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(Bottes Wort und Luthers Lehr vergehet nun und nimmermehr. In den Hessen-Darmstädtischen Landen wurde auf Befehl des Landgrafen Ludwig V. oder des Getreuen am Nllerheiligentag (1. November) in den predigten der hundertjährige Festtag erwähnt, hiernach scheint es fast so, als ob man damals nicht den 31. Oktober, sondern, wie es jetzt in jedem Jahre, wenn ber 31. Oktober ein Werktag ist, geschieht, den Sonntag darnach als Neformationsfesttag gefeiert hat. In der Ltadtkirche zu Gießen hielt an diesem Tage der erste Superintendent und Professor Dr. Johann winckelmann die predigt, die Nachmittagspredigt hielt der Naplan Magister Johann Möller. In Darmstadt hielten die Jubelpredigt in der Ltadtkirche der Superintendent Dr. Heinrich Leuchter, in der Hofkirche der Hofprediger Magister Justus Dietor. Die Gießener Universität feierte am 2. November das Gedächtnis der Neformation durch eine Nede, welche der damalige Nektar Magister Christoph Lcheibler hielt. Nach ihm trat Magister Nonrad Nachmann auf und sprach der Litte der Zeit entsprechend in schönen und fließenden lateinischen Versen über die Neformation. hierauf wurde eine Nollekte für verwaiste Ninder gesammelt. Leider wurden diese Feierlichkeiten gestört durch den unangenehmen Eindruck, den die Streitigkeiten machten, die unter den Professoren der Theologischen Fakultät über die Nllgegenwart Christi ausgebrochen waren, hier stand auf der einen Leite der Professor Mentzer, dem sein Schwiegersohn, der Professor Feuerborn, zur Leite trat, auf der anderen Leite standen die beiden Professoren Winckelmann und Gisenius. Der Landgraf beschied die vier streitbaren Herren nach Darmstadt und brachte auch eine Vereinbarung zustande, allerdings kam der Streit kurz darnach wieder zum Nusbruch und wurde nun zu einem Nampfe, der hauptsächlich zwischen ber Gießener und der Tübinger Theologischen Fakultät geführt wurde.
Feierlicher gestaltete sich das Neformationsfest des Jahres 1817. Landgraf Ernst Ludwig hatte selbst auf die Vorschläge des Oberhofpredigers Bielefeld, der zugleich erster Luper- intendent und Professor zu Gießen war, das Festprogramm entworfen und zwei Gedenkmünzen auf das Fest prägen lassen. Die größere Münze war zweilötig und hatte einen Lilberwert von ungefähr drei Gulden. Nuf der einen Leite befand sich das schön gearbeitete Brustbild des Landgrafen im Profil nebst seinem Namen und Titel. Nuf der anderen Leite war ein Opferaltar mit einem rauchenden Opsergefäß zu sehen. Nuf dem Nltar standen die Buchstaben: V. D. M. I. AE. (Verbum domini manet in aeternum), vor dem Nltar kniete eine mit einem Fürstenmantel umhüllte Gestalt, die eine Nrone an der Ltufe des Nltars niedergelegt hat. Die Umschrift lautete: Festum seculare secundum ecclesiae evang. Luther. 31. Oktober 1717 (Zweites Jubelfest der evangelisch-lutherischen Nirche). Unten stehen die Worte: Hassia votorum compos deo grata, d. h. in freier Uebersetzung: Das Hessenvolk hat seine wünsche erreicht und dankt Gott. Diese Medaille wurde an die zum Hofe gehörenden Personen und an die Beamten ausgeteilt. Die kleinere Münze hatte die Größe eines Lechskreuzerstückes. Nuf der einen Leite befanden sich das hessische Wappen mit der Umschrift: Ernest. Ludov. d. g. Landgrav. hassiae. 1717. 31. Get. (Ernst Ludwig, durch Gottes Gnade Landgraf von Hessen, 31. Oktober 1717). Nuf der anderen Leite stand in der Mitte: .lubila6um secundum ecclesiae Luther, die Umschrift lautete: Verbum domini manet in aeternum. Diese Münze wurde nach Beendigung des Nachmittagsgottesdienstes an alle Schulkinder im ganzen Hessenlande ausgeteilt. Ls ist anzunehmen, daß sich beide
Münzen noch zahlreich vorfinden, die erste sicher in Sammlungen, die zweite wohl auch noch im privatbesitz.
Diesmal dauerte die Feier des Neformationsfestes drei Tage. Sie wurde um 29. Oktober durch Geläute aller Glocken, das eine Ltunde dauerte, eröffnet. Der 30. Oktober wurde im ganzen Lande als Buß-, Fast- und Bettag gehalten. Die Texte sowie die Nltarlektionen waren von dem Landessürsten vorgeschrieben,- bekanntlich werden heute noch die Texte für den Buß- und Bettag von dem Großherzog bestimmt. Nuch für die eigentliche Neformationsfestfeier bestimmte ber Landgraf die Texte, diese Feier fand am 31. Oktober statt. Bielefeld hielt die Jubelpredigt. Nach Beendigung des Nachmittagsgottesdienstes wurde eine Nollekte für die hausarmen und die Waisenkinder erhoben und die schon erwähnte Denkmünze an die Schulkinder ausgeteilt.
Montag, den 1. November, feierte die Universität das Fest. Der Nektar Liebknecht, ein Vorfahre des Neichstags- abgeordneten Liebknecht, der jetzt in so unrühmlicher Weise von sich reden macht, lud zum Gottesdienste (wahrscheinlich ein Gottesdienst für die Nngehörigen der Universität) ein durch ein Programm, welches den Titel führte: „De lacry- mis Pontifiziorum primo jubilaeo Lutherano profusis, nunc secundo hoc in immoderatum risum conversis," d. h. ,,Die Tränen, die die geistlichen Würdenträger bei dem ersten Lutherjubiläum vergossen haben und die jetzt bei dem zweiten in ein gewaltiges Lachen verwandelt worden sind." Nuch wenn man bedenkt, daß der Geschmack dieser Zeit ein anderer war als der der Gegenwart, so wird man doch dieses Thema als äußerst abgeschmackt bezeichnen. Der Professor Liebknecht scheint sich in genau so absonderlichen Gedankengängen bewegt zu haben als heute sein Nachkomme, und so findet das Gesetz von der Vererbung hier wieder einmal seine Bestätigung. Nach dem Gottesdienste wurde auf dem Nolleg- gebäude von dem Professor der Dichtkunst und Beredsamkeit Magister Northolt nach „Nufführung einer feierlichen Musik", wie es in einem alten Berichte heißt, die Jubelrede gehalten. Sie behandelte bas Thema „De Luthero, ecclesiae angelo, aeternum domini verbum annunciante“ (Luther, der Engel der Nirche, der das ewige Gotteswort ankündigt).
Ueber das Neformationsfest des Jahres 1817 ist uns vorläufig nichts näheres bekannt, wir hoffen jedoch, darüber noch etwas in Erfahrung zu bringen. Die Nrt dieses Festes war durch den Großherzog genau vorgeschrieben worden, auch die Texte sowie die Lieder für das Fest waren von dem Landesfürsten ausgewählt worden, sie wurden in Gießen in der Lchröderschen Buchdruckerei gedruckt und kosteten ungeheftet 5 kr., geheftet 6 kr. Das Fest wurde in Gießen Freitag, den 31. Oktober, gefeiert, vormittags predigte (in der Burgkirche, da damals die Ltadtkirche im Bau war) Zuperintendent Buff, nachmittags Professor Dieffenbach. Nuch Lamstag, der 1. November, war noch ein Festtag,' für diesen Tag waren Lchulfeierlichkeiten vorgesehen und zwar bei ungünstigem Wetter in der Burgkirche, bei günstigem Wetter auf dem freien Platze vor dem Neuenweger Tor. Es scheint, als ob dieses Fest unter Beteiligung der ganzen Einwohnerschaft von Gießen als ein großes kirchliches Fest gefeiert worden sei.
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Vas Zaniariterwejen vor J00 Zähren und jetzt.
wenn man heute die großzügige Organisation der Nrankenpflege im Frontgebiet und in allen Teilen der Heimat sieht, dann macht man sich meistens keine Gedanken darüber, welchen weiten und beschwerlichen weg das Lamariterwesen


