Ausgabe 
7.5.1916
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(Er still' die Glut,

Gr wend' die Flut,

Genesung spend', den Frieden hehr!

3. Herrn Wilson in sein Notenbuch.

Es drohet von Westen geballt eine Faust weither vom Atlantischen Meere,

Mein deutsches Volk, wie hätt's dir gegraust, wenn Flotten ihr folgten und Heere!

Doch folgt ihr von drüben gequält nur ein Ton von harmlos geborstener Schelle,

Und der ihn verübt', es war nur ein Sohn Oes Volks mit der schachernden Elle.

Das Haupt, nein, der Unecht nur des Mammongeschlechts, will höhnen mein Volk in den Waffen?

Oie Maske, vermummt in die Flitter des Rechts, will schrecken und Rengste uns schaffen?

was soll uns ein Volk, das mit Frieden hausiert,

Krieg nährend mit seinen Millionen,

Rls Schützer der Freiheit ruhmredig posiert,

Versklavt herrschgierigen Thronen?

Mein Volk, auf der Walstatt von vielen umbraust, Bedroht von dem Schlag einer Gerte,

Enthülle dein Haupt und bewahre die Faust,

Dem Worte steh' Red' mit dem Schwerte!

Sei David, dem Riefen gestellet zum Kampf,

Held Gottes der feigfrommen Rotte,

Und schleudre Geschosse in Feuer und Dampf,

Fest trauend dem ewigen Gotte!

Db einsam du stehst, du bist nicht allein:

Gott mit dir! mein Volk in der wehre,

Daß an ihr zerschelle die Lüge, der Schein,

Gott schuldig dein Sein, deine Ehre! ?.

Gietzen vor hundert Zähren.

3. Kirchliches.

Sn den Jahren 1809 bis 1821 wurde nur in der Burg­kirche Gottesdienst gehalten, da die alte Stadtkirche nieder­gelegt und der Neubau noch nicht vollendet war. Es fand vormittags und nachmittags, wohl um y 2 10 und um 2 Uhr Gottesdienst statt. Die Geistlichen waren Superintendent Buff, Superintendent Müller, Superintendent Palmer und Professor Dieffenbach, es gab also in der kleinen Stadt reich­lich viele Superintendenten, was der Titelsucht der alten Zeit entsprach. Neben ihnen stand seit 1812 der junge Vr. Engel, damals Lehrer am Gießener Pädagogium (Gymnasium), ge­storben als Geheimer Kirchenrat am 24. März 1864 dahier. Nebenher wirkten noch hilfsgeistliche, die bis in die 70 er Jahre hinein den Titel ,,Freiprediger" trugen und im Haupt­amt Unterricht an der hiesigen Stadtschule erteilten. Es wer­den aus der Zeit, die uns hier beschäftigt, erwähnt Frei­prediger Schäffer, wohl ein Gießener, und Freiprediger Franz. Nachmittags predigten öfters noch Kandidaten, so daß die Gießener Geistlichen mit predigten nicht überlastet waren. Die Kirchenoorsteher trugen den Titel ,,Kirchensenioren", er­wähnt wird öfters der Kirchensenior Seip. Die Zahl der Rmtshandlungen wird für das Jahr 1816, wie folgt, an­gegeben, in der Stadtkirchengemeinde: 38 getraute paare, 136 getaufte Kinder, 130 verstorbene, in der Burgkirchen­gemeinde: 16 getraute paare, 27 getaufte Kinder, 41 Be­

erdigte. verhältnismäßig groß ist die Zahl der verstorbenen, sie übertrifft die Zahl der Geborenen um 8, was auf man­gelnde hygienische Fürsorge zurückzuführen ist. 3m Zähre 1817 wurden in der Stadtkirchengemeinde getraut: 26 paare, getauft 179 Kinder, beerdigt 115 Personen, in der Burg­kirchengemeinde getraut 6 paare, getauft 50 Kinder, be­erdigt 45 Personen. Die Zahl der Rmtshandlungen in der katholischen Gemeinde war klein, 1816 wurden hier getraut 1 paar, getauft 5 Kinder, beerdigt 4 Personen.

Damals war es üblich, daß die Kirchendiener oder Opfermänner", wie sie hießen, am Reujahrstage von Haus zu Haus gingen und ein Gedicht, das sich auf den Jahres­wechsel bezog, anboten, dem kurze Notizen über die Rmts­handlungen des abgelaufenen Jahres beigegeben waren. Die Rbsicht dabei war natürlich, ein Neujahrsgeschenk zu erhalten. So machte es der Gpfermann von der Burgkirche Ehristian Valentin und zu Darmstadtdes seligen Thristian Schulz, Garnisons-Kirchendieners trauernde Tochter".

Einen wichtigen Fortschritt für das religiöse Leben be­deutete es, als man unmittelbar nach den Befreiungskriegen in Deutschland Bibelgesellschaften gründete. Das Reforma­tionsjubeljahr 1817 förderte diese Sache auch im Hessenlande. Superintendent Müller übernahm es, die Bibelgesellschaft für Gießen und Umgebung ins Leben zu rufen. Rm 4. Fe­bruar 1817 erließ er einen diesbezüglichen Rufruf. Er bat, daß sich Einwohner von Gießen und Umgegend als Wohl­täter oder als Mitglieder der Bibelgesellschaft einzeichnen, möchten, der Beitrag betrug jährlich 1 Taler. Ruch bat Müller darum, daß ihm arme Hausväter oder Hausmütter oder Kinder genannt würden, denen es an einer Bibel fehle, damit er ihnen entweder ganz unentgeltlich oder für einen geringen Preis eine solche verschaffen könne, wer von dieser Vergünstigung Gebrauch machen wollte, mußte eine Beschei­nigung von einem Mitgliede oder einem Wohltäter des Ver­eins über seine Mittellosigkeit beibringen und ein Zeugnis darüber vorlegen, daß er des Lesens kundig sei.

(Fortsetzung folgt.)

DieGeisterseher., wieder am Werk.

Es gab Zeiten in Deutschland, trübe, dunkle Zeiten, in denen man der Kirche und ihrer Lehre müde war, da glaub­ten die Leute an böse Geister, hexen, Gespenster und andere schreckliche Dinge und fürchteten sich davor und knieten vor ihnen, wie kleine Kinder, wir lächeln heute über so etwas.

-Und doch, es gibt eine Zeit ganz jungen Datums, da

kam eine Weisheit auf, eine sehrmoderne" Weisheit, die in vielen Stücken nichts ist als eineGeisterlehre" wie jene Erscheinungen des finsteren Mittelalters. Etwa um die Mitte des letzten Jahrhunderts kamen die Rpostet dieser neuen Lehre zu uns, aus einem sehraufgeklärten" Lande der Erde, zu Schiffe über ein großes Wasser, und machten bei uns bald vorzügliche Geschäfte.Spiritisten" nannten sie sich. Sie brachten verschiedenstes mit, vor allem aber reisten sie inreligiösen Offenbarungen" und fanden bald ihre Ge­meinde. Man hörte Wunderdinge aus ihren Sitzungen, wenn sie in den Versammlungen d. h. für Geld natürlich ihre berühmtenMedien" losließen, dann vermochten diese die Geister längst Begrabener zu beschwören, die tiefe, prophe­tische Lehren hersagten- auf ihr Gebot wurden die Tische im Saal verrückt, ohne daß jemand eine Hand rührte, und Wunders mehr begreiflich, daß der Zulauf gewisser Kreise zu dieser Sekte bald bedenklich anwuchs, denn der