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Psingstgeist.

2. Tim. 1. 7.

Gott gab uns nicht den Geist der bangen Furcht, Der Rngst, die nimmer Großes lasset wagen,

Den Geist, der nur das Feuer dämpfen kann,

Vas brannte in den ersten Kampfestagen,

Rls Deutschlands tapfre Heere losgestürmt,

Den Rnprall kühn in Ost und West bezwungen,

Und dank dem Mute der Begeisterung

Mit Macht in Feindesland tief eingedrungen.

Gott gab statt Furcht den Geist der Kraft,

Der nicht gebunden sein muß an die Masse,

Der alles niederzwingen, wälzen sollt'

In wildem ungestümem Drang und Hasse,

Im Osten kurz anfangs Erfolg erzielt Und laut gejubelt: alles sei gewonnen!

Und doch im Grunde gleich die Zach' verspielt, weil nur mit Frevel ward der Kampf begonnen.

Ruch weil der Geist der Liebe da gefehlt,

Die schließlich doch das Beste hier auf Erden, Und opferwillig Herz und Zinn beseelt,

Und durch nichts Besseres ersetzt kann werden,

Die unserm Heer und in der Heimat auch Die Kraft gab, alles willig hinzugeben,

Den wunderbaren Heldengeist erzeugt,

Fürs Vaterland zu lassen selbst das Leben.

auch hat die etwas ältere Zchwester dem jüngeren Bruder aus einer Klemme irgendwelcher Rrt geholfen,' wie oft wohl auch vor Torheit bewahren können, sie war ihm die ver­traute, von der er Mußte, daß sie nicht nur Gespielin, son­dern auch selbstlose Helferin in allen Zchwierigkeiten des Kinderlebens war. Rm schönsten ist wohl der aufopfernden Zchwesternliebe ein Denkmal gesetzt in dem Drama von Zo- phokles, derRntigone", der griechischen Königstochter, die sich für den toten, unbestatteten Bruder opfert, indem sie ihn heimlich bestattet und sich so die Todesstrafe von seiten des Herrschers Treon zuzieht. Rus ihrem Munde stammt das Wort: zum Lieben, nicht zum Hassen ward ich geboren. Diese Liebe hier schließt alles Begehren aus, sie will sich nur selbst­los betätigen, für die Geschwister zunächst, und in weiterem Zinne für die Brüder und Zchwestern, die ihrer im ganzen -großen Leben bedürfen, d. h. für alle Leidenden und Zchwachen.

Zo ist der schöne Zchwestername übergegangen auf diejenigen, die es sich als Lebensberuf und Ziel setzten, der kranken Menschheit zu dienen. Mögen alle die, die diesen Zchwesternamen tragen, in Wahrheit eine Zchwesterseele in sich bergen, die nichts anderes begehrt, als in der einen großen Familie der Zchwachen und Kranken im Zegen zu wirken, nicht bloß in leiblicher Hilfe durch pflegen und verbinden von Wunden und Zchäden mancherlei Rrt, son­dern auch in ber pflege irrender, Gott entfremdeter Zeelen.

Baronin R.

Gott gab den Geist der Kraft und Lieb' und Zucht, Der Disziplin, dem deutschen Heer zu eigen, vom Feind verspottet, doch im wert erkannt,

Der nicht so leicht und schnell sich läßt erreichen. Militarismus" hat man ihn genannt,

DenPreußengeist", der fähig macht zum Ziege, Und der allein dem deutschen Vaterland Durchhalf in diesem schweren Weltenkriege.

Zo lange dieser psingstgeist weiterlebt In unsern Reih'n daheim und draußen,

Zo lang er herrschen wird im deutschen Volk,

Dies machtvoll feuerschürend Windesbrausen Und wenn der Geist auch nach dem Frieden bleibt, Dann Deutschland brauchst du nicht zu zagen,

Dann führt dich Gott der Herr durch Nacht zum Licht, Zu neuen Zielen in der Zukunft Tagen! h- _ R. H.

Die Schwester.

Ein Bruder und eine Schwester, Nichts Treu'res trennt die Welt; Kein Goldtrettlein hält fester,

Als eins zum andern hält.

Zwei Liebsten oft sich scheiden, Denn Minne, die ist voll Wank'; Geschwister in Lust und Leiden Sich halten ihr Leben lang.

Paul Heyse.

Ist die Stellung der Zchwester im Familienkreise nicht eine einzig schöne, ja unersetzliche? Kann sie nicht oft mit einem Zonnenstrahl verglichen werden, der im ganzen Hause vom Boden zum Keller, bis in die Ecken und Winkel hinein leuchtet und frohe Herzen schafft? Vas Verhältnis der Ge­schwister untereinander kann lebenslang zu dem Beglückend- sten gehören, was es im Leben gibt. Zchon daß man dem­selben liest entstammt, die gleichen Kindheitserinnerungen durch das Leben trägt, verbindet für dies Leben, wie oft

Erinnerungen eines alten Mannes.

25. Der Jugenheimer Tintenkrieg, von Generalarzt a. D. vr. Otto Kappesser in Varmstadt.

lZchluß.)

Nun kehre ich wieder zu meinem ersten Vorhaben zurück. Ostern 1848 habe ich die Landesuniversität Gießen bezogen. Das war eine verwunderlich neue Welt, die sich da ganz un­vermittelt in den Gesichtskreis des aus ländlicher Umgebung stammenden, noch nicht l 8jährigen drängte, und von der Kinder unserer heutigen Zeit sich nur schwer ein Bild machen können. Fast urplötzlich war ein Zturm durch die Welt ge­braust, der alles Bestehende in seinen Grundfesten erschütterte und alte, langvergessene Gedanken und wünsche wieder wach­rief. Die ganze seitherige Weltordnung schien sich wieder als Thaos am ersten Zchöpfungstage in seine Elemente aufzu­lösen, da denn niemand wußte, was sich noch herauskrpstalli- sieren werde. Man denke nur und stelle sich das vor, wie vor unseren Rügen die ehrbaren Herren Professoren, ein Bi­schofs, Eredner, Liebig und wie sie sonst noch hießen, mit ge­schultertem Regenschirm mit andern in Reih und Glied drau­ßen auf dem Trieb standen und sich von polternden alten Unteroffizieren in die Geheimnisse der Kriegskunst einweihen ließen! Eine Polizeistunde gab es schon gar nicht mehr, und insLoose Höfche" gab es keine Grenze zwischen Tag und Nacht. Zeit die akademische Gerichtsbarkeit zu den über­wundenen Ztandpunkten gehörte und die weltliche Obrigkeit zögerte, den verlassenen Richterstuhl des braven Trpgopho- rus *) mit zu übernehmen, stand der Karzer plötzlich ver- lassen, so daß die Zpinnen ihre Werkstätte darin aufschlagen konnten.

Rls ich nun im Herbst in meiner würde als Civis aca- demicus zum erstenmal in die Heimat kam, fand ich dort im

*) Früher Universitätsrichler.