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3m uralten Damaskus stand ich vor jener Moschee, die einst eine christliche Kirche gewesen ist, die wiederum selbst aus einem heidnischen Heiligtum entstanden war. Kn ein korinthisches Portal aus der christlichen Zeit hatte frommer Glaube die Inschrift eingegraben: ,,Dein Mich, o Thriste, ist ein ewiges Reich, und deine Herrschaft währet für und für." Die Erbauer der Moschee hatten die Inschrift sorgsam verputzt. Rber die deckende Lchicht ist zerbröckelt und herab­gefallen, und wieder zeugt die alte Inschrift von dem Glau­ben, der aller Zeiten Mandel überdauert. Ruch Krieg und Kriegsnot gehen vorüber. Und wenn ihre Gewalten Gottes Rufträge werden ausgerichtet haben, wird in alter und in neuer Kraft das Bekenntnis leuchten: Dein Reich, o Ehriste, ist ein ewiges Reich, und deine Herrschaft währet für und für.

Deutsches Heldentum.

Rm 15. März d. 3 - ist Leutnant Rugust Lchenck aus Gießen, der der 5. Kompagnie des Infanterie-Regiments Rr. 68 angehörte, im Rlter von 19 Jahren gefallen. Lein Tod, über den die Tageszeitungen schon berichtet haben, ist unter außergewöhnlichen Umständen erfolgt. Im Dienste hel­fender und rettender Menschenliebe hat der junge Offizier, der von seinen Eltern und Geschwistern tief betrauert wird, sein Leben dahingegeben. Es wird heilsam sein, wenn man den Menschen von heute, die vielfach auch in der ernsten Kriegszeit egoistisch gesinnt sind, wenig praktisches Ehristen- tum üben und nur auf die Befriedigung ihrer Eitelkeit und ihrer Gewinnsucht bedacht sind, das Beispiel des edlen, heldenmütigen Jünglings, der der Ltolz und die Freude der Leinen war und im Beginn des Krieges noch der Kadetten­anstalt zu Karlsruhe angehörte, vorhält. Mir möchten auch wünschen, daß seiner Tat noch in der Zukunft gedacht werde. Mir lassen deshalb die Briefe, die die Mitkämpfer des Gefallenen an die Eltern gerichtet haben, hier folgen.

Regimentskommandeur Major Bohne schreibt am 15. März 1916:

,,Ein schwer verwundeter Franzose er war in der Rächt von gestern zu heute verwundet worden lag in einem Granatloch zwischen der deutschen und französischen Ltel- lung. Der Bataillonskommandeur hatte befohlen, daß der verwundete Franzose heute nacht geborgen werden sollte. Ihr Herr Lohn lief ohne Befehl und trotz Marnung mit einem Unteroffizier an die fragliche Stelle, und so gelang es ihm, den Franzosen bis an das Drahthindernis zu ziehen, hier erhielt er starkes Feuer und fiel, von mehreren. Lchüssen in hals und Kopf durchbohrt. Der Tod trat auf der Stelle ein. Der Unteroffizier sprang unverletzt in den Graben, der Franzose starb in unserm Graben. Ihr Herr Lohn ließ sich bei seinem Tun zweifellos von der guten Rbsicht leiten, den schwer verwundeten Feind zu bergen. Durch seine kühne Tat gelang es, festzustellen, welches fran­zösische Regiment uns gegenüber liegt. Ich hätte Ihren Herrn Lohn für seine Heldentat zur Ruszeichnung mit dem Eiser­nen Kreuz 1. Klasse in Vorschlag gebracht, wenn er sie über­lebt hätte."

Kompagnieführer Leutnant d. Res. heider schreibt am gleichen Tage:

,,In der vergangenen Rächt war von unserem Posten eine Patrouille des Gegners beschossen worden, daß er zwischen »unserer und der französischen Ltellung liegen blieb und wir ihn am Rbend zu uns hereinzuholen gedachten. Rber Ihrem tapferen Lohn wollte es nicht in den Zinn, einen Menschen so lange hilflos liegen zu lassen,' er fürchtete auch, die

Franzosen könnten ihren Kameraden zurückholen. Kurz, allen Vorstellungen und Marnungen zum Trotz stürzte sich Ihr heldenjunge aus unserer Lappe auf bie Stelle vor dem Franzosengraben, wo der verwundete lag. Rls er sah, daß er ihn nicht allein zurückschleppen konnte, winkte er zurück, und Unteroffizier Borchert 5./68 eilte ihm zu Hilfe, und vereint zogen sie nun unter dem heftigsten Gewehrfeuer des Gegners, der trotz der ihm deutlich erkennbaren Rb­sicht der Unsrigen, ihren Kameraden zu bergen, vom Lchießen nicht abließ, den schwerverwundeten Feind zu un­serem Drahtverhau. Mährend sie dieses zu durchschneiden suchten Ihr Lohn hatte gerade noch sieghaft zu seinen Kameraden und Leuten herübergelächelt, ereilte ihn das tödliche Infanteriegeschoß, welches ihn in den Hinterkopf traf. Er sank sofort lautlos zusammen, und gleich darauf machten zwei weitere Lchüsse durch hals und Brust seinem jungen Leben ein Ende. Mir aber schufen uns schnell zu ihm eine Lappe und bargen seinen toten Körper und den von ihm eingcbrachten Franzosen."

Der Bursche, Gefteiter Joseph Leuwer, schreibt:

Rls Bursche von Ihrem vielgeliebten Lohn muß ich Ihnen die traurige Mitteilung machen, daß Ihr Lohn, Herr Leutnant, heute morgen auf dem Felde der Ehre gefallen ist. Ich kann es nicht glauben und nicht zukommen. Er war so gut mit mir, wie ein Vater mit seinem Kinde. Ich werde mein Leben lang an meinen lieben, treuherzigen Leutnant denken. Ich bin gerade die Lachen von Herrn Leutnant am einpacken und werde alles durch die Kom­pagnie abschicken. Die kleine Rrmbanduhr war in Repa­ratur, wird in den nächsten Tagen fertig sein. Ich schicke dann die Uhr mit den Kofferschlüsseln zusammen ab. Der Herr Kompagnieführer, Herr Leutnant heider, hat die übri­gen Lachen, als Geldtasche, Geldbeutel und Loldbuch an­genommen und hat auch bereits an Lie geschrieben.

Zum Lchlusse sendet die besten Grüße

Rchtungsvoll

Gefreiter Jos. Leuwer.

Münsche hierzu mein herzl. Beileid."

Dieser Brief in seiner ungelenken Rrt wird jeden tiefer empfindenden Menschen durch seine Lchlichtheit und Treu­herzigkeit ergreifen. Lo sind unsere wackeren Loldaten, sie bringen ihren Führern Liebe und Treue entgegen, sie gehen für sie durch das Feuer und betrauern sie, wenn der Lchlachtentod sie ereilt hat, tief und innig. Der Krieg, so schrecklich er ist, hat doch das Gute, daß er das Edle in unserm Volke an das Licht bringt. Unser Volk besitzt doch noch Helden­mut und Gemütstiefe, auch wenn vor dem Kriege alles ge­schehen ist, ihm diese wertvollen Eigenschaften zu rauben. Der sei in der Zukunft verachtet, der die schlichten Leute aus dem Volke verachtet. Der Gffiziersbursche Joseph Leu­wer ist für unsere Nation wertvoller als alle ,,Eigenen" undModernen" zusammen.

Endlich sei noch darauf hingewiesen, wie sich der Vor­gang, auf den die mitgeteilten Briefe eingehen, im Gemüte eines Kindes spiegelt. Der Kompagnie des Leutnants Lchenck gehörte auch ein Lehrer aus hornberg im Lchwarzwalde an. Dieser hat den tragischen Fall nach Hause gemeldet, und die dortigen -Lchulkinder haben diesen in einem' Zchulaufsatze behandelt. Dieser Tage gelangte einer dieser Rufsätze hier­her, er hat folgenden Mortlaut:

Ein deutscher Held".

Gegen Morgen hatte einer unserer Vorposten auf eine feindliche Patrouille gefeuert. Ein Franzose wurde verwundet