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neue, bittere Nahrung ssor gen überhaupt, preßten ihr bas Herz. Sie weinte, denn sie war allein und konnte sich ihrem Nummer und Herzeleid überlassen.
vor zehn Jahren schon war ihr der Mann gestorben. Der fleißigste treueste Gatte und Vater erlag einer Lungenentzündung unb ließ Frau und Söhnchen in Not und Zorge zurück. Da war es ein Glück für die Frau gewesen, daß sie im Nähen bewandert war. Sic nahm Kunden an und ging nun täglich aus dem Hause, um das Brot für sich und ihren Knaben zu verdienen. Das ging vorerst nicht so leicht, und sie hatte manchen Tag gehungert und manche Nacht durchweint, ehe sie so viel verdienen konnte, um das Nötigste beschaffen zu können.
Rber sie hatte nicht allein geweint, sie hatte auch gebetet, sie war eine gute Christin, und ihre starke Hoffnung war: Gott verläßt eine arme Witwe und eine unschuldige Waise nicht.
Da sie zum Klagen und Betteln zu stolz war, so erfuhren selbst ihre nächsten Nachbarn nicht, mit welcher Not die blasse, kleine Frau zu kämpfen hatte. Sie war aus guter Bürgerfamilie und hätte nie geglaubt, daß Not und Leid so dicht an sie herankommen könnten.
Doch mit der Zeit ging es besser. Der heftigste Schmerz um den teuren Toten ließ nach und machte einer stillea Trauer Platz. Der Knabe wuchs heran und wurde gut und folgsam, trotzdem er sich so viel selber überlassen bleiben mußte. Dazu fand die Mutter nach und nach reichlich Rrbeit und konnte für ihr Kind und den kleinen Haushalt sorgen. Rls dann ihr Junge vor nun bald zwei Jahren, nach seiner Konfirmation, zu Sonnenberg u. To. in die Lehre kommen konnte, da war sie herzlich froh und ihrem Gott überaus dankbar, dessen Segen sie so ersichtlich auf sich ruhen spürte. Bis sie im letzten Herbst durch einen unglücklichen Sturz sich die linke Hand verstaucht. Da konnte sie nicht mehr nähen und also auch kein Geld verdienen. Erst setzte sie nun das bißchen zu, das sie in all ihrer" Rrmut in den letzten Jahren erspart hatte und brachte so ihren ahnungslosen Jungen über die Weihnachtsseiertage hinweg. Sie kaufte sogar ein winziges Bäumchen und schenkte dem Knaben ein paar Kleinigkeiten an Kleidung, die er gebrauchen konnte und die ihm Freude machten. Sogar ein Buch, das er sich so sehr gewünscht, kaufte sie ihm, hoffte sie doch immer noch, recht bald wieder hergestellt und in der Lage zu sein, arbeiten zu können. Und konnte sie nur arbeiten, so waren die Sorgen in ihrem kleinen Heim gebannt.
Doch es wurde sobald nicht besser. Da kam es ihr manchmal vor, als habe sich der liebe Gott völlig von ihr abgewandt und ließe sie hilflos in Leid und Not. Erst betete sie noch, doch mit der Zeit murrte sie, sie hatte es verlernt, geduldig zu sein. Und als nun der Winter kam und harte, bittere Not mit ihm, da verzweifelte sie fast an dem Gott, dem sie ihr Lebenlang vertraut hatte.
So saß sie nun, weinte über ihr Unglück, haderte mit Gott und überlegte zwischendurch, was sie tun könnte, was sie ergreifen könnte, um mit ihrem Knaben nicht unterzugehen. Irgend eine Rrbeit, die sich mit der einen Hand allein tun ließe, mußte sich finden lassen. Ruf jeden Fall mußte sie sehen, daß sie Geld bekam, ohne Geld konnte sie kein Brot kaufen, und sie mußten hungern.
Da stürmte jemand mit lautem Gepolter die Treppe herauf) vor der Türe hörte die Rufhorchende einen raschen Rtem gehen, dann wurde die Tür hastig aufgerissen und ihr Zunge stürmte herein.
Erschrocken fuhr die Mutter von ihrem Sitz auf.
,,Junge, was hast du? Wo kommst du her um diese Zeit?" Ihre verängstigten Sinne zauberten ihr schon Schreckliches vor.
,,Mutter," rief Karl aufgeregt, wie er war, „ich habe zu viel Geld! Ich muß rasch einmal nachsehen, wo es her ist und wo ich es abzuliefern habe."
„Zuviel Geld?" fragte die Mutter, ungläubig mit blassen Lippen zurück, und dabei waren ihre Rügen weit und heißhungrig auf das
(Fortsetzung folgt.)
Kleine Mitteilungen.
Zu unserem in Nr. 3 des „Sonntagsgrußes" enthaltenen Rrtikel über die „Feiertagsheiligung bei unseren Gegnern" schreibt uns ein Glied unserer Gemeinde aus einer französischen Stadt: „Rm letzten Sonntag hatte ich meinen freien Sonntag, und ich besuchte wie immer den Gottesdienst, wobei ich auch diesmal das Glück hatte, das heilige Rbendmahl nehmen zu können. Der evangelische Gottesdienst wird hier in einer katholischen Kirche abgehalten,- denn hier ist alles katholisch. Es gibt hier drei katholische Kirchen und eine evangelische Kapelle, welche ungefähr 200 Menschen faßt und ganz in einem Winkel versteckt steht. Es sind hier, was Kirche und Religion * betrifft, jammervolle Zustände. Die Kirche, in welcher unser Gottesdienst abgehalten wird, steht an der Straße, und da muß ich bestätigen, was der Lokomotivführer neulich im „Sonntagsgruß" angeführt hat, daß das Volk hier keinen Sonntag und keinen Feiertag hält, nur den besseren Stand sieht man in die Kirche gehen und des Nachmittags spazieren gehen. Während unseres Gottesdienstes hört man die Leute auf der Straße schreien. Wie an Werktagen fahren sie mit Wagen, an die sie einen Hund ober einen Esel gespannt haben, durch die Stadt und schreien : charbons (Kohlen) Rnöere halten Gemüse feil, so daß das recht störend ist. Rm Nachmittag machte ich einen Spaziergang und sah, was ich auch im vorigen Jahre schon gesehen hatte, daß die gottlosen Menschen überall in den Gärten arbeiteten. Sie kennen weder Weihnachten noch Ostern noch Pfingsten. Nur Rnfang November halten sie so eine Rrt Totensonntag, ba gehen alle mit Blumen auf den Friedhof." Man sieht auch aus dieser Reußerung, wie tief der Rtheis- mus (die Gottlosigkeit) schon im französischen Volke Wurzel gefaßt hat und wohin es führt, wenn man, was vereinzelte Schwärmer auch in Deutschland schon befürwortet haben, Staat und Kirche voneinander trennt. Gott behüte unser Volk, daß es diesem Geiste auch anheimfällt. Unseren schönen feierlichen Sonntag wollen wir doch behalten. Die Franzosen, die schmutzig und schreiend Sonntags über die Straßen ziehen,
sind wahrlich nicht nachahmenswert.
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von dem Umfang dessen, das die evangelische Kirchengemeinde Gießen für Kriegszwecke seither geleistet hat, kann man sich ein Bild machen, wenn man nur in das Rüge faßt, was sie für den hessischen Lazarettzug aufgebracht hat. Rn bar wurden abgeliefert 4290 Mark) dieser Betrag setzt sich zusammen aus Kirchenkollekten, Gaben, die an die vier Gemeindepfarrer abgeliefert wurden, und einem Zuschuß aus der Kirchenkasse. Recht erheblich sind die Leistungen unserer vier Frauenvereine für diesen Zweck. Es wurden abgeliefert: 117 Bettücher, 18 wollene Kolter, 28 Kolterbezüge, 25 Federkissen, 130 Kissenbezüge, 74 Unterlagen, 405 Handtücher, 26 Rerztehandtücher, 24 Tellertücher,


