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Herr Jungmann litt auch längere Zeit an Fieber, ist aber jetzt wieder ganz hergestellt. Buch den Bremer Brüdern geht's ganz gut. würden Sie so freundlich sein und meinen Lieben in der Heimat Beuern bei Gießen (Hessen) mitteilen lassen, daß mirs noch ganz gut geht. Und nun Gott befohlen, Gott sei bei Ihnen und segne Sie! Grüßen Sie, bitte, Ihre Frau Gemahlin, sowie Ihre Lieben alle herzlich von mir, alle Herren des Komitees, Herrn Inspektor Dettli, alle Brüder, alle Hausgenossen im Missionshaus, meine Freunde durch den Heidenboten, seien Sk aber aufs herzlichste gegrüßt von Ihrem dankbaren Heinrich Walther.

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Uebrigens möchten wir bei dieser Gelegenheit alle Freunde der Basler Mission, die hier und in Umgebung ja zahlreich vertreten sind, auf denEvangelischen heiden- boten" Hinweisen. Das Blatt, das monatlich erscheint, bringt viele interessante Berichte aus den einzelnen Brbeitsgebieten der Basler Mission, die leider durch den Krieg sehr behindert ist. Erfreulich ist, aus dem Gabenverzeichnis des Blattes zu entnehmen, daß auch aus Deutschland während des Krieges noch recht viele Beiträge für die Mission eingehen.

Sonnenandacht.

Ueber den letzten Häusern der Stabt am Bande von Kartoffel- und Gemüseland . und grünen Bleichen ging die Sonne unter. Nicht als glühroter Ball, der mich stets an die Luftbälle" erinnert, wie sie,' an dünnem Faden gehalten, gegen den Himmel stehen über den Kopsen glückseliger Kin­der. Nein, die Sonne glich in dieser Scheidestunde einem wunderbar seelenvollen Buge, ausgießend einen Strom von Licht, das warme Schatten auf die grünen und braunen Bckerstücke legte, das die angrenzenden Felder mit Goldtupfen und Goldstreifen verzierte und in einen schimmernden Däm­merflor die Ferne hüllte mit der blauschwarzen Wälderkette im Hintergrund.

Gottes Buge! wie kann ich es mir anders denken, als in solcher Buhe und Schönheit über seiner Welt und seinen Geschöpfen wachend!

Unsere Vorfahren haben die Sonne (im Sonnengott Bal­dur) heilig gehalten und angebetet. Ich kann solche Gottheit­verehrung nicht als Götzendienst auffassen!

Leben, dienen und opfern, heißt Gott dienen und opfern. Vor einem toten holzbild mit der Hohlheit vollkommner Ohn­macht Knien und bitten: das allein bedeutet Götzendienst! Denn die Natur, wie die Welt des Himmels, trägt und ver­kündigt Gottes Geist, lebendig und glaubwürdig.

Die Blten Haben die ewige Wahrheit unmittelbarer be­sessen, als wir in unserer unruhigen Zeit, die die Gedanken treibt und jagt und vorwärts drängt, daß sie verwirrt und zerstreut sind vor Gottes Thron.

Ls war menschlich begreiflich, meine ich, daß unsere Vor­fahren viele Götter besessen haben! Bllvater Wodan wollten sie nicht nahen mit ihren kleinen und großen Böten des Blltags, aus Ehrfurcht und dem Gefühl menschlicher Klein­heit gegenüber seiner göttlichen Hoheit! So schüfen sie sich ihre Hausgötter, die mit ihnen weinten und litten und mit ihnen froh waren. Bus begrenztem Menschenkönnen und -wollen hervorgegangen, besaßen sie aber auch deren Schwächen und Fehler. Und was waren diese Götter anderes, als ein reines Bbbild ihres Menschentums! Bus eigner Machtvollkommenheit konnten sie das Korn nicht segnen, daß seine Behren voll goldner Körner wurden, und die

Weinrebe, daß sie sich beugte unter der Last funkelnder Trauben, vor Krankheit und Tod konnten sie nicht schützen, weil sie selbst beidem unterworfen waren. Im letzten Grunde war doch Bllvater Wodan*) des Lrdenvolkes gewaltiger Schutzherr!

Line Helle Sonnenseite besaß die Götterverehrung der alten Germanen doch : sie gewann dem Himmelsherrn ihre Seelen, ganz und ohne Falsch. Ungetrübt und unbeschwert vom Blltag, versammelten sie sich an geweihter, stiller Wald­stätte ; im weiß wirbelnden Opferrauch, im Bosenschein der Gpferflamme erlebten sie ihre höchste und heiligste Gott­heit und neigten, umbraust vom Orgelton der alten Buchen und Lichen, das Bntlitz vor ihm, wunschlos, glücklich, friedevoll.

Das Kriegsschicksal schreitet jetzt durch die Lande,' an alle Herzen klopft es, Wunden schlagend, eine schmerzvolle Lrnte haltend und lehrt uns, aufmerksamer die gewaltigen Ereig­nisse schauen, gewisser und vertrauensvoller an Gott glauben, der in ihnen lebt und allmächtig herrscht. Line unschätzbar schöne Erkenntnis hat sich nach und nach in meinem Herzen eingewurzelt, daß, in der heiligen Schrift und in der Natur, deren unvergängliches inneres Wesen, von Tag zu Tag neue Lebenskraft empfangend, wir nicht wahrzunehmen vermögen, das lebendige Wort Gott ist, in seiner Baumweite und Bb- grundtiefe, in seiner Sonnenhelle und ernsten Größe!

Ich schaue in das flammende Lichtmeer. Nur für einen Bugenblick, Menschenaugen können solchen Glanz nicht lange ertragen. Bber noch durch die geschlossenen Lider hindurch spüre ich die Pracht bis ins Herz hinein und erkenne und verstehe, nie wahrer als in diesem Bugenblick, das Jesus- wort von der Seligkeit des Nichtschauens und doch Glaubens!

Ich habe Gott früher mit Händen greifen, meine Hand, wie der ungläubige Jünger, in seine Seiten legen und seine Hand fassen und fühlen wollen. Lin anderes Fassen und Fühlen hat mich die Menschenseele gelehrt: kann ich mir von ihr ein Bild machen, ein Menschenbild mit Leib und Glie­dern ? Und doch nehme ich sie wahr im Lächeln des Mundes und der Bugen, im freundlichen Werk der Hände, im warmen Wohllaut der Stimme, die Seele, das zarte Gebilde des Lichts !

Sollte die Gabe nicht eine Bhnung einflößen können von der himmlischen Herrlichkeit des Gebers!

Lin lieber und werter Freund unseres Hauses hat ein­mal sehr schön und innig von unserem zukünftigen Leben gesagt,daß wir aufgelöst werden sollen in Gott," die wir ein Teil von ihm sind, Kraft von seiner Kraft, Geist von seinem Geist!

Die Sonne ist hinabgesunken, von ihrer verschwenderi­schen Lichtfülle weilen noch Spuren allerorten: leuchtende Grüße vom Jenseits, wo der Friede daheim ist an den wassern ewigen Lebens. K.

Worte zum Nachdenken in der Nriegrzeit.

Je mehr jetzt ein jeder in seinem engeren Kreise erschüttert ist und fühlt, daß dieser nicht für sich bestehen kann, desto mehr strengt auch jeder sich an, mehr ins Große und in die Ferne zu sehen,' je mehr alle Bücksichten auf das unmittelbar Nächste vergeblich werden, desto lieber sucht jeder seine Bestimmung und Haltung in den größeren Ver­hältnissen und lernt mutig die Grundgesetze der Weltregie­rung ahnen. - Je mehr die Bnhänglichkeit an die Kleinig­keiten des Lebens verschwindet, desto verständlicher wird die

*) Lkandinavisch: Odin, bei den Oberdeutschen: Wuotan.