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Nachwort anstatt eines Vorwortes.

viele meiner lieben Leser werden schon Erlebnisse von Fremdenlegionären gelesen haben, auch ich habe schon solche gelesen, muß aber gestehen, daß alle für mich den Wert ver­loren haben, weil sie zumeist abenteuerliche Berichte enthalten, die nicht glaubwürdig sind. Da wird von Kämpfen mit wilden Menschen und mit wilden Tieren, namentlich mit Tigern, erzählt, so daß der Kundige alsbald merkt, daß das alles auf der Phantasie und nicht auf der Wirklichkeit be­ruht. Ich habe es vermieden, meinen Lesern einen solchen Stoff zu bieten, und mich streng an die Wahrheit gehalten. Ich weiß sehr wohl, daß solche abenteuerliche Schilderungen die Jugend mächtig anreizen, in die Fremde zu ziehen und dort Nbenteuer zu erleben. Ich wollte aber wahrlich die Jugend nicht anreizen, sondern sie warnen, damit sie nicht in ihrem späteren Leben nichtswürdigen Werbern, die mit schönen Lobgesängen und Versprechungen kommen, in die Hände fallen sollen.

Lodann wollte ich auch eine der Nationen, mit denen wir jetzt in einem so schweren Kampf stehen, im rechten Lichte schildern, die Nation, die unsere Zivilgefangenen aus Kamerun und Togo so unmenschlich Gehandelt.

Tine Mahnung für Jung und Hit sollte meine Schil­derung [ein. Diele haben seither gedacht, daß man es in anderen Ländern besser habe als in Deutschland. Nber in allen Ländern, in welchen fremde Leute für die Kolonien angeworben werden, ist es der Hauptgrundsatz und Haupt­zweck, die eigenen Landeskinder zu schonen, sie vor den Ent­behrungen und Strapazen zu bewahren, welchen gerade die Kolonialtruppen unterworfen sind. Wie viel Menschenleben in den Kolonialkriegen zugrunde gehen, dafür nur ein Beispiel. Im Jahre 1882 hatte die französische Fremden­legion nur vier Bataillone, jedes ungefähr 1000 Mann stark. Zwei Jahre später wurden zwei Negimenter gebildet, mit je vier Bataillonen, von denen jedes I20O Mann stark war. wie hatte man da die Werbetrommel gerührt, wie viele sind da in ihr Unglück hineingeraten. Freilich heißt es, daß sie sich freiwillig gemeldet haben, aber was sind es oft für Umstände, unter welchen dieseFreiwilligen" sich an­werben lassen. Sollte es mir gelungen sein, mit meiner Schrift hier Nufklärung geschaffen zu haben, so wäre das mein schönster Lohn.

Möge es Gott verhüten, daß je wieder auch nur ein Deutscher in einem fremden Lande unter das Militär geht, sei es in Frankreich, in England oder in Holland,' denn die Erniedrigung ist in allen fremden Ländern gleich. Buch möchte ich jedem Deutschen zurufen: Lerne dein Vaterland kennen und bleibe ihm treu,' denn es steht an der Spitze aller Nationen. Wie heißt es doch imGlöcklein des Eremiten"? wenn man etwas verloren hat, kennt man erst seinen wahren wert." Diese Erfahrung habe ich gemacht. Darum, Deutscher, sei stolz auf dein Vaterland und bleibe ihm treu' es wird auch seinen Söhnen dankbar bleiben.

Ehrlich wahrt am längsten.

Erzählung.

Karl Buchmann war eben 16 Jahre alt ein über- schlanker, großer, blauäugiger ffunge und Lehrjunge auf dem Kontor von J. $. Sonnenberg u. To. hierauf bildet« er sich etwas ein. 5 . Sonnenberg u. To. war ein« der angesehensten Firmen der Tabakbranche am Platze, und ein besonderes Glück hatte dem Zungen, der als Sohn

einer armen Witwe nur die Stadtschule hatte besuchen können, zu dieser Stelle verholfen,' die Firma nahm sonst nur junge Leute an, welche die Berechtigung zum Einjährigen mit­brachten. Sein Seelsorger, der ein ganz besonderes Wohl­wollen für den allezeit fröhlichen, aufgeweckten, braven Knaben empfand, hatte ihn dem Hause empfohlen.

Er schien auch seinem Gönner Ehre zu machen, er war anstellig und fleißig in dem Geschäft. Im zweiten Jahre seiner Lehre besorgte er die vorkommenden Post- und Bank­gänge. So auch heute. Sein Prinzipal hatte ihn mit einer Summe Geldes, das er genau vorgezählt erhalten, auf die Bank geschickt, um einige Wechsel einzulösen.

Ls war ein kalter, klarer Wintertag,- der Schnee knirschte unter den Füßen Karls. Der ging, die rotgefrore­nen Hände tief in die Taschen seines viel zu kurzen, engen und arg vertragenen Ueberröckchens vergraben, lustig pfeifend durch die wintersonne über die belebte Straße dem Bankgebäude zu. vorsichtig fühlte er an der Lingangstür noch einmal nach dem ledernen Beutel, welchen er in der Brusttasche trug, ehe er in die weite Halle mit den Zahl­stellen eintrat.

Um diese Stunde ging es hier recht lebhaft zu, und Karl mußte eine ganze Weile warten, bis ein Schalter frei wurde. Er hatte bereits sein Geld auf ein Zahlbrett gezählt und wollte es nun dem Beamten zuschieben. Dieser hatte die verlangten Papiere hervorgenommen, zählte sie durch und warf sie dem Jungen hin.

1140 Mark" rief er dabei.

Karl stutzte, hatte sein Prinzipal nicht 1240 Mark gesagt? Ja? Nein? Gewiß irrte er sich.

1140 Mark?" fragte er noch einmal zaghaft, sich vergewissernd, ob er recht gehört habe.

Jawohl, 1140 Mark ! ? rief der Beamte, der bereits ungeduldig wurde, da er stark beschäftigt war. Nasch zählte Karl nochmals das Geld durch, nahm, was zuviel war, hin­weg, schob dem Beamten 1200 Mark in Papieren hin, erhielt 60 Mark heraus und ging.

Draußen auf der Treppe ließ es ihn nicht ruhen, er zog den Beutel aus der Tasche und sah beklommen hinein. Ein Hundertmarkschein war darinnen und drei Zwanzigmavk- stücke, zusammen 160 Mark. Da mußte sich also einer ver­rechnet haben, entweder sein Prinzipal oder der Bank­beamte. Ersterer hatte gesagt, 60 Mark habe er wieder mitzu­bringen, das wußte er bestimmt.

Linen Moment war er willens, sofort zurückzugehen und dem Beamten die 100 Mark zu geben, meinte er doch für ganz bestimmt zu wissen, daß er 1240 Mark bezahlen sollte. Jedoch er besann sich. Me, wenn sich sein Prinzipal geirrt hätte? Zwar daran glaubte er nicht so recht, zu dessen Nechenkunst hatte er ein unbedingtes vertrauen.

Er wußte, wenn er die erhaltenen Quittungen zu­sammenzählte, mußte er den Fehler finden. Dies zu tun, war nun sein dringender Wunsch. Nber wo? hier auf der 5traße, wo um diese Zeit die Menschen drängten, ging das nicht. Sollte er auf das Kontor eilen? Der Prinzipal war streng und Karl hatte eine gewisse Scheu, ohne daß er in der Sache klar sah, dorthin zurückzukehren. Nm besten: er üef zu seiner Mutter nach Hause es war nicht sehr weit bis dahin , und wenn er tüchtig sprang, so zählten die paar Minuten, die er verlor, kaum.

Frau Buchmann saß in der kleinen Küche und schälte Kartoffeln. Sie weinte: waren es doch di« letzten Kar­toffeln, die sie zum Schälen hatte, und di« Sorgen um