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und blieb unweit der französischen Stellung liegen. Seine Kameraden ließen ihn feige im Stich und flohen eilends in ihre Gräben zurück. Der Tag brach an. Da sahen wir von unserem Graben aus den verwundeten Franzosen liegen. Sein Stahlhelm war ihm vom Kopfe gefallen, und der Lauf seines Gewehres blinkte in der Morgensonne. Setzt richtete er sich mühsam auf und wandte sein trauriges Gesicht uns zu. Ls war ein noch junger Mann mit tiefschwarzem Schnurr­bart. Lr trug feldgraue Uniform, die ja auch die Franzosen für ihre blaue Sacke eingetauscht haben. Tiefes Mitleid mit dem Krmen ergriff jedes Herz,' wir winkten dem Unglück­lichen, er solle herüberkommen, es würde ihm nichts zuleide geschehen. Lr machte auch den versuch, einige Schritte herüber­zukommen, aber kraftlos brach er wieder zusammen.wir holen ihn, wenn es dunkel wird," sagen viele. Smmer und immer wieder richtet sich der verwundete auf, seine Be­wegungen werden immer matter. Lr muß doch schwer ver­wundet sein, er ist ganz blutig an der Seite. Uber ob er den Übend noch erleben wird?Dem Mann muß Hilfe werden, koste es auch mein eigenes Leben," denkt einer von unseren Leutnants und schwingt sich auf die Deckung. Lin beherzter Unteroffizier folgt ihm. Kuf Händen und Füßen kriechen sie auf den verwundeten zu, wir verfolgten mit atemloser Spannung die kühne Tat. Setzt sind sie bei ihm. Sie er-, greifen ihn bei der Hand. Dann treten sie, den verwundeten nach sich ziehend, den Uückweg an. Klles geht gut. Schon sind sie am Drahthindernis direkt vor unserem Graben an­gekommen, da richtet sich der Leutnant auf, um den ver­wundeten vollends in den Graben ziehen zu können. Drüben blitzt ein Schuß, ein zweiter und dritter folgt unmittelbar darauf.Unser Leutnant ist tot", läuft die Trauerkunde von Mund zu Mund. Buch der Franzose hat einen Schuß in den Kücken bekommen. So liegt der Ketter neben dem beinahe Geretteten, hacke und Spaten sind gleich zur Hand. Sn aller Lile wird ein Graben gezogen, um ungestört zu dem Ge­fallenen gelangen zu können. Krankenträger mit Bahren und Verbandszeug sind schon zur Stelle. Der Franzose wird zuerst geborgen. Lr lebt noch, aber der Todesengel schreitet neben der Bahre. Dann bringen sie auch den Leutnant, der sein Leben für den Feind geopfert hat. Tief ergriffen stehen wir da, in den Schmerz um den geliebten Toten mischte sich die Wut über die Hinterlist der Feinde, die, zu feige, ihrem Kameraden zu helfen, es fertig brachten, auf dessen Ketter zu schießen. ' Thristine wöhrle."

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Unser Herr und Heiland hat gesagt : will mir jemand Nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir,' denn wer sein Leben erhalten will, der wird es verlieren, wer aber sein Leben verlieret um meinet­willen, der wird es finden (Lvang. Matth. 16, 24 u. 25). Nach diesem Worte hat der junge Held gehandelt, von dem diese Zeilen berichten. Möge sein Beispiel als leuchtendes Beispiel der Nächstenliebe und Selbstverleugnung unter uns weiterleben!

Sichen vor hundert Zähren.

(Fortsetzung.)

Sehr beliebt scheint vor 100 Zähren in Gießen das ver­losen von allerhand Gegenständen gewesen zu sein, übrigens hat man auch noch vor 40 Jahren, wenigstens auf dem Lande, gern Gegenstände verlost, wobei der verloser wohl allemale ein gutes Geschäft machte. Der Schreinermeister

Johannes Dillmann brachte 1816 mit obrigkeitlicher Lr- laubnis einekünstlich spielende" Schnupftabakdose, also nach heutiger Kedeweise eine Spieldose, zur Verlosung. Sie spielte einen Marsch und ein Tiroler Lied,' es wird für die Schnupfenden sehr erfreulich gewesen sein, daß zu den Ge­nüssen, die ihre Käse hatte, auch noch ein Ohrenschmaus hinzukam. Dillmann verkaufte das Los für 24 Kreuzer. Unter amtlicher Kufsicht wurde das Kunstwerk bei Kath- schöff Keiber in dessen hintergarten in der Neustadt verlost. Dillmann scheint die Krbeit in seiner Werkstatt nicht sonder­lich geliebt zu haben,' denn er veranstaltete öfters ver-. losungen. So verloste er ein andermal silberne Taschenuhren, Kaffeelöffel, Pfeifenköpfe, Ohrringe und Vorstecknadeln. Lin Vierteljahr später trat er mit einer ähnlichen Knzeige wieder vor das Gießener Publikum. Matthias Lotz, wohnhaft bei Schreinermeister Jacobp in der Neustadt, verloste in der Wohnung des Burgers und Wirts Friedrich Sony unter stadt­amtlicher Kufsicht einen schon gerauchten Pfeisenkopf von Meerschaum mit silbernem Beschlag. Lr machte bekannt: wer der Ziehung beiwohnen will, beliebe sich an erwähn­tem Orte zur bestimmten Zeit einzufinden. Kur noch einige wenige Lose, das Stück zu 12 Kr. sind zu haben."

Alexander Dosse, der unternehmende Wirt von Großen- Linden, veranstaltete 1817 einKitter-Schießen", wozu er dieHerrn Schießliebhaber" einlud. Die Gaben, die aus- geschossen wurden, bestanden in einemHaupt-Kitter von 2 Gulden, einem Schwarzritter von 1 Gulden 50 Kr., einem Kach-Kitter von 45 Kr." Ls ist nicht mehr ganz klar, was das für eine Veranstaltung gewesen ist, noch unklarer sind uns heute die Bezeichnungen der Preise. Scheibenschießen wurde auch in Heuchelheim am Eingang des Dorfes abgehalten, damit war Tanzmusik verbunden. Johann Philipp Wagner, dem Bürgermeister und Kat der Stadt Gießen 1816 die Kb- haltung von Tanzmusik am Hohenwart-Brunnen verboten hatten, veranstaltete im Gießener Schießhause ein Kingel- schießen. Die Gießener Herren Schießliebhaber hatten somit reichlich Gelegenheit, ihr Pulver zu verschießen.

Buch an musikalischen Darbietungen fehlte es damals nicht. Ls bestand hier eine Konzertgesellschaft, Direktor, d. h. Präsident derselben war Hofgerichtsadvokat Bender. Diese Gesellschaft trat auch unter dem Kamenmusikalische Gesellschaft" in die Deffentlichkeit. Km 11. Mai gaben wiener Sänger im Linhorn eineVokal-Kbend-Knterhaltung". Sie waren nach ihrer Kngabe vorher in Darmstadt vor dem Großherzoge aufgetreten und glaubten deshalb auch in Gießen ihren Zweck nicht zu verfehlen". Lin Herr hayd veranstal­tete Sonntag, den 21.Julius" 1816 einedramaturgisch­deklamatorische Vorstellung. Seine Knkündigung ist recht eigenartig, sein Programm umfaßte folgendePiecen": Gärtner Veit oder Kaiser Karl auf der Jagd, ein komischer Prolog von Hagemann, hierauf: Meister Llias, Ouodlibet aus pasewalk oder das Genie auf Keisen, ein Intermezzo von Hagemann. Dann folgt: Zehnmal einer und nie der Kem- liche, eine dramaturgische Piece von Kotzebue. hierauf: eine Scene aus den Schwestern von Prag. Zum Beschluß: ein eng­lisches Solo, getanzt von Friedericke hapd und ein russisches Pas de deux, getanzt von Kugust und Zriedericke hapd." Sehr wortreich teilte Herr hapd in seiner Knkündigung mit:Der Schauplatz ist in dem Gartensaal der Madame Busch. Ich wählte auch in dieser Hinsicht dieses Locale, weil ich überzeugt bin, daß die Kuswahl dieses Saales den hie­sigen Honoratioren und anderen Gönnern der Kunst nicht mis- fallen wird." (Schluß folgt.,'