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Lonntaasarusz

Gemeinöeblatt süröie evangelische

Kirebengememüe

Gieszew

Nr. 14.

Vieszen, Sonntag Iudica, den 9. April 1916.

5. Jahrgang.

Der Retter in der Rot.

Psalm 25, 15, 16, 19 und 22. Meine Rügen sehen stets zu dem Herrn; denn er wird meinen Fuß aus dem Netze ziehen, wende dich zu mir und sei mir gnädig; denn ich bin einsam und elend. Ziehe, daß meiner Feinde so viele sind und hassen mich aus Frevel. Gott erlöse Israel aus aller seiner Not!

haben sich die Erfahrungen des Menschenherzens, sein Glück und sein Leid, im Wandel der Zeiten geändert? wir denken bei dieser Frage nicht an Jahrhunderte, sondern Jahrtausende, was bleibt vor solchem Riesenzeitraum wohl unverändert bestehen auf diesem Erdball? Wie hat sich selbst dessen eigene Gestalt, die Geschichte der Erdrinde, seitdem mannigfach geändert! welche seltsamen klimatischen Ver­schiebungen traten ein! welche Rassenvermischungen! Völker standen auf und versanken ins Richts; in Tier- und Pflanzen­reich welch auf und ab! Und erst die Geschichte der mensch­lichen Rultur und Litte! Denken wir uns nur um drei Jahr­tausende zurückversetzt in dieser Geschichte der Menschheit, wäre ihr Rntlitz für unser heutiges Empfinden nicht kaum noch erkennbar?

vor rund dreitausend Jahren regierte in Jerusalem ein König, der zugleich ein königlicher Länger war. Der aber hat auch Urkunden der Erlebnisse des Menschenherzens hinter­lassen, die zu den erhabensten Dokumenten nicht bloß der Poesie aller Rationen, sondern auch des Verständnisses aller innersten Regungen der damaligen Menschen- und Volker­seele gehören. Und wunderbar! Lie offenbaren uns mit zwingender Ueberzeugungskraft, daß durch allen Wandel der Zeiten das Menschenherz allein, sein Glück und sein Leid, sich gleich geblieben ist bis zur heutigen Stunde. Eines der ergreifendsten Zeugnisse hierfür ist der 25. Psalm, wir lesen in diesem ergreifenden Gottesliede:,, Meine Rügen sehen stets zu dem Herrn; denn Er wird meinen Fuß aus dem Netze ziehen, wende dich zu mir und sei mir gnädig; denn ich bin einsam und elend. Liehe, daß meiner Feinde so viel sind und hassen mich aus Frevel. Gott, erlöse Israel aus aller seiner Rot!"

wir stehen in der Passionszeit 1916 mitten in einem Krieg, wie ihn die Weltgeschichte, seit der Erdball um die Lonne kreist, noch nie erlebt hat. was wollen die Kriege des kleinen Königreichs Israel gegen den augenblicklichen

katastrophalen Zusammenprall der mächtigsten Reiche der Welt besagen! Uber, wenn wir das, was an Einzelnot und Volksnot durch die Seelen der gegenwärtigen Menschheit, insbesondere des deutschen Volkes und jedes einzelnen seiner Glieder, zieht, kurz und bis ins innerste Mark erschütternd in Worte, in ein Lied des großen Leids, das über uns ge­kommen ist, zusammenfassen sollten könnten wir es zu­treffender, neuer prägen als in dem eben vernommenen Seufzen und Lehnen des uralten Davidpsalms? Unberührt durch jeden Wandel der Zeiten bleiben alle elementaren Regungen des Menschenherzens! 5o muß in ihm doch ein Funke des Ewigen glühen, der es hinaushebt über alle Ver­gänglichkeit ! $o wird auch, solange Menschenherzen schlagen, die Sehnsucht nach Gott und der Erkenntnis eigener Schwäche und Sünde nimmer schweigen! Über, sobald wir nun in die Cwigkeitsgeschichte des Menschenherzens eintreten, erfahren wir ein Neues auch von seinem höchsten Glück; ein Ewigkeits­ereignis, das einst vom königlichen Sänger nur sehnsuchtsvoll geahnt, inzwischen aber inmitten allen Wandels der Zeit für immerdar erfüllt ward: und das ist die Geschichte von Gol­gatha! Sie ist in ihrer Größe doch mit nichts Irdischem ver­gleichbar ! wer sich in ihren ganzen Vollgehalt zu vertiefen vermag, dem können für sein persönlichstes, den Ewigkeits- funken, den jedes Menschenherz in sich trägt, auch selbst die Schrecken des Weltkriegs nichts mehr anhaben! halten wir unsere Rügen fest gerichtet auf diesen Herrn - er hat auf Golgatha unsern Fuß aus dem Netze gezogen für Zeit und Ewigkeit!_

Das tägliche Brot.

Wir haben cs uns wohl noch nie recht klar gemacht, zu wie viel Dank wir verpflichtet gewesen sind an jedem Tage unseres Lebens, ehe dieser große, schreckensvolle Krieg Über uns kam! wurde uns nicht der Tisch täglich gedeckt, so daß wir ohne allzu große Mühe unser Leben, in vielen Zöllen sogar recht behaglich, uns gestalten konnten, oft vielleicht zu behaglich! Denn nur so war es möglich, des Gebers aller guten Gaben zu vergessen und alles so lDnzunehmcn, als wäre das selbstverständlich, als hätten wir ein Knrecht darauf, wir hatten, wie das Litten, so auch das Danken verlernt, wir waren es so gewöhnt, die Auswahl in allen verschiedenen