Die drei Wochen zwischen dem Sonntag Kogate und dem Trinitatissonntag waren für uns Wochen der Zorge. Ts regnete beinahe ohne Unterlaß, selten schien die Sonne durch die graue Wolkenwand hindurch, viele unter uns glaubten schon, daß nach dem hundertjährigen Kalender wieder das Kegen- und Mißjahr 1816 käme, was bas für unser in schwerem Kampfe stehendes Volk bedeutet hätte, wissen wir alle. Setzt verstehen wir Luthers Wort, daß Gott uns vor Ungewitter, Hagel und anderen Heimsuchungen bewahren möge, wir danken dem Kllmächtigen, daß nun die Sonne wieder scheint und die Saat dem Trntetag entgegenreift. Unter seinem Schutze werden wir in diesem Kriege den Sieg davontragen.
H.D.
Die Dienerin.
Sn der Ueihe der Frauengestalten, deren Sein und wirken in unserem häuslichen Leben einen nicht zu unterschätzenden Platz einzunehmen berufen sind, steht auch die Gestalt der Dienerin. Ts ließe sich sicher sehr viel darüber sagen, ich möchte mich aber damit begnügen, sie darzustellen, wie sie mir aus meiner längst entschwundenen Kinderzeit in der Erinnerung fortlebt. Wohl waren damals andere Zeiten als jetzt, aber ich frage mich oftmals, ob wir alle, Hausfrauen und Dienerinnen, nicht viel glücklicher sein konnten, wenn etwas mehr Freudigkeit für die zu bewältigende Kr- beit und dem daraus folgenden Anerkennen und Dank für das Geleistete uns erfüllte.
Sicher gibt es bei jedem Zusammenwirken Schwierigkeiten zu überwinden, das ist in diesem Leben hier nicht zu umgehen' vielleicht sind auch gerade diese Schwierigkeiten, notwendig für unsere innerliche Entwicklung,' sie sollen uns lehren, das wesentliche von dem Unwesentlichen zu unterscheiden, kleinen Dingen nicht den wert beizulegen, den Twigkeitssragen für uns haben sollen.
wenn ich nun an mein Elternhaus zurückdenke, an das Leben und Treiben in diesem Kinder- und arbeitsreichen Landhause, so bin ich vor allem sehr dankbar dafür, daß wir in so großer Stille und Einfachheit erzogen werden konnten und daß die Hüterinnen unserer Kinderjahre nicht wechselten, wie treu besorgte die alte Kinderfrau alle Kinder, eins nach dem andern,' wie unermüdlich frisch und gleichbleibend war die kleine, zierliche Frau„ die ich nie ohne ihre weiße Haube gesehen habe, deren Eigenart eine steif gestärkte, in tiefe Tollfalten gelegte Krause war, die das Gesicht abstehend umrahmte, bei schneller Bewegung sich bewegte, in Kuhestellung aber dem kleinen alten Gesicht mit den munteren Kugen ein prächtig charakteristisches Gepräge gab. Sch erinnere mich nicht, je ein böses Wort von der guten Frau gehört zu haben, an der wir natürlich mit großer Liebe hingen.
Uuch der übrigen Mitglieder des Haushalts entsinne ich mich einzeln noch sehr gut, daß ich Bilder von ihnen zeichnen könnte, beherrschte ich diese Kunst' sie sind verwachsen mit meinen Kindheitserinnerungen, ein Zeichen, daß sie viele Jahre hindurch im Hause waren. Ein Original befand sich unter ihnen, ein alter Diener, dessen Ehrgeiz darin bestand, sich einer sehr gewählten Sprache zu bedienen, auch schriftlich. So schrieb er einmal, als er das Haus allein hütete, an meine Mutter, die einigen bekannten Herren gern die Erlaubnis gegeben hatte, in Abwesenheit der Familie die Jagd auszuüben, und dem Diener geboten, ihnen dann etwas zu
essen zu geben: „heute speiste ich drei Herren zum Mittagessen", ein Kusspruch, der natürlich zum geflügelten Wort wurde.
Kührend war es, als ich jung das Elternhaus verließ an der Seite eine^ geliebten Mannes, wie einige dieser alten Leute, die noch lebten, es versuchten, mir Freude zu bereiten. So hatte die alte Kinderfrau, als ich nach der Trauung das Vaterhaus wieder betrat, meine, wie sie behauptete, ersten Kinderschuhchen auf einem Tischchen unter Blumen aufgebaut, daneben zwei brennende Kerzen,' mit einer kleinen Feierlichkeit wurden sie mir übergeben als glückverheißend,' viel wertvoller aber erschien mir das alte, nun so klein gewordene Gesicht der treuen Pflegerin meiner Kinderjahre.
Jede Zeit hat zweifellos ihr Gutes, wenn ich aber einen Wunsch für die jetzt lebende Menschheit hege, so ist es der, daß wir wieder zu größerer Einfachheit des Lebens und der Sitten zurückzukehren vermöchten. Diese schwere Kriegs- zeit müßte uns den Uebergang erleichtern, wir dürften dann nicht darüber klagen oder seufzen, sondern sie geduldig und auf Gott vertrauend zu tragen uns bemühen, wie könnten wir daran erstarken, und der Segen dieser großen Heimsuchung würde uns bewußt werden in der größeren Befriedigung und Spille unserer Herzen, und dem Behagen, das sich ganz von selbst um uns und in unserem Hauswesen für jeden einzelnen fühlbar machen würde. Dabei dürfen wir eines nicht vergessen: wir sollen und wollen alle dienen und müssen das als ein herrliches Vorrecht betrachten auf dem Wege, den wir alle gehen: zum Vaterhaus.
Sagen wir uns doch für alle Zeit: „Sch aber und mein Haus wollen dem Herrn dienen!" Baronin K.
Die Hoffnungen des Gustav Adolf-Vereins.
Die Erwartungen und Hoffnungen des Gustav-Kdolf- vereins kennzeichnen sich laut Ausführungen seiner neuesten Mitteilungen teils als gescheiterte, teils als freudig aufrecht erhaltene und neu belebte.
vorwiegend betrübten Herzens blickt er auf das vor einem Jahre bundesbrüchig gewordene Stalien, das neuerdings besonders bittere Früchte seiner welschen Untreue zu ernten hatte, während freilich der als Freund des evangelischen Deutschland bewährte Waldenserpfarrer Paolo Tal- vino in Lugano die italienischen Zeitungen zur Berichtigung der Schauermär zwang, in Stresa am langen See habe man ein belgisches Kind gesehen, dem die deutschen Hunnen beide Hände abgehackt hätten, heißt es in einem vor allen Vertretern des italienischen Protestantismus gehaltenen Vortrag des Professors Tomba: „Sndem wir in diesen Krieg mit eingriffen, haben wir uns derjenigen kriegführenden Gruppe angeschlossen, di^e offenbar das gute Kecht, die Gerechtigkeit, die verletzte Wahrheit, die bedrohte Zivilisation verteidigt; wir haben uns auf jene Seite gestellt, die angegriffen wurde, ohne daß sie herausgefordert hätte,' auf jene Seite, die für die Erhaltung des Friedens und nicht für den Krieg war,' die andern waren für den Krieg!" — Bezüglich des uns verbündeten Oesterreich-Ungarn gehen die Nachrichten den umgekehrten weg: vom Unerfreulichen zum Erfreulichen. Die evangelischen Schulen, die von ihren Kirchengemeinden aus eigenen Mitteln zu erhalten sind, litten unter dem Krieg, so in der ältesten Pflegegemeinde Gosau am Fuße des Dachstein und deren Schwestergemeinde Eferding in Oberösterreich. Lehrer wurden zum Kriegsdienst einberufen, Kinder zur Feldarbeit herangezogen. Sn Kroatien


