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Julius Sturm.
Der hundertjährige Geburtstag (21. Juli) des Dichters Julius Sturm soll nicht vorübergehen, ohne daß dieses berühmten Lyrikers auch in unserem Sonntagsgruß, Oer öfters kleine Gedichte von ihm gebracht hat, kurz gedacht worden ist, zumal unser hessisches Gesangbuch wenigstens drei seiner Kirchenlieder enthält, nämlich Nr. 183, 324 und 545 (letzteres im Anhang), von denen das erste sich zum Singen im öffentlichen Gottesdienst sehr eignet, während die beiden andern mehr den Charakter des geistlichen Volksliedes tragen.
Julius Sturm ist nämlich vorwiegend religiöser Dichter, wiewohl auch seine weltlichen Lieder und Gedichte, besonders die patriotischen und seine Kinderlieder, geschätzt und der Beachtung wert sind, wie denn die Volks- und Schullesebücher fast sämtlich Gedichte von ihm enthalten. Am bekanntesten ist wohl sein kurzes, schönes Gedicht: „Gott grüße dich", gern, wie auch andere seiner Lieder, von weltlichen Gesangvereinen gesungen. Auch schöne Märchen und Fabeln hat Sturm dem deutschen Volke geschenkt. Seine „frommen Lieder" und seine „Andachtsstunden in frommen Liedern unserer Gage" können zur Erbauung für Haus und Familie warm empfohlen werden.
Auf den Lebensgang des Dichters (gestorben am 2. Mai 1896)'näher einzugehen, verbietet der beschränkte Kaum dieses Blattes. Erwähnt fei nur, daß dem Dichterpfarrer in seinem schönen Heimat-Badestädtchen Köstritz im Fürstentum Beuß j. L. ein herrliches Grabdenkmal und im Jahre 1912 auch ein weiteres Brunnendenkmal errichtet worden sind, und daß zu seinem 100. Geburtstag daselbst ein Julius-Sturm- Zimmer von der Gesellschaft seiner Freunde Beitrag jährlich nur 1 Mk. eingerichtet werden soll, welch letztere sich zugleich die Aufgabe stellt, zur Verbreitung der Merke (30 an der Zahl) des Dichters beizutragen.
Für die jetzige ernste Zeit sind die „Kampf- und Siegesgedichte" Sturms aus dem Jahre 1870 (Halle, Verlag von G. Emil Barthel) zu empfehlen, da die meisten auch recht gut für den furchtbaren Krieg unseres lieben deutschen Vaterlandes mit seinen großen Opfern an Gut und Blut passen.
Ls sei nur eines zum Schluß hier mitgeteilt:
Trauernden Zllütteni zuin Trost.
Zerschlagenes Mutterherz,
Gott kennet deinen Schmerz
Und hört dein Meinen und dein Klagen,'
G gib mit gläub'gem Sinn Dich ihm zu eigen hin,
Denn er will dich auf Liebesarmen tragen.
Das Schwert in tapfrer Hand,
hat für das Vaterland
Dein Sohn als Held sein Blut vergossen,'
Im Felde liegt sein Grab,
Dort senkten ihn hinab
voll tiefer Trauer seine Kampfgenossen.
Doch ist sein Grab geweiht,'
Der Herr der Herrlichkeit hat seinen Segen ihm gegeben,
Und junges Grün bekränzt Den Hügel, wenn es lenzt,
Und singend werden Lerchen drüber schweben.
So gönn' den Staub dem Staub,'
Ist doch dem Tod zum Kaub Nicht deines Sohnes Geist verfallen,'
Tr schwang auf freier Bahn
Sich dorthin himmelan,
wo sel'ge Geister grüßend ihn umwallen.
G weine still dich aus Und denk an's Vaterhaus,'
Es harrt das Kind der Mutter droben:
Und wenn du ausgeweint,
wirst du mit ihm vereint
Am Throne Gottes danken nur und loben.
h. _ A. h.
Dos Gebet.
lvie hat's die Seele doch so gut, vie sich dem Herrn ergiebt,
Die nichts mehr will und nichts mehr tut, Als daß sie Sesum liebt.
Still wandelt sie an seiner Hand,
Ein selig Kinb des Lichts,
Vas Antlitz hin zu ihm gewandt,
Und scheut und fürchtet nichts.
wie viel Lärm und Unruhe läßt die Welt in unserer Seele zurück! wie beeinflußt sie unsere Werturteile, und färbt unsere Stimmungen, ist es da nicht natürlich, baß sich oftmals ein Schleier über unsere Eindrücke legt? wir möchten dann fern von der Welt leben, doch, was sollte dann aus der Familie, dem Berufe, ja dem Staate werden? Und doch, wir müssen stille Stunden haben, Stunden, in denen die Seele sich sammeln und erstarken kann, wir müssen dem Gottesgedanken in uns zum Leben verhelfen, wir müssen beten.
wir wissen, daß das Gebet das einzige ist, was uns mit Gott verbinden kann, wir sollen beten, selbst wenn wir fühlen, daß unser Flehen dem Stammeln eines Kindes gleicht, für dieses von der grüßten Wichtigkeit, uns oft nur ein Lächeln abgewinnend. Trotzdem, wie gern hören wir diese Kinderbitten! versuchen wir es, uns in dasselbe Vertrauensverhältnis zu unserem himmlischen Vater zu bringen und unser ganzes Leben wird eine Gebctskette sein.
Tin kleiner Zunge antwortete seinem Vater, in dessen Zimmer er immer wieder ungerufen kam, auf Befragen: „Ich will nur bei dir sein." wollen wir nicht an diesen, kindlichen Ausspruch denken, wenn wir z. B. vor Beginn des Gottesdienstes in der Kirche versuchen, unsere Gedanken zu sammeln, sie nicht umherwandern lassen,' denn wir sind in unseres Vaters Haus, in seiner Gegenwart, wie wird uns dann schon die Liturgie mit Andacht erfüllen,' dies eine Wort: von Ewigkeit zu Ewigkeit ist mir immer so besonders wertvoll und eindringlich, es gibt so viel zu denken,' denn müssen wir uns nicht sagen, daß es etwas ist, was wir nie mit unserem verstände fassen können, diese Ewigkeit, daß wir Alle ihr aber entgegeneilen in jeder Stunde unseres Lebens.
Dies allein schon meine ich, müßte uns ernster stimmen, und uns veranlassen, mehr und mehr an die Verinnerlichung unseres Lebens und Seins zu denken, daran zu arbeiten, in der Welt, aber nicht mit der Welt zu leben. Ts scheint wohl oftmals schwer, aber nur im Anfang' mit der Zeit kommt eine solche Freudigkeit in unsere Seele, die uns weiter und weiter führt unserem Herrn und Heiland entgegen, daß wir mit Bedauern der vielen Zeit gedenken, da wir noch nicht den weg kannten und liebten, der uns alles Schwere erleichtert und jede Freude heiligt. Denn wir kennen dann
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