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oder ihnen einen klugen Vortrag über die christliche Lehre zu halten, sondern das war ein bestimmtes persönliches Interesse des Npostelz an den Gemeindegliedern, an welche er schreibt. Die Gemeindeglieder befinden sich in bestimmten Verhältnissen, in einer bestimmten Lage. Sie wissen nicht, was sie diesen Verhältnissen gegenüber tun sollen. Und sie wenden sich nun an den Npostel um Nat und Nuskunft, was sie tun sollen. Nuf diese bestimmten Verhältnisse und Fragen gibt der Npostel in seinen Briefen Auskunft und Belehrung, was sich für Christen zieme.
hierfür soll nur ein Beispiel angeführt werden. Im 10. Kapitel vom 1. Korintherbrief spricht Paulus von der Teilnahme der Christen an den Gpfermahlzeiten der heidnischen verwandten. Cs kam wohl vor, daß ein vom Heidentum zum Christenglauben frisch Uebergetretener von einem heidnischen verwandten zu einem Opferessen eingeladen wurde, d. h. zu einer Mahlzeit, bei welcher das von einem vorausgegangenen heidnischen Opfer übriggebliebene Fleisch verzehrt wurde. Lolche Cinladungen kamen wohl nicht selten vor, sondern öfters, ver Verkehr und die Freundschaft zwischen verwandten rissen wohl nicht gleich ab, wenn einer Christ wurde.
^ Nun gab es natürlich deswegen unter den Christen von Korinth Meinungsverschiedenheiten und Nuseinander- setzungen, ob sich solche Teilnahme an heidnischen Opfermahlzeiten für einen Christen zieme oder nicht. Manche hielten es für unrecht und für unvereinbar mit christlicher Charakterfestigkeit. Zchließlich holte man das Gutachten des Npostels Paulus darüber ein. Und dieses Gutachten haben wir vor uns im 10. Kapitel des 1. Korintherbriefes. Da heißt es z. B. Vers 27 28: „Wenn aber jemand von den Ungläubigen euch ladet, und ihr wollet hingehen, so esset alles, was euch vorgetragen wird und forschet nichts, auf daß ihr des Gewissens verschonet. VOo aber jemand würde zu euch sagen: das ist Götzenopfer, so esset nicht, um deswillen, der es anzeigte, auf daß ihr des Gewissens verschonet."
hier haben wir den Ztandpunkt des Npostels Paulus in dieser Frage. Zolange ein Christ nicht weiß, daß eine Fleischspeise, welche ihm bei einer Einladung vorgesetzt wird, von einem Opfer herrührt, soll er sie getrost essen. Denn an und für sich erblickt Paulus im Genuß solchen Fleisches keine Zünde. Uber wenn ein anderer Christ es für Zünde hält, soll der christliche Bruder vom Genuß von Gpferfleisch lieber absehen, um der Liebe willen, um dem empfindlichen Gewissen seines Mitchristen keinen Unstoß zu geben, um dem Frieden zu dienen.
Näher wollen wir auf diese Frage, die in unserm heutigen Leben eine parallele etwa im Ulkoholgenuß hat, nicht eingehen. Ls sollte mit dem Beispiel, wie bemerkt, nur gezeigt werden, daß die Briefe des Neuen Testamentes fast durchweg nur geschrieben sind mit Nücksicht auf bestimmte tatsächliche Fragen, aus vorhandenen praktischen Bedürfnissen heraus.
2 .
Etwas deutlicher soll das nun noch ausgeführt werden an dem kürzesten Briefe, welchen wir im Neuen Testament haben, an dem Brief an philemon. Der Brief hat im ganzen nur 25 Verse, so daß auch ein Leser mit nur wenig Zeit es doch ermöglichen kann, das kurze Zchriftstück einmal genau zu überblicken.
Geschrieben ist der Brief im Gefängnis zu Nom, in welches Paulus etwa im Jahre 61 nach Christus eingeliefert wurde. Diese Haft war nicht so streng, wie wir uns das nach unseren heutigen Begriffen von Gefängnis vorstellen, sondern der Npostel war tagsüber an einen Zoldaten gekettet und durfte sich mit diesem Wächter frei nach Belieben bewegen. Nur nachts mußte er in den ihm un- gewiesenen Nufenthaltsraum zurückkehren. Paulus konnte also auch ungehindert Freunde und Bekannte empfangen.
Eines Tages fand sich nun ein seltsamer Freund bei dem gefangenen Prediger des Evangeliums ein, nämlich ein entlaufener Zklave, Namens Onesimus (Vers 10). Ver Herr des Zklaven hieß philemon und war ein eifriger Christ, zugleich ein guter Freund und Bekannter des Paulus. Um irgend eines Vergehens willen, vielleicht auch nur, weil ihm das harte Los eines Zklaven allmählich unerträglich wurde, war Gnesimus geflohen und war, vielleicht nur aus Zufall, vielleicht auch mit Nbsicht, zu Paulus geflüchtet.
Möglicherweise hatte der Zklave gehört von dem Manne, der predigte, daß alle Menschen Brüder seien, der ein unentwegter Prediger der Liebe war. vielleicht auch hatte seine Zeele verlangen nach der Zpeise des Evangeliums. vielleicht mochte er von der Bekanntschaft mit Paulus auch nur eine Milderung und Linderung seines harten Zkla- venschicksals erwarten. Wir wissen ja, daß zum Beispiel bei Luther unzählige einkehrten, die Hilfe und Zchutz bei ihm suchten in ihrer Not und Förderung ihres Fortkommens.
In dieser Hoffnung hat sich denn auch der flüchtige Zklave nicht getäuscht gesehen. Paulus, der Volksmissionar, der ein Herz hatte gerade für die Geringen, für die Gedrückten und Entrechteten, nimmt sich des Flüchtlings an und gewinnt die begierige und verlangende Zeele leicht für den Glauben an das Evangelium.
Nber in seiner vornehmen, taktvollen Gesinnung behält der Npostel den bekehrten Zklaven nun nicht für sich. Das wäre ja dem Gnesimus wohl das Liebste gewesen. Bei Paulus fühlte er sich wohl, zu ihm hatte er ein herzliches Zutrauen. Nber Paulus vergißt nicht die schuldige Nücksicht auf seinen Freund philemon und sendet den Zklaven mit einem liebevollen Briefe an seinen Herrn zurück. Er legt Fürbitte für den Flüchtling ein und weist darauf hin, daß die Flucht auch ihren Zegen gehabt habe,' denn Gnesimus sei jetzt innerlich umgewandelt. Er werde seinem Herrn jetzt gern und willig dienen mit doppeltem Eifer und doppelter Treue, philemon soll daher den Zurückgekehrten ansehen nicht mehr „als einen Knecht", sondern „als einen lieben Bruder" (Vers 16).
Die schwierige Zklavenfrage, welche später England und Nmerika nur nach jahrzehntelanger Grausamkeit und Unmenschlichkeit durch harte gesetzliche Maßregeln und Ztrafen gelöst haben, hat hier Paulus mit einem Griff gelöst, indem er den Zinn christlichen Dienens weckt bei dem Zklaven! und den Zinn christlicher Nücksicht bei dem Herrn.
3.
Zum Zchlusse noch eines! In der Kriegszeit werden wir alle mit zahlreichen Wünschen und Nnliegen angegangen, besonders von unfern Zoldaten, welche draußen stehen, oder deren Ungehörigen. Die wünsche sind oft so zahlreich, daß wir manchmal Mühe haben, sie alle zu erfüllen. Manchmal kommt wohl auch eine gewisse Gleichgültigkeit oder Müdigkeit über uns. Wir möchten nicht mehr auf jeden einzelnen Wunsch achten. Da können wir von Paulus lernen.
Der Npostel schreibt einmal 1. Kor. 11, Vers 28: „Ich werde täglich angelaufen und trage Zorge für alle Gemeinden."


