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Äonntagsgrusz

Gemeinöeblatt smöie evangelische Kirchengemeinoe

Gieszew

Nr. 28. Gießen, Sonntag 4. nach Trinitatis, den 16. Juli 1916. 5. Jahrgang.

Aus einer alten Ariegschronik.

2. Buch der Chronik 32, 8. Mit uns ist der Herr, unser Gott, daß er uns helfe und führe unsern Streit.

In diesen ernstesten Tagen des Weltkrieges, da die Uebermacht der Feinde sich wie in einem geschlossenen kling gegen uns gewandt hat und mehr denn je gerechnet wird, wer wohl endgültig über die größeren Machtmittel verfügt, bekommt das Wort eine ganz besondere Bedeutung: ,,Mit uns ist der Herr, unser Gott, daß er uns helfe, und führe unsern Streit." Ls entstammt einer echten, wenn auch ur­alten Kriegsgeschichte, und ist gesprochen von einem könig­lichen Heerführer, als er in den Stunden der Entscheidung für Recht und Bestand seines Reiches sich befand, hiskia bekannte es vor allem Volk, als König Sanherib mit großer Heeresmacht gegen Jerusalem und ganz Judäa heran­gezogen war, um es zu vernichten. Steigt nicht blitzartig die Geschichte unseres eigenen Volkes im jetzigen furchtbaren Ringen vor unserm Rüge auf, und der Geist, aus dem heraus Deutschland, sein Kaiser, seine Fürsten und Volker in den Krieg gezogen sind und in diesem Kriege zu bestehen sich gelobt haben? Dieses Wort ist wieder eine Losung geworden, so hochmodern, als hätte sie die Stunde der unmittelbaren Gegenwart geboren! Und es gewinnt für uns noch an eigen­artiger, markiger Kraft, wenn wir es im Zusammenhang der ursprünglichen Rufzeichnung, dem 32. Kapitel des 2. Buches der Thronika, lesen. Man wird geradezu staunen, wenn man dort findet, wie uralt doch schon eine schmählichste Waffe unserer Feinde im gegenwärtigen Weltkriege ist: die Lüge! Nur daß sie sich immer gewaltiger ausgewachsen hat, den gewaltigen Verhältnissen des heutigen Völker­ringens entsprechend. Vor dieser Lüge könnte uns manch­mal noch bänger werden ajs vor allen sonstigen Macht­mitteln unserer wutentbrannten Gegner. Um so helleren Trost darf unser deutsches Volk, das sich in seiner ent­schiedenen Mehrheit von Rnfang an zu diesem Schriftwort bekannt hat, auch dem Rusgang jener alten Kriegsgeschichte, aus der es stammt, entnehmen. Rll jene Waffen- und Lügen­gewalt ward dennoch zerschmettert von dem heiligen Ur­sprung aller Gerechtigkeit und Wahrheit. ,,Und der Herr wie es in der markigen Sprache der Rlten Schrift heißt

sandte einen Engel, der vertilgte alle Gewaltigen des

Heers und Fürsten und Obersten im Lager des Königs zu Rssur, daß er mit Schanden wieder in sein Land zog!" Deß wollen auch wir uns getrosten, und dürfen es, je fester und zuversichtlicher wir uns auf dieses Gotteswort stützen, dem als wunderbare Ergänzung, auch für allen inneren und seelischen Kamps unserer Tage und unseres christlichen Ge­wissens, das Wort aus der Offenbarung des Johannes zur Seite steht:Es hat überwunden der Lowe, der da ist vom Geschlecht Juda, die Wurzel Davids" Jesus, der Herr und Heiland, auf den wir mit neuer Glaubensstärke weiter bauen wollen!

Einiger über die Briefe der Neuen Testamentr.

l.

wir Horen manchmal, wie von der Krankheit eines Menschen gesprochen wird, von den Heilmitteln, welche dem Kranken Linderung verschaffen, wie die Ungehörigen es versucht haben mit dem und jenem Rrzt, bis sie endlich die rechte Stelle und die rechte Schmiede gefunden haben. Rber wenn das so erzählt wurde, so haben wir gar nicht recht darauf geachtet, gar nicht recht hingehört' denn der Kranke, von dem die Rede war, war uns unbekannt, wir kannten ihn nicht näher. Rber anders wird die Sache, wenn wir selber erkranken oder einer der Unseren. Da haben wir den Berichten über ein Heilmittel oder über einen geschickten, erfahrenen Rrzt ganz anders zugehört, mit viel mehr Ruf- merksamkeit und Begierde. Denn jetzt hatte die Sache für uns auf einmal ein persönliches Interesse, sie ging uns etwas an,' wir selbst oder eines der Unseren waren erkrankt.

Und so ist es oft. wir lesen die Tagesberichte der obersten Heeresleitung stets mit Interesse, aber unsere Span­nung und unsere Beklemmung ist oft noch» großer, wenn wir wissen: an den Kampfstellen, die der Tagesbericht er­wähnt, stehen unsere Regimenter, unsere Lieben, wo eine Sache uns angeht, da Horen wir ganz anders zu, da ist unser Sinnen und Nachdenken, unser hoffen und Fürchten, der Angelegenheit ganz anders zugewandt.

Das gilt nun ganz besonders von den Briefen des Neuen Testaments, was diese Briefe veranlaßt und hervor­gerufen hat, das ist nicht etwa die Rbsicht, z. B. des Paulus, gewesen, seinen Gemeinden eine geschriebene predigt zu senden