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Noch eins fast hält' ich nicht dran gedacht,
Ich hab's auch zum Eisernen Kreuz gebracht,
Und tat doch nur wie jeder die Pflicht,
Lin Deutscher läßt seine Fahne nicht!
Leb' wohl! Leb' wohl! Mit frohem Zchwung Nun schnell in den Zattel! Dein Frühlingsjung'.
* * *
Und dann verwischt von fremder Hand Darunter flüchtig geschrieben stand:
,,Gnädige Frau, wir fanden ihn abends — das Mondenlicht Umspielte sein jung-frohes Knabengesicht,
Lin Lächeln irrte noch, weich und tief Um seinen Mund, wir glaubten, er schlief,
Und daß ein Traum lindere bittere Not,
Gnädige Frau, Ihr Lohn ist tot!
Lr fiel als Held, als ein deutscher Mann,
Mit Todesmut stürmte er allen voran, hoch trug er die Fahne schwarz-weiß-rot,
Und daß sie uns blieb, bracht' ihm den Tod.
Lin Zchuß durchs Herz. Lr hat nicht gelitten,
Lächelnd ist er hinübergeglitten.
Nun ist er am Ziel. In der kalten hanä Ich diesen Brief und ein Veilchen fand,
Lin welkendes Veilchen, Gott tröste Sie!
_ Oberleutnant T."
Giehen vor hundert Jahren.
tZortsetzung.)
5. vergnügungsleben.
Zchwere Jahre lagen auch hinter den Einwohnern von Gießen, als die Befreiungskriege zu Lnde waren. War die Stabt auch nie in fremder Gewalt gewesen, wie das linksrheinische deutsche Gebiet, das von 1792 bis 1814 von den Franzosen in Besitz gehalten wurde, so hat sie doch auch das Elend des Krieges zu fühlen gehabt. Besonders waren die Jahre 1812 bis 1814 schwer für Gießen. Nls Nheinbund- staat mußte Hessen dem Kaiser Napoleon seine Militärmacht zur Verfügung stellen, als er den großen Krieg gegen Nußland unternahm, und viele Zähne unseres Landes fanden dort ihren Tod. Zähne hiesiger Familien sind allerdings wohl kaum in Nußland geblieben,' denn Nürgersähne waren damals noch vom Militärdienste befreit, aber Offiziere, die aus Gießen stammten oder dem hier garnisonierenden Negi- mente angehörten, haben ihren Tod in Nußland gefunden. Wie heute, so klagten viele Familien über Nngehörige, die vermißt waren. Zo wurden von dem Großherzoglich hessischen Leibregimentsgericht zu Gießen die Hauptleute Naabe und Gilbert, die Premier-Leutnants hallwachs und von Na- benau, die Leutnants Marburg, Gottwald, Zommer und Kempf, die vermißt waren, gesetzlich als tot erklärt. Wenn man bedenkt, daß die damaligen Negimenter viel schwächer als heutzutage unsere kriegsstarken Negimenter waren, so muß man die Zahl von allein acht vermißten Offizieren als sehr hoch ansehen, vermutlich haben diese bei dem Nückzug der großen Nrmee aus Nußland in der Zchneewüste ihren Tod gefunden. Im Jahre 1817 wurden die Erben der ,,im russischen Feldzuge zurückgebliebenen" Zoldaten Henrich Thristoph Gromm von Laubach und Iohannes Lckel von Gonterskirchen von dem Großherzoglich hessischen Gräflich Zolmsischen Justizamt in Laubach aufgefordert, sich zu melden. Nehnliche Mitteilungen finden sich in diesen Jahren vielfach in den Blät- tern. Nm Ende des Jahres 1813 kam die Zpitalpest nach Gießen, vermutlich handelt es sich bei dieser Krankheit, über
die früher die Ansichten der Mediziner auseinandergingen, um den Flecktyphus, den in diesem Kriege die deutsche medizinische Wissenschaft so erfolgreich bekämpft hat. Nis weit in das Jahr 1814 hinein forderte diese Zeuche hier viele Opfer.
Zomit ist es zu begreifen, daß die Bevölkerung, als diese Leidenszeit einige Zeit hinter ihr lag, wieder aufatmete. Das machte sich darin geltend, daß man sich dem Vergnügen eifrig widmete. Liegt es doch in der Natur vieler Menschen, ernste Zeiten und ernste Lehren bald wieder zu vergessen. In den Jahren 1816 bis 1818 wurde in Gießen viel getanzt. Gefters war Ball im Einhorn. Am 23. Februar 1818 war bei einer solchen Gelegenheit dem Hofkammer-Zecreta-- riats-Accessist Georg Muth, wohnhaft bei Goldschmied Mannberger am Nathaus, sein Hut mit einem paar grünen (!) Handschuhen, die sich in dem Hute befanden, verwechselt worden. Der junge Mann, der zweifellos sehr elegant war sonst hätte er nicht grüne, sicher damals sehr moderne Handschuhe getragen , bat um Nückerstattung seines Ligen- tums. Oft war Tanzmusik auf der Badenburg. Lin unternehmender Mann scheint der Gastwirt Alexander Dosse in Großen-Linden ,,in dem ersten Wirtshause links von der Lhaussee" gewesen zu sein. Lr veranstaltete am 3. pfingst- tage 1818 eine ,,vollstimmige" Tanzmusik und teilte mit, daß er in seiner Wirtschaft ,jedermann mit Zpeisen und Getränken zu bewirten im Ztande sey". Nicht überall scheint es bei der Tanzmusik in Gießen und Umgegend in Zucht und eitel Harmonie zugegangen zu sein. Zo machen Bürgermeister und Nat der Stabt Gießen am 2. Hugujt 1816 bekannt: ,,Man hat mit Befremden in dem Anzeigungs-BlättäM vom 27. Julius gelesen, daß der Johann Philipp Wagner im Zchieshaus, an dem Hohenwart-Brunnen, Tanzmusik halten wolle. Wenngleich es jeder soliden Gesellschaft zu allen Zeiten ohnverwehret bleibt, daselbst sich zu belustigen, so wird man um so weniger oben angeführte Tanzmusik gestatten, als solche sich lediglich nur zu Unfug und Zchaden für den Wald eignet." Im Tanzen unterrichtete die jungen Gießener neben anderen der Tanzmeister Moses. Karnevalsbelustigungen scheint es erfreulicherweise damals in Gießen nicht gegeben zu haben, aber in Wetzlar wurden solche veranstaltet und wohl auch von Gießenern besucht, sonst hätte sie der Wirt Daniel Zchmidt nicht hier angezeigt. Lr veranstaltete Nedouten (Maskenbälle) und erhob ein Eintrittsgeld von 48 kr. für die Person. Daß Wetzlar früher als Gießen den Karneval eingeführt hatte, ist wohl auf das Neichskammergericht zurückzuführen, das bis zum Untergang des Nömischen Neiches deutscher Nation dort seinen Zitz hatte und sehr viele Leute anzog, worunter auch vergnügungssüchtige Müßiggänger waren. (Fortsetzung folgt.)
Lin ernster Mahnruf.
Der Münchener Polizeipräsident, Freiherr v. Grundherr, hat in einer öffentlichen Versammlung in München die Zünden, die in dieser schweren Zeit von gewissen Kreisen in der Heimat begangen werden, rücksichtslos bloßgestellt und gegeißelt. Dieser Mahnruf verdient daher in weitesten Kreisen bekannt zu werden. Der Polizeipräsident führte, wie die ,,Tägl. Nundschau" schreibt, aus:
Wie steht es in dieser ernsten Zeit mit der Wahrung guter Zucht und Sitte, wie mit dem Verantwortungsgefühl und der moralischen Kraft, wie mit der würdigen Zurückhaltung bei Vergnügungen und Lustbarkeiten? Wir wissen, daß in diesem furchtbaren Krieg der endgültige Sieg dem zufallen wird, der


