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dagegen heißt es, die evangelische Gemeinde der Hauptstadt leuchte jetzt wie eine Stadt aus dem Berge.Me mancher deutsche Soldat mag dort Erquickung und Trost gefunden haben." Trotz der steigenden Mindereinnahme der Kirchen­kasse stieg in Bgram die Zahl der Schulkinder auf 320. Für unbesetzte Sehrerstellen fanden sich Hilfskräfte. Man hofft, im äußersten Süden des Reiches weiter treu Macht halten zu können. Buch in Galizien und der Bukowina sieht man, nachdem das Land durch deutsche Kraft und deutsches Blut wieder gewonnen ist", einer besseren Zukunft entgegen. Der Gustav-Bdolf-Verein ist gewillt, die deutschen Gemeinden, von denen nach der Flucht des Kinderheims aus Stanislau- unter Führung des wackeren Pfarrers D. Zockler und wäh­rend dessen Hilfsunternehmung viel in die Öffentlichkeit gedrungen ist, in ihrer Zuversicht nicht zuschanden werden zu lassen. Sn Bussisch-Polen ist es nach einem Beisebericht des Generalsekretärs Pfarrer Geißler beim Bückzuge der Bussen über unsre Volks- und Glaubensgenossen schlimmer als über die Polen und ebenso wie über die Juden her­gegangen. Die blutigsten und ruchlosesten Frevel seien ver­übt. Zu Mlawa, einer meist von Juden bewohnten Stadt, erkannte ein Feldprediger in dem kleinen, schlichten, etwas abgelegenen Gotteshaus die deutsch-evangelische Kirche, die ihre Entstehung größtenteils dem Gustav-Bdolf-Verein ver­dankte. Der Feldgeistliche trat an die Stelle des nach Sibirien verschleppten Pfarrers und hielt allabendlich Gottesdienst. Immer zahlreicher scharte sich eine Soldatengemeinde um die in vorbildlicher Treue sich einfindenden Deutsch-Bussen, deren pflege dem Nachfolger im Feldpsarramte warm ans Herz gelegt wurde.

Besonders liebliche Friedenshoffnungen aber hegt der Gustav-Bdolf-Verein nicht nur im Hinblick auf das nach Not und Drangsal aufatmende Ostpreußen, wo die Gottes­dienste zum großen Teil noch neben den Trümmernder lieben alten Heimatkirche" abgehalten werden, sondern auch auf dasGottesländchen Kurland".Zwei Millionen Evan­gelischer wohnten dort, von denen der zehnte Teil auch deutschen Blutes war. Die Uebrigen wußten, wieviel sie dem Deutschtum und Luthertum verdankten." wie dann aber in den vierziger und besonders seit den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts gegen das evangelische Deutschtum gewütet worden, ist bekannt. Bun hofft man auf die Er­füllung der Inschrift auf dem Bbendmahlskelch, dessen oberen Teil man jetzt nach Vertreibung der Bussen von einem Dunghaufen aufhob:Mas Menschen raubten, wird Gott ersetzen. Bnno 1723."

Mochte dieses Wort getroster Glaubenszuversicht hier und auf recht vielen andern Arbeitsgebieten des Gustav- Bdolf-Vereins herrlich und reichlich bewährt werden!

Die Stadt Gieften am Anfang der XI. Jahrhunderts.

Im Jahre 1613, also fünf Jahre vor dem Busbruch des großen Krieges, den man in der Geschichte den Dreißigjähri­gen Krieg nennt, hat ein gelehrter Mann, Konrad Dietrich mit Namen, ein lateinisch geschriebenes Werk *) herausgegeben, in dem er auch die Stadt Gießen beschreibt. Diese Beschreibung

*) Konrad Dietrich lauch Dieterich und Dietericus) war 1575 zu Gewunden an der Wohra geboren, wurde Archidiakonus (Pfarrer) zu Marburg, 1607 Professor der Philosophie _zu Gießen, 1614 Superin­tendent zu Ulm, wo er 1639 starb. Seine Beschreibung der Stadt Gießen ist seinem WerkeInstitutiones oratoriae" entnommen. Dieses Buch enthielt eine Mustersammlung lateinischer Beden zu Uebungszwecken für Schüler, daher rührt auch der einfache und knapp gehaltene Stil. Der Magister, der diese Beschreibung herausgegeben und mit Erläu­terungen versehen hat, hieß Bambach.

ist im Jahrgang 1771 desGießer Wochenblattes" in einer deutschen Uebersetzung von einem ungenannten Uebersetzer, der sich alz Magister B. bezeichnet, veröffentlicht worden. Magister B. hat diese Beschreibung mit einer Beihe von Er­läuterungen versehen, wir geben im folgenden seine Ueber­setzung wortgetreu und in der Schreibweise der alten Zeit wieder, um später auch das aus seinen Erläuterungen beizu- sügen, was für unsere Zeit noch interessant ist. Diese Be­schreibung, die im Stil der klassischen Schriftsteller gehalten ist, hat folgenden Wortlaut:

1 .

Der Ursprung der Stadt Gießen ist gantz unbekant, daß sie aber doch eine der ältesten Städte in Hessen sey, beweisen noch Ueberbleibsel von Blterthümern. Man kann dieses schließen aus einem lateinischen Diplom, das ihr Landgraf Otto im Jahr Thristi 1325 den 21ten Bugust ertheilt hat, worinn er eben die bürgerliche Privilegien denen (dies sind seine eigne Worte) die vor oder außer der Stadt Gießen, wohnen, verstattet, welche die Bürger innerhalb der Mauern genießen. Daraus ist also wahrscheinlich, daß die Stadt lange zuvor, und zwar zu den Zeiten der heil. Elisabeth schon ge-^ wesen sey, welches man auch aus dem Blterthum der Mauern urtheilen will.

2 .

Die Stadt liegt an einem Grt, der ein alter Sitz unds wohnplatz der Tatten gewesen, .nämlich in dem Theil des Obernhessen, der an die wetterau grenzet, an einem ebenen und sumpfigten, aber doch sehr bequemen Grt, nämlich gegen Mittag 6 Meilen von Frankfurt am Mayn, gegen Bbend eine Meile von Wetzlar, gegen Mitternacht 3 Meilen von Mar­burg und gegen Morgen zwo Meilen von Grünberg. Diese Lage gibt ihr auch deswegen einen Vorzug vor den übrigen hessischen Städten, weil die Hauptstraße von gantz Hessen, die nach Franckfurt und Speyer führet, mitten durch die Stadt gehet, vermag welcher aus ganz Sachsen und den meisten um­liegenden, so wohl mittägigen, als auch Bbend- und Morgend­gegenden des gesamten Teutschlands, den Studenten und übrigen Einwohnern der Stadt wöchentlich Briefe durch die sichere Briefposten von ihren Eltern und Bnverwandten über­schickt, andere Notwendigkeiten aber durch die postwägen ohne große Kosten zugeführt werden können.

Bnfangs ist die Stadt rund und klein gewesen, wie die Merckmale der alten Mauern zu erkennen geben, welche von dem durch die Stadt hinfließenden Wasser eingeschlossen wur­den. Sie ist aber hernach, vor dem Jahr 1325, durch räum­liche Vorstädte so erweitert worden, daß ihr nun an der ge­hörigen Größe einer Stadt nichts abgehet. Sie hat 4 Thore nach den 4 Gegenden des Himmels, durch welche sie auch in eben so viele Ouartiere und Hauptstraßen eingetheilt wird. Markt und Bathhaus aber liegen in der Mitte, wie das Hertz oder der Magen in dem menschlichen Körper. Gegen Morgen ist das Nevrweger Thor angelegt, gegen Mittag das Franckfurter, gewöhnlich das Seltzerthor genannt, gegen Bbend das heuchelheimer oder Neustädter Thor, gegen Mitter­nacht das Marburger oder Wallthor. Ihr Umkreiß ist so groß, daß man die Schoren zu umgehen eine Stunde nothig hat. wegen ihrer vortheilhaften Lage hat sie Philipp der Groß­mütige im Jahr 1530 mit wall und Graben starck bevejtigen lassen, und dies aus wichtigen Ursachen. Denn es wollte dieser hochweise Fürst, daß Gießen dem gantzen Hessenland zu einer starcken Schutzwehr dienen sollte, wodurch allen Feinden der Zugang zu demselben gäntzlich abgeschnitten würde. Durch Ernst aber, den Grafen zu Solms, ist auf Befehl