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stehen. Not kennt kein Gebot. Nber Not macht auch erfinderisch. Gott wird schon seine Gründe haben, um derentwillen er uns in diese Nöte geschickt hat, die uns neben der Kriegsnot extra beschweren sollen.
Der Landwirt muß hier seine Erfindergabe beweisen, weil er am besten weiß, wo ihn der Schuh drückt. Zum Brotgetreide wird z. B. Hafer und Gerste nicht gerechnet, obwohl der Landwirt schon seit alters Gerste zur Schaffung seines Brotmehles mit verwendet. Buch in der Jetztzeit kann er die ihm staatlicherseits überlassene Gerstenmenge in der Hauptsache nur zur Streckung seines Brotquantums benutzen. Zur Schweinefütterung dagegen soll Gerste weniger tauglich sein.
Gerste unterm Brot kann ebensowenig wie dem Bauersmann auch den unter der Fürsorge der Kommunalverbände stehenden Bevölkerungsteilen schaden. Der Gedanke liegt nahe, daß viel gewonnen würde, wenn die Behörde für Brotversorgung die den Landwirten gelassAne Gerstenmenge nach Belieben ganz oder teilweise gegen Korn eintauscht, das dann zur Beschaffung von Fleisch verwendet werden und der Viehzucht zugute kommen könnte.
Kriegsgedanken. Nuch die scheinbar materiellsten Dinge läßt uns der Krieg in einem idealen Licht erscheinen, wir flehen jetzt täglich und stündlich um eine gesegnete, den wirtschaftlichen Bedürfnissen unseres Volkes entsprechende Ernte. Möchten wir uns bei unfern angelegentlichen Bitten den Gedanken gegenwärtig halten, daß der Mensch nicht eher das Necht hat, den Herrgott um seine Mithilfe zu bitten, als wenn er selbst alles getan hat, was in seiner Macht steht, die Nöte abzuwenden. N. G.
Die Stoöt Metzen am Anfang des U- Jahrhunderts.
(Fortsetzung.)
wie wir schon in der vorigen Nummer bemerkt haben, so hat ein Magister N. die Beschreibung Dietrichs im „Gießer Wochenblatt" das Jahres 1771 abgedruckt und mit Anmerkungen versehen. Dieser Magister war der Magister Nam- bach, ein Sohn des berühmten Gießener Professors und Pfarrers Nambach, der hier am 19. Npril 1735 gestorben ist und dessen Grabstein noch, auf dem alten Friedhof zu finden ist. Nambach hatte am Ostersonntag, dem 10. Npril 1755, noch in der Stadtkirche gepredigt und am Ostermontag noch Kinder konfirmiert, am 13. Npril wurde er krank und erlag der Krankheit schon sechs Tage später. Sein Freund, der Pfarrer an der Burgkirche, Johann Philipp Fresenius (gebürtig aus Nieder-Wiesen im heutigen Nheinhessen, kam später nach Frankfurt, und ist der Pfarrer, der Goethe getauft hat), war damals von Gießen abwesend, kam aber auf die Nachricht von der Erkrankung Nambachs sofort zurück und stand ihm in seinem Sterben bei, hielt ihm auch nachher die Grabrede. Nambach starb im Nlter von 42 Zähren und hinterließ außer seiner Witwe mehrere kleine Kinder. Nls Fresenius gerade bei ihm war, weinte im Nebenzimmer der kleine zweijährige Jakob, der später als Magister Dietrichs Beschreibung übersetzt und veröffentlicht hat. Da sagte der sterbende Vater zu dem Freunde: „hörst du, wie mein kleiner Jakob so schön singt: er kann und wird dich lassen nicht, er weiß ja wohl, was dir gebricht." Nls die Glocke der Stadtkirche gerade den Nbend einläutete, verschied der junge Familienvater. Obwohl Jakob ohne die Führung des Vaters durch das Leben gehen mußte, wie jetzt so viele Kinder, deren Väter auf dem Felde der Ehre gefallen sind, so wurde er doch ein tüchtiger Mann.
Er wurde von einer treuen und klugen Mutter erzogen, besuchte das Gießener Pädagogium (Gymnasium), studierte hier Theologie und Philologie, wurde dann Lehrer am Pädagogium und stand als solcher in hohem Nnsehen. vom Jahre 1765 an hielt er auch philosophische Vorlesungen an der hiesigen Universität und wurde außerordentlicher Professor der Theologie und Definitor. Der Definitor war in alter Zeit ein geistlicher Würdenträger, der die Kandidaten der Theologie zu prüfen hatte. 3m Jahre 1775 wurde Nambach Konrektor am Gymnasium_zu Frankfurt a. M., trat 1803 in den Nuhe- stand und starb am 11. Juni 1808. Liner seiner Gießener Bekannten nennt ihn den „Biederen, den Menschenfreund, den Treuen, den rastlosen und geschulten Lehrer der Jugend!"
Nus den Erläuterungen, die Nambach zu dem ersten Nb- schnitt der Beschreibung Dietrichs gibt, teilen wir folgendes mit:
,,Den Namen Gießen schrieb man in den ältesten Zeiten Geyzen und Giezen, nachher Gießen und sagte stets- in der mehrern Zahl: die Gießen, zu den Gießen, woher die Stadt solchen Namen bekommen, ist ungewiß. Nbraham Saur und winckelmann glauben, daß sie von Ergiesung des hier zusammengeflossenen Negenwassers also benennt worden, welches ihnen die neueren häufig nachgeschrieben. Mir aber scheint dieses sehr zweifelhaft, weil so viele andre Städte, Flecken und Dörfer, wohin sich auch, wegen der tiefen Lage das Gewässer starck ergieset, dennoch den Namen Gießen nicht haben, wenn übrigens doch hierinnen nur Mutmasungen stattfinden, so scheint mir diese die wahrscheinlichste, daß sich etwa ehemals an dem Grte, wo itzo Gießen oder doch die Burg steht, eine angesehene Familie, die sich Gissonen (Gie- zonen) oder Gießen genant, aufgehalten habe, wovon hernach der Name der Stadt: die Gießen, und die Nedensarten zu den Gießen, bey den Gießen entstanden, gleichwie viele auch glauben, daß St. Goar von einem daselbst ^wohnhaft gewesenen Einsiedler dueses Namens benent worden."
Zu dieser Deutung des Namens Gießen ist auf Grund der neueren Forschungen folgendes zu bemerken*): Der Name „ze den Gyezen" (zu den Gießen) hat mit den Gisonen nichts zu tun. Er bedeutet tatsächlich - zu den Bächen. Saur und winckelmann haben daher die richtige Deutung geahnt.
Ueber die Entstehung der Stadt Gießen bemerkt Nambach Folgendes: „von dem Ursprung der Stadt schreibt Nbraham Saur, ein vormaliger Ndvokat zu Marburg, in seinem Nnno 1593 herausgegebenen Iheatro urbium parvo also: Gießen ist vorzeiten ein klein Nest oder Dorf gewesen, Demungen genannt, so in einem Schlampf oder Sumpf gelegen und nachmals vom Negenwasser, so hauffenweiß daselbst hingeflossen kommen, Gießen genannt worden. Es ist auf dem Markte so tief gewesen, daß die wagen bis an die Nxen seyn eingegangen. Man weiß aber nicht, wann es zu bauen fei angefangen. Johann Justus winckelmann aber gibt in seiner Hess. Thronik, die er 1697 geschrieben, folgende Nachricht: Der ursprünglichen Erbauung der Stadt Gießen ist man nicht gewiß. Glaubwürdig wird dafür gehalten, daß vor gar alten Zeiten drey Dörfer als Seltzer, da itzo das Selherthor, Gropbach, vor dem Neustätterthor, annoch das Gropacherfeld genannt, und Nstheim, wo itzo die Gasse der Nsterweg genannt stehet, allhier sollen gewesen seyn, darzwi- schen zunächst ein Burgschloß gestanden, itzo noch die alte Burg genannt, welcher Grt wegen des damalen umgebenen Morastes sehr fest gewesen, wie sich denn noch vor Zähren sehr
*) Die Nachprüfung der Bemerkungen, welche Nambach gemacht hat, verdanke ich Herrn lvberbibliathekar Dr. (Ebel, der der beste Nenner der Geschichte der Stadt Gießen ist. 6- o-


