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Das harte Kreuz, - es liegt zu Füßen ihm, -- Er lebt, und mit ihm alle, die ihn lieben!

Balb rühmen sie mit ungezählter Scfyar:

Das Kreuz zerbrach, der Heiland ist geblieben!

vorbei der Kampf, der letzte Feind besiegt,

Weit unter uns blieb alle Leidensschwere,

Die Last des Kreuzes, die uns wund gedrückt,

Und. nur der Heiland blieb! Ihm sei die Ehre!"

Und wir daheim? wir legen alles Leid,

Und dieses Weltenkrieges blutge Schmerzen Zu Füßen dem, der für uns überwand,

Erbitten Stegeskraft an seinem Herzen.

Wie bald ist dieses ganzen Lebens Kampf,

Der Druck, der unsre Kräfte aufgerieben, vorüber! und dann gilt's in Ewigkeit:

,,Das Kreuz zerbrach, der Heiland ist geblieben!"

Gräfin Helene Waldersee.

Ein Brief von Missionar Heinrich Walther.

Unsere Leser erinnern sich noch dankbar der schonen und anschaulichen Schilderungen, die unser Landsmann Hein­rich Walther aus Beuern, seit 1911 als Missionar im Dienste der ,,Evangelischen Missionsgesellschaft in Lasel", vor dem Kriege imSonntagsgruß" über seine Rrbeit und über Land und Leute in Kamerun veröffentlicht hat. Leider haben wir seither seit Rusbruch des Krieges nichts von ihm gehört, wir erfuhren nur, daß er wie die übrigen Kameruner Missionare in französische Gefangenschaft geraten ist, und wir waren über sein Schicksal recht besorgt. Uun lesen wir im Organ der genannten Missionsgesellschaft, demEvangeli­schen Heidenboten", einen Brief, den Walther an den Heraus­geber des Blattes, Pfarrer und Missionssekretär Hans Un­stein in Lasel, gerichtet hat. Nach diesem Lriefe befindet sich Walther jetzt als Gefangener zu Mediouna in Marokko. Lein Brief, den wir mit freundlicher Erlaubnis des Herrn Pfarrers Unstein hier veröffentlichen, hat folgenden Wortlaut:

Mir geht's gesundheitlich, Gott sei Dank, noch ganz gut. Krank bin ich bis jetzt noch nicht gewesen, und dieses treibt mich zum Loben und Preisen. Ich kann den Vers aus dem LiedLobe den Herrn, den mächtigen König der Ehren" so ganz mitsingen.Lobe den Herrn, der künstlich und fein dich bereitet, der dir Gesundheit verliehen, dich freundlich geleitet. In wie viel Lot hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet." - Um 4. Juli 1915 verließen wir Ubomey, um nach Marokko überzusiedeln. Da aber der Dampfer, der am 5. Juli von Totonou abging, nicht alle Kriegsgefangenen nehmen konnte (etwa 320), da noch fran­zösische Besatzung an Bord war, so mußten die Herren von den Buchstaben RZ in Totonou Zurückbleiben. Zu diesen gehörte auch ich. Und so blieben wir noch fünf Wochen in Totonou liegen, bis am 9. Uugust ein anderer, kleiner Dampfer kam (Tibet") und uns nach Easablanca brachte. Un manchen französischen Häfen liefen wir an, und auch an der englischen Stabt Uccra, wo unsere Mission tätig ist, hielten wir für kurze Zeit. Wie wenig Verkehr fand ich da, welch ein Unterschied bei meiner Uusreise und jetzt. Wie mußte ich an unsere schöne Urbeit und an unsere Geschwister, die dort tätig sind, denken. Um 18. Uugust kamen wir abends gegen 9 Uhr in Dakar an. Unvergeßlich wird mir der schöne Ubendhimmel an diesem Tage sein. Nachmittags etwa um

3 Uhr hatten wir ein Gewitter. Nach demselben klärte sich der Himmel, vor der untergehenden Lonne stiegen Tausende von kleinen Wölklein am Himmel auf, die einer Lchafherde ähn­lich "sahen. Die untergehende Lonne nun färbte diese Wölk­lein ganz rot, so daß man sich unwillkürlich in eine blühende Heidelandschaft versetzt meinte. Dazwischen war dann ver­einzelt noch eine schwarze Wetterwolke z!u sehen, die dann die Bäume markierte, die in der Heidelandschaft sich erheben. Uuch andere Bilder waren zu sehen, wie eine brennende Stabt, ein Lee usw. Wie friedlich sah dieses aus, und meine Gedanken gingen wieder zu den Völkern, die in Unfrieden miteinander leben und sich zerfleischen. Möchte es bald Friede werden! Um 26. Uugust kamen wir in Tasablanca an, von wo wir am 1. September hierher nach Mediouna über­siedelten. In einem großen Hofe, der von einer sehr hohen und dicken Mauer umgeben ist, sind wir in Zellen unter­gebracht. Diese Mauer kann schon einige hundert Jahre alt sein und wird wahrscheinlich von den Berbern erbaut sein. 33 Zelte an der Zahl sind hier aufgeschlagen worden. In jedem Zelt liegen etwa zehn Mann. Unser Lager liegt an einer großen Karawanenstraße, auf der man täglich große Kara­wanenzüge sieht. Die Kamele sind immer schwer beladen, viele Bilder erinnern uns ganz an die biblischen Bilder, da die Leute hier auch so ähnliche Kleider haben, wie im Morgenland. 5o sah ich einigemal einen Mann mit einem großen Kleid angezogen, mit Sandalen an den Füßen, auf dieser Straße einen Esel führend. Uuf diesem saß eine Frau ganz weiß eingehüllt, das Gesicht gänzlich bedeckt, in dem Urm ein kleines Kind haltend. Ganz die Flucht nach Uegyp- ten. Tin ähnliches Bild, wie die Jünger von Emmaus habe ich auch schon mehreremal gesehen und andere mehr. Im Feld ist eine großartige Blumenflora in det gegenwärtigen Zeit, fast wie zu Haus im Monat Mai. Es sind heimische Garten- und Wiesenblumen. Erstere wachsen hier wild. Da sind es die schönen Schwertlilien, Narzissen, Goldblumen usw. von den Wiesenblumen sind es die Gänseblümchen, Hahnenfüße, Wiesensalbei, Wiesenschaumkraut und andere mehr, welch eine Pracht! Ein kleiner Ersatz für die Heimat. Ruch hei­mische Vögel treffen wir hier, die nur vorübergehend hier sind, wie die schimmernden Lchwarzröcke, die Stare, Lerchen, Störche usw. Ruch treffen wir als heimischen Gesellen unfern heimischen Zperling hier an, der schon in früher Morgen­sonne seine Töne erschallen läßt. Die Nächte hier sind noch ziemlich kalt. In der letzten Nacht war wieder, wie schon einigemal, eine dünne Eisschicht auf dem Wasser. Ueber Tag ist es schon ziemlich warm hier. Der Gesundheitszustand war durch diese kühlen Nächte etwas besser geworden, ver­mute aber, daß, wenn die Wärme wieder zunimmt, die Krank­heitsziffer wieder größer wird. - Rls Rrbeitsfeld ist mir wieder die Krankenbehandlung zugeteilt worden. Leit dem 3. Dezember 1914 darf ich den Kameraden dienen, vor einigen Tagen hielt ich meine 54. Nachtwache. Meistens waren es Lchwarzwasserkranke, bei denen sich diese Wachen voll­zogen. Freilich ist Rbomey damit eingerechnet. Der Herr hat mir immer Kraft gegeben, daß ich dieses tun konnte. Darum dürfen wir. auch hier Gottesdienste halten. In Rb- wechslung mit den Bremer Brüdern halten wir alle vier Wochen (im Rnfang alle 14 Tage) Gottesdienst. Leider ist das Bedürfnis nicht so groß! Rllen Brüdern hier geht's so ziemlich gut. Herr Kaufmann und Becher haben ein Lchwarzwasser durchgemacht. Herr Link hatte Dysenterie. Leidet gegenwärtig noch am Herzen. Herr Nagel, Klotz, Messner, Nestele und Leithäuser waren fast noch nicht krank.