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zu durchmessen hatte, ehe es aus einer solchen höhe stand, daß es derart ungeheuerlichen Anforderungen entsprechen konnte, wie sie die ungemessenen Verhältnisse der heutigen Kriegsführung ihm stellen.
Man erschrickt, wenn man liest, wie kläglich für die wackeren verwundeten Krieger in früheren Schlachten, beispielsweise in der Völkerschlacht bei Leipzig, gesorgt war. Ein bedeutender Chirurg jener Zeit, der 1813 gestorbene Zoh. Christian Reil, schildert diese Verhältnisse nach der Leipziger Schlacht in einem Briefe an den Freiherrn von Stein folgendermaßen: „Nuf dem Wege begegnete mir ein ununterbrochener Zug von verwundeten, bie wie Kälber auf Schubkarren ohne Strohpolster zusammengeklumpt lagen und einzelne ihre zerschossenen Glieder, die nicht Baum genug auf diesem engen Fuhrwerk hatten, neben sich herschleppten. Noch an diesem Tage, also sieben Tage nach der ewig denkwürdigen Völkerschlacht, wurden Menschen vom Schlachtselde eingebracht, deren unverwüstliches Leben nicht durch Verwundungen, noch durch Nachtfröste und Hunger zerstörbar gewesen war. Sn Leipzig fand ich ungefähr 20 000 verwundete und kranke Krieger von allen Nationen. Die zügelloseste Phantasie ist nicht imstande, sich ein Bild des Jammers in so grellen Farben auszumalen, als ich es hier in der Wirklichkeit vor mir fand. Vas Panorama würde selbst der kräftigste Mensch nicht anzuschauen vermögen .... Man hat unsere Verwundeten an Grte niedergelegt, die ich der Kaufmännin nicht für ihren kranken Hund anbieten möchte. Sie liegen entweder in dumpfigen Spelunken oder in scheibenleeren Stuben und wölbischen Kirchen, in welchen die Kälte der Atmosphäre in dem Maße wächst, als ihr Verderbnis abnimmt, bis endlich einige Franzosen noch ganz ins Freie hinausgeschoben sind, wo der Himmel das Vach macht und heulen und Zähneklappen herrscht. Nn dem einen Pol tötet die Stickluft, am andern reibt der Frost die Kranken auf. Bei dem Mangel öffentlicher Gebäude hat man dennoch nicht ein einziges Bürgerhaus den gemeinen Soldaten zum Spital eingerichtet. Kn jenen Orten liegen sie wie die Heringe geschichtet in ihren Tonnen, alle noch in den blutigen Gewändern, in welchen sie aus der heißen Schlacht hineingetragen sind. Unter 20 000 verwundeten hat auch nicht ein einziger ein Hemde, Bettuch, Vecke, Stroh,ack oder Bettstelle erhalten. Keiner Nation ist ein Vorzug eingeräumt, alle sind gleich elend beraten und das ist das einzige, worüber die Soldaten sich nicht zu beklagen haben. Neil schildert dann grauenhafte Einzelbilder. Sm Hof der Leipziger Bürgerschule lag ein Berg, den Kehricht und die Leichen deutscher Krieger aufgetürmt hatten, die von Hunden und Naben angefressen waren. Nn Wärtern fehlte es ganz.
vie Zustände haben, wie jedermann weiß, eine Wandlung sondergleichen erfahren. Sm Kriege 1866 befanden sich allerdings erst 282 ausgebildete viakonissen im Felde, 1870/71 bereits 764 und gegenwärtig zählt das Nufgebot allein der berufsmäßigen Viakone und Krankenpflegerinnen nach vielen Tausenden. Genaue Daten hierüber können natürlich nicht bekanntgegeben werden, doch kann man ohne Uebertreibung von einem Heer von berufsmäßigen Samaritern sprechen, die, Hand in Hand mit den Nerzten und unterstützt wiederum von ungezählten freiwilligen, wenn auch nicht beruflich ausgebildeten Helfern und Helferinnen, im vienste der Verwundetenpflege stehen.
Ehrlich währt am längsten.
Crzählung.
(Fortsetzung.)
Nein leider nicht, der Herr Pfarrer sei nicht zu Hause, er sei zu einem Schwerkranken gerufen worden. Gb es etwas ausrichten dürfe, fragte noch das Mädchen, und ob es den Namen der Frau wissen dürfe, um Bescheid sagen zu können, wer dagewesen, varauf schüttelte die Frau heftig den Kopf. Nein, sie wolle lieber wiederkommen.
Freundlich ging das Mädchen die paar Schritte mit zur Türe. Nascher wie die Frau drinnen gewesen, war sie wieder draußen. Cilig, als jage man sie, eilte sie die Stufen hinab auf die Straße. Crst hier blieb sie stehen und atmete auf. Cs war ihr momentan eine Erleichterung, daß sie den Pfarrer nicht angetroffen und infolgedessen nicht hatte bitten können. Nber was nun? Ihr ganzes Unglück legte sich ihr doch bald wieder wie ein schwerer Nlp auf die Seele.-was sollte nun werden? So konnte es doch nicht weitergehen, sie müßten ja verhungern.
Ganz Hoffnungslosigkeit, kam sie zu Hause an. Karl war schon da, sie machten im Geschäft Samstags früher Feierabend. Cr saß in dem kalten Zimmerchen, das nur von der Straßenbeleuchtung einen Schein von Licht erhielt, und wartete. Nls die Mutter eintrat, sprang er lebhaft auf.
„Nch, da bist du endlich, Mutter! wie lange warte ich schon auf dich!" rief er voller Ungeduld. „Sch Hab' eine Ueberraschung, Mutter ! vie rätst du nicht nein, die rätst du nicht!"
vie Frau hatte sich wie totmüde aus einen Stuhl sinken lassen, va saß sie nun ganz zusammengebrochen unter ihrer schweren Sorgenlast, hörte ihres Zungen Helle, freudige Stimme und verstand gar nicht, was er wollte, verstand nicht, daß er so laut, so freudig erregt sein konnte; sie hatten doch keinen Grund dazu, sie beide.
„Nber Mutier, rate doch nur mal, was ich, heute bekommen habe! was ich hier in meiner Hand halte, Mutter!''
Karl war ganz dicht vor sie getreten, deren verzweifelten Gesichtsausdruck er in der halben Dunkelheit, die hier herrschte, ja nicht sehen konnte, und hielt ihr die fest zur Faust geschlossene Nechte, lachend, dicht vor die Nugen.
„Nch, was denn?" sagte die Mutter müde, fast abweisend.
„Nber so rate doch mal, Mutter! von meinem Prinzipal Hab' ich es bekommen!" rief Karl, immer dringender werdend, in seiner freudigen Ungeduld.
„was hast du nur, Zunge?" sagte die Mutter ,die sich erhoben hatte und nach Zündhölzern suchte, um die Lampe anzuzünden. Shres Zungen freudige Erregtheit weckte sie doch mit der Zeit aus ihrer Lethargie.
„hier! Meinen ersten Lohn, Mutter!"
Nun brannte die Lampe, die Frau sah dem Zungen in das vor Freude strahlende Gesicht und dann fast mit Schrecken auf das Zehnmarkstück, das er in seiner offenen Hand ihr entgegenhielt.
„Deinen Lohn?" wiederholte sie tonlos.
„Za, Mutter, weil ich immer fleißig und strebsam gewesen bin, sagte mein Prinzipal. Und wenn ich mich so weiter hielte, bekäme ich sogar noch zugesetzt."
Va lief ein solches Zittern der Freude der Frau durch die Glieder, daß sie sich setzen mußte. Neben konnte sie nichts, aber die Tränen liefen ihr nun über die schmalen Wangen.
Karl erschrak, als er das sah.


