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Keine anderen Freuden mehr, als die, die auch Gott uns segnen kann, wir wollen nicht müde werden, darum zu ringen, damit wir uns an jedem Tage unseres Lebens sagen können: Rch ja, wir Habens gut!

Ich will streben nach dem Leben, wo ich selig bin;

Ich will ringen, einzudringen,

Bis daß ichs gewinn!

Baronin R.

Uriegzgedanken.

Das Rriegserleben läßt sich unsere Gedanken nicht bloß mit der Gegenwart und ihren oft wirren Geschehnissen be­schäftigen, sondern es lenkt auch unseren Blick in die Ver­gangenheit. Dieses letztere können wir nur als eine Wohltat bezeichnen, während früher das Gefühl, das sich unser beim Hinschauen auf die trübsten Zeiten unseres Volkes bemächtigte, in der Hauptsache dasjenige der Beklemmung war, können wir jetzt nicht mehr dasselbe sagen. Im Gegenteil, jene Rückschau wirkt viel mehr befreiend. Unser Geist sagt sich: wenn unsere Vorväter schon solches ausgehalten haben, so können wir das, was uns jetzt trifft, doch sicherlich auch tragen. Über noch mehr wächst uns aus dem Rückblick in die Vergangenheit zu.

Rl§ im herbste vorigen Jahres zur Ueberraschung ganz Europas der kühne Zug nach Zerbien in Rngriff genommen wurde, als uns die Namen Belgrad, Zemlin, Peterwardein wieder geläufig wurden, wessen Rüge hat sich da nicht wieder die Gestalt jenes kühnen prinzlichen Heerführers vorgestellt, wie er mit der Hand vorwärts deutend am Donauufer stand und Rnweisungen gab zur Erbauung der Brücken, über die dann seine Heerscharen sollten Hinüberrücken zur Belagerung und Gewinnung der Feste, um deren Besitz sich wie um eine Rngel das Schicksal desselben Mitteleuropa drehte, das sich jetzt gerade nach der Gegenseite hin in den schwersten Rümpfen behaupten muß. Der vergleich von einst und jetzt läßt jedem, der nicht des geschichtlichen Zinnes völlig bar ist, die Gewißheit aufgehen, daß Mitteleuropa keineswegs, wie heute noch manche wähnen, ein bloßer geographischer Begriff ist, in dessen Bereich uns versetzt zu haben, als die größte Ungunst des Geschickes angesehen werden könnte. Gewiß, wir erfahren es täglich handgreiflicher, daß es keine leichte Zache ist, zu den Bewohnern Mitteleuropas zu gehören. Rber es bildet sich auch in uns mehr und mehr die Ueberzeugung heraus, daß Mitteleuropa ein Flecken Erde ist, um dessen Bewohnerschaft sich bei aller konfessionellen, sprachlichen, völkischen Ver­schiedenheit ein Band gemeinsamer Geschichte schlingt, das unzerreißbar ist, schon damals sich geschlungen hat, als die Teile dieser Bevölkerung noch mit leidenschaftlichem Grimm auseinander strebten!

Ruch dieser Krieg ist wieder ein neues Glied in der Rette geschichtlichen Lebens, das den alten Erdteil Europa mit Lärm und Waffengetöse erfüllt, aber die darauf wohnen, wieder um ein mehrerer aneinander bindet bis ins dritte und vierte, ja bis ins zehnte und zwanzigste Geschlecht. In welch anderer weise wird den Rindern dieser Geschlechter die Gestalt des Prinzen Eugen erscheinen, wenn sie das Lied vom edlen Ritter singen, als sie es gegenwärtig noch tun. vor ihren Rügen wird dieser Held sicher nicht mehr allein stehen, sondern Seite an Seite mit ihm der andere Bezwinger des Ostens, Held Mackensen, wem dieser Gedanke, daß unsere Enkel und Ur­enkel einmal die Rümpfe und Ziege und Leiden unserer Zeit

besingen werden, wie wir es mit denen der Vorzeit tun, nicht ans Herz greift, dem ist nicht zu helfen,- der ist für diese große Zeit verloren, und für den ist auch sie verloren. (Fortsetzung folgt.) K. G.

Die Stadt Sieben im Anfang des J7. Jahrhunderts

(Fortsetzung.)

Ueber die Ztadt Gießen selbst macht Rambach folgende Rngaben: ,,Die Stadtmauer war innerhalb des kleinen Be­zirks herumgeführt, wovon sich noch deutliche Merkmale befinden. Denn in der Mauer des von Zchenckischen Burg- hauses bep dem wagengäßchen sieht man eine zugemauerte grose Thür und es ist erweislich, daß die Häuser von der Wage an auf der alten Stadtmauer stehen. Ruch ist es gantz offenbar, daß nach der Neustadt zu in dem Gäsgen, die alte Ställe genannt, alte Häuser auf die Stadtmauer ge-bauet worden, wovon sich nicht weniger bep dem Diebsweg (eigent­lich tiefen weg), sodann hinter den Häusern der Judengasse und in der Raplansgasse viele Zpuren zeigen. Rlles, was außer dem durch die alte Mauer und die Bach eingejchlossenen Bezirk liegt, ist nach und nach bis 1525 angebauet und damals der eigentlichen Ztadt einverleibt worden, worauf man end­lich die alte Mauer abgebrochen und alles zusammen in eine neue eingeschlossen. Zu dem neu eingeschlossenen gehört na­mentlich die gantze Ztraße nach dem Wallthor samt dem Rster- weg und der Brands-, Hunds-, Linden-, Jochims- und Hinter­gasse, auch der gantze Brand und die Reue Bäue, bis an die Burgkirche, die Zonne, der Reucnweg samt der Weidengasse, der Zeltzersweg, das Rreuh bis an die Spitze der Mäusburg, die Zchnurrerep genannt, nebst der Map-, Löwen- und Blau­wolkengasse, der reiche Zand, die Raplansgasse, die gantze Reustadt mit der Zandgasse. Sonst ist auch aus sicheren Ur­kunden und Merckmalen erweislich, daß vor Zeiten die Wieseck durch die neu angebaute Ztadt geflossen, wahrscheinlich kam sie in der Gegend des Rmtsgartens herein und zog durch die Reue Bäue nach der Zonne zu, wo noch Reste von einem unterirdischen Gewölb zu treffen, weiter ging sie unter dem Rreutz und unter des Rramers Ernst plancken hauß her, wo noch ein großes unterirdisches Gewölb zu finden, von da hat sie sich wahrscheinlich nach der Mühlgasse ge­wendet und daselbst eine Mühle getrieben, von der noch itzo die Gasse den Ramen hat, wie denn auch hier an dem Ort, wo der Fuhrmann Ronrad Rinn eine Zcheuer hat, noch vor ungefähr &0 Iahren ein Wellbaum und Wasserbett ange­troffen worden und noch itzo die Häuser in derselben Gegend an die Kommende Zchifsenberg ein sogenanntes Ztromgeld- bestehend in einer Meste Oelsamen und einem schwartzen hahn jährlich entrichten müssen, von da aber ist sie etwa in der Gegend des Rusgerinns zur Ztadt hinausgeflossen, hernach da die Ztadt weiter angebaut und durch das Wasser ohne Zweifel manche schädliche Reberschwemmung verursacht wor­den, hat man sie von der Ztadt gäntzlich abgegraben und auserhalb der Festung hergeleitet. Es kann aber noch itzo durch dieselbe die gantze Ztadt rings umher in Wasser gesetzt werden."»

Der Bezirk der alten Ztadt ist von Rambach richtig an­gegeben. Die vor 1325 aufgenommenen Bürger wohnten in der Marktstraße, am Rreuzplatz und in der inneren Walltor­straße. Die weiter aufgezählten Gassen und Plätze wurden wohl erst später bebaut. Die Wieseck wurde bei der Rnlage der Festungswerke verlegt. Der Rame Blauwolkengasse für