welche Brbeitslast muß auf dem Apostel gelegen haben auch im Gefängnis! Buch da steht er noch mit seinen Gemeindegliedern in lebendigem Verbehr und sorgt für sie mit unverminderter Freudigkeit und Liebe. Cr findet noch Zeit, sich eines unscheinbaren Sklaven anzunehmen und sucht ihm sein Schicksal zu ebnen durch einen mit soviel Taktgefühl und einer seltenen Herzensgüte geschriebenen Brief. Das muß uns ein Sporn fein, allen wünschen und Bitten, die infolge des Krieges an uns herantreten, mit doppelter Treue und unverdrossener Freudigkeit nachzukommen. —
Im übrigen sollten vorstehende Zeilen nur Anregung geben, daß die Leser des „Sonntagsgrußes" Lust bekommen, einmal nach ihrem Neuen Testament zu greifen und einen von den gemütbildenden Briefen des Paulus zu lesen. XTTit dem kleinen, wie z. B. mit dem Briefe an philemon, fange man an! Tine gute Hilfe für das Verständnis kann hierbei die im Jahre 1912 erschienene und mit guten erklärenden Bemerkungen versehene Stuttgarter Jubiläumsbibel leisten.
G- G.
Zum Geleit für Heimaturlauber und zum Traft für alle in ernster Zeit.
Herz, mein Herz, laß ab vom Sorgen,
Schweige deinen bittern Schmerz, heb' an jedem neuen Morgen Deine Seele himmelwärts.
hier ist deines Bleibens nimmer,
Kurz ist nur dein Aufenthalt,
Und vor Bugen steht dir immer,
Daß du scheiden mußt gar bald. —
Scheiden von den lieben Deinen,
Bus vielleicht Nichtwiederseh'n,
Deren Bugen still d'rum weinen, wenn die Zeit kommt fortzugeh'n.
Bus ihr Haupt legst du zum Segen Dann noch leis' die Hand geschwind,
Betend, daß Gott allerwegen Schütze, die dir teuer sind.
Und — wenn so auch dies geschehen,
Du zur Bbfahrt bist bereit, winkst du noch: auf Wiedersehen hoffentlich in kurzer Zeit. —
Selig sind, die Heimweh haben,
Denn sie kommen auch nach Haus, wenn sie ausgekämpfet haben, wandern sie zur Heimat aus.
Nach der lieben Heimat drüben,
Die durch Thristus offen scheint, wo der Herr mit unsern Lieben Uns auf ewig dann vereint. —
In dem Land, vom Urieg verschonet,
Statt’ von sonderlichem Beiz, wo der Herr Getreue lohnet Mit dem güldnen Threnkreuz.
hörst du nicht die Glockenklänge Und der Drossel Hellen Schlag, — hörst du nicht, die heimatsänge Ulingen dir beim Scheiden nach? —
Herz, mein Herz, laß ab vom Sorgen, Schweige deinen bittern Schmerz, heb an jedem lichten Morgen Deine Seele himmelwärts! h. K.h.
Die Staöt Siesten am Anfang des \Z. Jahrhunderts.
(Fortsetzung.)
Ueber den von Dietrich erwähnten Bach, der durch die Stadt Gießen fließt, macht Nambach folgende Bemerkungen: „Das durch die Stadt fließende Wasser ist ohne Zweifel die Bach und nicht der Zluthgraben, der ein besondrer enger und bedeckter Uanal ist, welcher alle Theile der Stadt durchkreuzet und die Unreinigkeiten derselben in die Bach hinein- sühren soll. Die Bach selbst aber kamt nach sicherer Erkundigung und nach einem von dem sel. pronner gezeichneten Grundriß der Stadt zwischen dem Massonischen und dem Lpnckerischen grosen Garten unter dem wall durchs Lin- gerinn herein, wodurch sie aus der Lahn, vermittelst einer auf der Esplanade oder Schore bei) der Mühlenschanze (zwischen dem Wallthor und dem Neustädterthor) befindlichen Schleuse eingeleitel wird und auch nach Umständen abgehalten werden kann. Sie fließt, zuerst oben an dem v. Schwabachi- schen Garten bepm Stockhauß und großen Stadtbrauhauß vorbei), wo sie die Ferbebach heißt. Bn der Ecke des Brau- haußhofes, wo die Einfahrt ist, trennt sie sich in zween Brme. Der eine und Hauptarm gehet hinter den plockischen Scheu- ren an Herrn Negierungsrathes Nochs und dem Superinten- denturgarten vorbei) nach dem kleinen Brauhauß und der Stadtschul, von da lauft er unter den auf dem Nirchenplatz stehenden Häusern her und kommt dicht an dem Bsmusischen hauß auf dem Lindenplah heraus, wo er die Lindenbach genannt wird, hier tritt er unter des Lindenschmits hauß und komt bei) dem Wittigschen und des Herrn Tommandanten Garten wieder zum Vorschein, geht unter dem Brandplatz quer durch und läßt sich zwischen der Tantzlep, den Uni- versitäts- und Bmtsgärten sehen, fliest um die Tantzlei) herum und an der anderen Seite derselben verbirgt er sich wieder und nimmt seinen weg weiter unter dem hofmänni- schen, hapnemännischen und von Schadischen hauß bis an des Schneider Seipels Wohnung in der kleinen Braugasse, wo er auf der Bach genannt wird, von da gehet sein Fluß zwischen den Häusern nach der Mäusburg zu, und unter der Mäus- burg und den sämtlichen Häusern, welche zwischen der Taplansgasse einerseits, hauptsächlich aber der Judengasse und vorderen Neustadt anderer Seits gelegen sind, bis er ohnweit und außerhalb der Stadtpforte unter dem tiefen weg wieder zum Vorschein komt. hier vereinigt sich mit diesem Hauptarm der andre geringere Brm, der obgedachter- masen an der Ecke des Brauhaußes bei) der Ferbebach vom Hauptarm getrennt anfängt, alsdann beim Hertischen Garten und den so genannten alten Ställen herfliest und das Sitzenbächlein heiset Bepde Berme vereint gehen denn an dem tiefen weg her, bep der Werkstätte vorbei) durch die Gärten der Mühlgasse hindurch und an dem o. Löwenfeldi- schen Garten durch das Busgerinn bei) der Georgenschanze der Stadt hinauß. hier geht ihr weg zwischen dem untern Hamm und der sogenannten Scheppecke in die Wieseck. Nach dieser Beschreibung, die Einheimische leicht verstehen werden, ist es richtig, daß das von den bepden Bermen der Bach eingeschlossene Nevier der Stadt rund gewesen, aber ovalrund und eigentlich wie eine längliche Birne gestaltet."


