gebiet fünf Schmuckkästchen aus Tan­nengrün, Kirchen, wie sie nur ein deutsches Gemüt aussinnen konnte,Barbarenkirchen am Narotschsee". Und ein anderer Feldgeistlicher berichtet:Im Walde, nur 300 Meter von unseren Schützengräben entfernt, hat die Brigade für unsere sonntäglichen Gottesdienste eine aus Fichtenstämmen zusammengefügte Waldkapelle errichtet, die, nach den Plänen eines bei der Division stehenden berühmten Rrchitekten ge­baut, einen großartigen Eindruck macht. Rn der einen Längs­seite, dem Eingang gegenüber, steht der Rltar, über dessen

kirchliche Anzeigen.

Gottesdienst.

In der Stadtkirche. Sonntag, den 23. Juli, 5. nach Trini­tatis. vormittags 8 Uhr: Pfarrer Schwabe. Zugleich Ehristenlehre für die Ueukonfirmierten aus der Markusge­meinde. vormittags 9V2 Uhr: pfarrassistent Hofsmann, vormittags 11 Uhr: Militärgottesdienst. Pfarrer Schwabe.

In der Johanneskirche. Sonntag, den 23. Juli, 5. nach Trinitatis, vormittags 8 Uhr: Pfarrer Rusfeld. Zugleich Ehristenlehre für die Ueukonfirmierten aus der Johannes­gemeinde. vormittags 9 J 2 Uhr: Professor D. 5 chian. Mittwoch, den 26. Juli, abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde, pfarrassistent h o s f m a n n.

Ich bin bis zum 9. Rugust verreist. Die Rmtsgeschäfte der Lukasgemeinde werden in dieser Zeit von Herrn pfarr- assistenten hoffmann, wetzjteinstraße 38, versehen.

Gießen, den 20. Juli 1916.

Bechtolsheimer, Pfarrer der Lukasgemeinde.

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Bnd): und Zteindruckerei R. Lange, sämtlich zu Gießen.