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IDenn ich jetzt so Tag für Tag in den Zeitungen die schwarz umränderten Anzeigen in endlosen Leihen sich aneinanderschließen sehe, daß wieder ein Vater, ein (oft einziger) Sohn, ein Ehegatte, Bruder oder Bräutigam in blühender Jugend, in den besten Mannesjahren den Heldentod fürs Vaterland erlitten hat, dünn steigen grausige Bilder vor meinem geistigen Nuge empor, wie einst in jener Stabt, die sich selbst als eine Leuchte der Welt rühmt, Tag für Tag die Opfer jeden Nlters und Geschlechts eines völkischen Wahnsinns den henkerkarren besteigen mußten, der sie der unersättlichen Maschine des Meisters Samson zuführte.
Ruf der ganzen alten Erde herrschen jetzt Hunger und Not, Greuel und Tod, und der Genius der Menschheit verhüllt trauernd und fast hoffnungslos sein Haupt vor solch grenzenlosem Selbstmord der Volker. Und das alles nur, weil es einer handvoll ehrgeiziger, gewissenloser Männer gelang, alles, was Kultur und Menschengeist bis heute geschaffen haben, in ruchlosem Spiel auf die eigene Karte zu setzen.
Zu niedrigen Hügeln sinken sie heute zusammen, die Missetaten jener vom Eäsarenwahnsinn befallenen Nachkommen des Eäsar Nugustus, eines Nero und Ealigula, gegenüber dem Berg von Blutschuld, den ein moderner König, Eduard der Siebente benannt, auf sich geladen hat, da er, leider ein Sprosse aus deutschem, thüringischem Zürstengeschlecht, um sich gut Kind zu stellen bei unseren Vettern jenseits des Meeres, die ihm einft seine Spielerschulden bezahlt und noch andere verziehen haben, für sie in jahrelanger, teuflischer List die Fäden spann und den Strick drehte, damit seine eigenen Stammesgenossen erwürgt, ja Mann und Weib, Greis und Kind durch Hungertod vernichtet werden sollen, weil sie im ehrlichen Kampf nicht zu besiegen sind. Und das alles für jenes Volk, das von seiner vermeintlich vom Meer geschützten, unerreichbaren Insel wie eine giftige Spinne seine Netze über die ganze Erde spannt, um fremde Völker darin zu fangen und ihnen wie Mücken und Bienen das Lebensmark auszusaugen. Und nicht mit ehrlichen Waffen wird dieser Zweck erreicht, sondern mit Trug und verrat (s. Warren Hastings und die Erwerbung Indiens), mit frömmelnder Heuchelei, mit Bibel und Branntwein, planmäßiger Lüge und scheußlichem Meuchelmord bis in die jüngste Zeit. Nls ewiger Schandfleck haften an dem perfiden Nlbion jene Schandtaten des Schlächters von Gmduhrman, der die verwundet auf dem Schlachtfeld liegenden Verteidiger ihrer Heimat wie Schlachtvieh hat abstechen lassen, und der, um endlich den widerstand des kleinen Burenvolkes gegen das englische Joch zu brechen, deren Frauen und Kinder fing und zu Tausenden in Elend und Schande verkommen ließ. Und dazu noch der durch priestermund gerechtfertigte Baralong-Mord und der Meuchelmord gegen politische Gegner! Wann wird endlich ein zweiter Daniel erscheinen, der die drohenden Worte an der wand aus- legt, wie einst dem verbuhlten Herrscher von Babylon, der auch, im vertrauen Mf seine Mauern,, breit und gewaltig, daß acht Streitwagen nebeneinander darauf fahren konnten, einst, dem Himmel trotzte:
Jehova, dir künd ich auf ewig hohn,
Ich bin der König von Babylon!
Darauf folgte aber:
Belsazar ward aber in selbiger Nacht von seinen Unechten umgebracht.
Dan. 5, 25 — 30.
Und da gibt es heute noch in unserem Deutschland vornehme Leute, die glauben, nur auf englisch sich satt essen zu können, die ihren Pferden die Schwänze und sich selber die
Schnauzbärte nach englischer Vorschrift zu Borstwischen verstümmeln und die es gern hören, wenn ihre deutschen Kinder englisch unter sich parlieren, weil eben „englisch" vornehmer ist.
Das ist das alte deutsche Erbübel, des Sichbückens vor allem, was fremd und „weit her" ist, das hoffentlich der jetzige Sturm noch ganz wegfegen soll.
wie ich einmal 1858 auf einer Studienreise zu Strahburg den Professor Stöß, den Erfinder der Klumpfußoperation, aufsuchte, der, von armen Eltern drüben in Pfeddersheim bei Worms stammend, 1812 oder 1813 als Barbierlehrling dorthin gekommen war und es durch eigene Kraft zum Hochschulprofessor gebracht hatte, da hat mir sein Sohn, auch Nrzt, geklagt, daß sein Vater niemals in seiner Muttersprache mit ihm verkehrt habe, daß er nur das „Elsäßer Dütsch" von den Dienstboten gelernt habe und jetzt weder ein deutsches Buch verstehen, noch deutsch schreiben oder sich hochdeutsch unterhalten könne. Das redet Bände.
„wer lange lebt," sagt Eicero, „der sieht manchmal, was er nicht begehrt." Ich aber danke heute Gott, weil er mir noch sp viel Kraft belassen hat, daß die Last der Jahre und der Jammer ringsumher mir den Nacken nicht ganz konnten beugen, und daß er mich noch die Großtaten unseres Volkes hat miterleben lassen in seinem Niesenkampf gegen eine Welt in Waffen, unter der glorreichen Führung unseres Kaisers.
Bis zum letzten Schlage dem Vaterland Getreu im hoffen und Lieben, —
Gb müd' auch der Nrm und ob zittert die Hand,
Ist das Herz mir noch jung geblieben.
Ostern 1916. Dr. Kappesser.
wann wurde Zesns gekreuzigt?
Ueber diese Frage äußert sich Prof. Dr. Leo Brenner im 2. Nprilheft des „Türmer" in folgenden Nusführungen: „Oft hört man die Frage aufwerfen: weshalb ist Ostern ein bewegliches Fest, und warum feiert man es nicht an dem wahren Todestag Jesu? Die Nntwort lautete dann stets: weil man Ostern an einem Sonntag feiern will, und der Todestag Jesu, ja nicht einmal sein Todesjahr bekannt sind.
Seit kurzer Zeit gilt aber letzteres nicht mehr. Die Streitfrage wurde nämlich durch Stentzel in ganz unanfechtbarer weise gelöst, indem er seine Untersuchungen lediglich auf Grund feststehender astronomischer und geschichtlicher Tatsachen vornahm und dabei auf Grund der biblischen Nngaben untersuchte, was sich mit letzteren machen läßt. Danach kam er zu folgenden unanfechtbaren Schlüssen:
Jesus wurde am 14. Nifan des jüdischen Kalenders, dem Nüsttag oder Vorsabbat zu dem Massot-Fest, im 19. Jahre der Negierung des Kaisers Tiberius, unter dem Konsulat des Ser. Sulpicius Galba, und im 4. Jahre der 202. Olympiade, entsprechend dem 3. Npril des Jahres 33 des julianischeki Kalenders, an einem Freitag, in der Mittags- stunde aus dem Hügel Gulgoleth bei Jerusalem gekreuzigt, am beginnenden 15. Nifan, dem großen Sabbat des Massot- Festes, d. h. ebenfalls am Freitag, den 3. Npril 33, abends zwischen 6 und 8 Uhr, vom Kreuze genommen und im Felsengrabe des Joseph von Nrimathia im Garten am Fuße des Hügels Gulgoleth beigesetzt. Nn demselben Tage verdunkelte in den ersten Nachmittagsstunden ein Gewitter- sturm die Gegend von Jerusalem; an demselben Tage ging auch gegen 6 Uhr abends der vom Erdschatten bedeckte Mond noch teilweise verfinstert über Jerusalem auf, während am


